Zum Hauptinhalt springen

Ersatzwahl in RichterswilZwei wollen das Richterswiler Schulpräsidium – bis jetzt

Weil der langjährige Schulpräsident Markus Oertle (SP) aus dem Dorf weggezogen ist, findet eine Ersatzwahl statt. Zwei Parteilose wollen ihn beerben, mindestens.

Die vielen Kündigungen an der Schule Samstagern haben einen Einfluss auf die Ersatzwahl ums Schulpräsidium Richterswil-Samstagern.
Die vielen Kündigungen an der Schule Samstagern haben einen Einfluss auf die Ersatzwahl ums Schulpräsidium Richterswil-Samstagern.
Archivfoto: Michael Trost

Seit zehn Jahren heisst der Schulpräsident von Richterswil-Samstagern Markus Oertle (SP). Weil der 59-Jährige, der im Kanton Zürich leitender Staatsanwalt ist, Ende letzten Jahres nach Gommiswald gezogen ist, ist er von seinem Amt als Schulpräsident zurückgetreten. Eigentlich hätte die Ersatzwahl am 21. Juni stattfinden sollen. Coronabedingt hat sie sich aber auf den 23. August verschoben.

Die Ersatzwahl ist nicht nur von grossem Interesse, weil es nach zehn Jahren zu einem Wechsel im Schulpräsidium kommt. Sondern auch, weil es in der Schule Samstagern zurzeit gehörig brodelt. Denn ein Drittel der Lehrerschaft hat auf Ende Schuljahr gekündigt. Zwar konnten sämtliche Stellen wieder besetzt werden. Dennoch ist die Schulpflege in der Kritik. War sie doch schon länger über den schwelenden Konflikt informiert, der aus ihrer Sicht auf unterschiedliche Führungsverständnisse zurückzuführen ist. Obwohl sie darum wusste, hat sie es nicht geschafft, die Abgänge zu verhindern.

Evard und Züger wollen nicht

Die Frist für Vorschläge für die Ersatzwahl läuft noch bis Mitte Juli. Bekannt ist bis jetzt: Der amtierende Vizepräsident Simon Evard (FDP), der zuletzt während einer krankheitsbedingten Abwesenheit von Markus Oertle interimistisch das Zepter übernommen hat, möchte das Präsidium nicht übernehmen. Evard, der seit 10 Jahren als Schulpfleger amtet, sagt: «Ich habe Anfang der Legislatur den Job gewechselt, und mir ist seither aufgrund meiner beruflichen Belastung klar, dass die aktuelle Amtsperiode meine letzte ist.» Für zwei Jahre das Präsidium zu übernehmen, erachte er nicht als sinnvoll.

Laut Esther Baumann, Präsidentin der FDP, stand kurz auch eine zweite Option im Raum: dass die Freisinnige Melanie Züger, die neun Jahre lang in der Schulpflege sass und heute im Gemeinderat für das Ressort Gesellschaft verantwortlich zeichnet, das Schulpräsidium übernimmt. Das hat Melanie Züger aber abgelehnt. Diese sagt, die Entscheidung sei ihr nicht leicht gefallen. Den Ausschlag gegeben habe in erster Linie die Neuausrichtung des Alterszentrums im Wisli, worüber die Richterswiler ebenfalls im August befinden. «Danach fängt die Arbeit erst an, und ich möchte diese wenn möglich bis zum Schluss begleiten.»

Nicht nur die FDP schickt niemanden ins Rennen um die Ersatzwahl. Allen anderen Ortsparteien geht es gleich: Keine hat jemanden gefunden, der oder die sich für das zweithöchste Exekutivamt in der Gemeinde zur Verfügung stellen würde. Das ergibt eine Umfrage dieser Zeitung. Hingegen interessieren sich zwei Parteilose für das Schulpräsidium: Mira Crivelli-Amstutz und Frank Ruepp.

Vernetzte Ur-Richterswilerin

Mira Crivelli-Amstutz (1976) ist in Richterswil keine Unbekannte. Sie ist bereits in einer Richterswiler Lehrerfamilie aufgewachsen – beide Eltern waren Lehrer, und zwei ihrer drei Geschwister haben wie sie selbst den Lehrerberuf ergriffen. Die ausgebildete Volksschullehrerin und studierte Anglistin arbeitet an der Kantonsschule Wiedikon und ist Mutter zweier Kinder. Seit 2014 ist sie Mitglied der Schulpflege, und zwar im Ressort Personelles. Sie ist verantwortlich für die Mitarbeiterbeurteilung der Lehrpersonen.

