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Nach Djokovics Corona-Tour Zverev tanzt sich an den Pranger

Der Deutsche ignoriert weiter alle Vorsichtsmassnahmen. Nun hagelt es auch von seinen Kollegen Kritik, speziell von Nick Kyrgios.

Quarantäne der etwas anderen Art: Alexander Zverev in Frankreich.
Video: Instagram

Alexander Zverev war mittendrin im Partygeschehen, als während der von Novak Djokovic lancierten Adria-Tour mehrere Personen positiv auf das Coronavirus getestet wurden, darunter Grigor Dimitrov, Novak Djokovic und seine Frau, Viktor Troicki und seine Frau, Borna Coric sowie Goran Ivanisevic. Zverev, der bei Roger Federers Agentur Team-8 unter Vertrag steht, wurde selber nicht positiv getestet, aber versprach: «Ich entschuldige mich bei allen, die ich einem Risiko ausgesetzt habe. Nun werde ich mich den Regeln der Selbstisolation unterwerfen….»


Da passt es schlecht, dass nur sechs
Tage später am Sonntag auf den sozialen Medien ein Video auftauchte, das illustriert, wie wenig ernst ihm dieses Versprechen war: Es zeigt den Weltranglistensiebten, wie er inmitten einer ausgelassenen Partygesellschaft tanzt, erneut alle Vorsichtsmassnahmen ignorierend. Schauplatz: das Strandlokal Anjuna Plage im südfranzösischen Eze-sur-Mer. Zu sehen ist auf dem Filmchen auch der Franzose Lucas Pouille. Gepostet hatte den inzwischen gelöschten Beitrag ursprünglich der deutsche Modedesigner Philipp Plein auf Instagram.

Seit die Bilder aufgetaucht sind, geht ein Shitstorm über den 22-jährigen Hamburger nieder. «Bei solchen Aktionen frage ich mich ernsthaft, für wie blöd er die Öffentlichkeit hält», kommentierte über Twitter ein deutscher Tennisreporter. Bei vielen anderen Kommentaren war der Ton deutlich schärfer. Und Nick Kyrgios, der noch nie etwas von Diplomatie hielt, verfasste im heiligen Zorn noch im fahrenden Auto eine Videobotschaft. «Wieder er! Wieder Sascha Zverev! Wie selbstsüchtig kann man sein», sagt der Australier darin. «Das pisst mich an, diese Tenniswelt pisst mich an.» Er hätte zumindest die Grösse haben können, sich 14 Tage zu isolieren, «er hätte ja seine Freundin dabei haben können».

Mit Zverev am Pranger steht auch sein österreichischer Kollege Dominic Thiem, der ebenfalls an der Adria-Tour teilnahm und in diesen Corona-Zeiten unverdrossen einen Schaukampf nach dem anderen absolviert. Gegenüber einer französischen Fernsehstation zog er am Wochenende das Thema ins Lächerliche und sagte: «Ich bin wahrscheinlich der negativste Spieler auf der Tennistour», in Anspielung an die vielen Corona-Tests, die er in diesen Tagen absolvieren muss.

Die vielen wütenden Reaktionen aus der Tenniswelt rühren auch daher, dass die Sorglosigkeit und die Ignoranz von Stars wie Zverev sogar die im August geplante Wiederaufnahme der Profitour gefährden. Dabei stehen mit dem US Open und dem French Open noch zwei Grand-Slam-Turniere auf dem Programm, die gerade für schlechter klassierte Spielerinnen und Spieler kapital sind, um ihre Verdienstausfälle etwas zu dämpfen. Zverev war schon im vergangenen Spätherbst kritisiert worden, weil er lieber mit Federer auf eine Schautour durch Südamerika gegangen war, als den Davis-Cup zu bestreiten.

Weiter unter Beschuss steht auch Djokovic. Der Kanadier Milos Raonic bemerkte in einem Interview, dass die Meinung des Serben inzwischen nicht mehr viel Gewicht habe, beispielsweise im Bezug auf das bevorstehende US Open. An diesem hatte der Serbe die seiner Meinung nach zu rigorosen Sicherheitsvorkehrungen stark kritisiert.

11 Kommentare
    Jürgen Baumann

    Offenbar müssen uns in Europa fragen, was mit unseren Bildungssystemen los ist, wenn einfache Zusammenhänge von vielen Erwachsenen nicht mehr begriffen werden. Oder ist das als Beitrag gedacht die Population und die Wirtschaft schnell und dauerhaft an die Wand zu fahren.