Mira Crivelli (parteilos), amtierende Schulpflegerin und Lehrerin, ist in Richterswil aufgewachsen.
Mira Crivelli (parteilos), amtierende Schulpflegerin und Lehrerin, ist in Richterswil aufgewachsen.
Foto: PD

«Aktuell bin ich Expertin in meinem Gebiet», sagt Mira Crivelli, «aber mich würde es reizen, den Überblick zu haben und dadurch Prioritäten setzen zu können in der Schulgemeinde. Mit meiner breiten schulischen Erfahrung kann ich der Gemeinde viel bieten.» Sie ist sich bewusst, dass die Schulpflege zurzeit wegen des schwelenden Konflikts in Samstagern in der Kritik ist. In der Zeit, als Markus Oertle krankheitshalber abwesend war, sei sie mehr einbezogen worden und habe mehr Führung und Verantwortung übernehmen können. «Ich habe gesehen, dass mir diese Rolle liegt.» Sie sieht sich selbst in der Rolle einer Vermittlerin, mit Teamplayer-Qualitäten. «Ich habe einen guten Draht zur Lehrerschaft, der Schulverwaltung und den Eltern, kann gut zuhören und führen.» Politisch bezeichnet sich die Parteilose als Kandidatin der Mitte.

Der Krisenmanager

Frank Ruepp (1964), der mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Teenageralter seit zehn Jahren in Richterswil wohnt, wäre dagegen ein Quereinsteiger. Der studierte Ökonom hat lange in der produzierenden Industrie gearbeitet, unter anderem in den Bereichen Finanz&Controlling und als Geschäftsführer. Heute amtet er als Verwaltungsrat und selbstständiger Interimsmanager, der auch in Krisensituationen hinzugezogen wird. «Ich hatte auf lokaler Ebene noch nie ein politisches Amt inne, bin aber schon lange in politischen Themen aktiv», sagt Ruepp. «Als ehrenamtlicher Präsident der Interessengemeinschaft Energieintensive Branchen setze ich mich seit Jahren in Bundesbern für den Werkplatz Schweiz ein.» Sein besonderes Augenmerk gelte der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitenden.

Frank Ruepp (parteilos), als Ökonom ein politischer Quereinsteiger, verfügt über viel Erfahrung in der Krisenkommunikation.
Frank Ruepp (parteilos), als Ökonom ein politischer Quereinsteiger, verfügt über viel Erfahrung in der Krisenkommunikation.
Foto: PD

«Bildung ist für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft zentral», sagt der Familienvater von drei Kindern in Ausbildung. Sich für die Bildung in Richterswil einzusetzen, motiviert ihn, zur Wahl ums Schulpräsidium anzutreten. «Für dieses Amt werden Qualitäten in den Bereichen Führung, Organisation, Kommunikation, Teamfähigkeit und Krisenmanagement vorausgesetzt, das bringe ich alles mit.» Gerade weil er weiss, dass es «in Samstagern offenbar einen Konflikt gibt», erachtet Ruepp es als Vorteil, dass er neu und unvoreingenommen dazukommen würde. Seine politischen Leitplanken bezeichnet der Parteilose als bürgerlich-liberal.

Eine dritte Kandidatur?

Noch ist keine offizielle dritte Kandidatur bekannt. Aber es ist nicht auszuschliessen, dass noch eine dritte Person zur Ersatzwahl antreten wird. Jene Eltern, die im April in einem Brief an Schulpräsident Markus Oertle ihre Besorgnis über die Kündigungswelle an der Schule Samstagern geäussert haben, wollen in dieser Frage das Wahlpodium abwarten, das der Gemeindeverein am 8. Juli in Samstagern durchführt, um zu sehen, ob die Auswahl sie überzeugt. Die Frist für Wahlvorschläge läuft noch bis zum 13. Juli, die siebentägige Nachfrist bis zum 20. Juli.