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2. Rang beim Slalom in LeviZum Glück ist Gisin abergläubisch

Die Engelbergerin ist so gut wie nie in dieser Disziplin. Auch wegen eines speziellen Rezepts. So könnte sie sogar zur Kandidatin für den Gesamtweltcup werden.

Strahlen unter der Maske: Michelle Gisin wird im finnischen Levi Zweite hinter Petra Vlhova.
Strahlen unter der Maske: Michelle Gisin wird im finnischen Levi Zweite hinter Petra Vlhova.
Imago

Etwas Aberglaube schadet nicht. Dachte sich Michelle Gisin. Deshalb verzichtete die Engelbergerin vor diesem Winter auf die grossen Töne, die ihr noch 2019 vor dem Saisonstart über die Lippen gekommen waren. Lieber keine Ziele aussprechen, als solche, an denen sie dann gemessen wirdund: an denen sie gnadenlos scheitert.

Ihr Plan geht bislang auf. Die 26-Jährige fährt in diesen ersten Rennen der Saison so befreit wie nie. Zweite ist sie am Sonntag geworden im Slalom von Levi, es ist ein Traumergebnis für Gisin, das beste überhaupt in dieser Disziplin. Einmal stand sie zuvor auf einem Slalompodest, im Vorjahr als Dritte von Lienz, und nun also folgte der Coup im Hohen Norden Finnlands. Einzig die Slowakin Petra Vlhova, Siegerin schon am Samstag beim Auftakt zu diesem Doppel-Slalom-Wochenende der Frauen und im ersten Lauf zeitgleich mit Gisin Erste, war noch 31 Hundertstel schneller als die Schweizerin.

Gisins 2. Lauf.
Video: SRF

Diese tut sich dann erst im Ziel schwer, als es darum geht, die Maske über Mund und Nase zu ziehen. Schliesslich gelingt es ihr, steht sie mit einem breiten Grinsen, die Fältchen an den Augen verraten es, neben Vlhova und der Österreicherin Katharina Liensberger, die Dritte wird wie am Vortag. Gisin ist in der Slalom-Weltspitze angekommen.

Die Ränge 4, 5, 2: Ein Traumstart

Es ist noch reichlich früh in dieser speziellen Coronasaison, und doch lässt sich bereits erahnen, dass Gisin auch zur ernsten Kandidatin werden könnte, wenn es um den Gesamtweltcup geht. Rang 4 beim Riesenslalom in Sölden, nun die Plätze 5 und 2 in Levi bringen sie in dieser Wertung auf Position 2 hinter Vlhova. Doch Gisin tut gut daran, weiter nichts dazu zu sagen, ja nicht vom ganz Grossen zu reden. Eben nicht so wie 2019.

Damals hatte sie von einer möglichen Kugel als beste Abfahrerin schwadroniert, davon, dass sie Mikaela Shiffrin aus der Reserve locken wolle, wenn es um die grosse Kristallkugel gehe. Gekommen ist es dann so: 24. in der Abfahrt, Achte im Gesamtweltcup, oder: viertbeste Schweizerin.

Gisin litt unter dem Druck, den sie sich selber auferlegt hatte, verkrampfte sich. Hinzu kamen in den Speeddisziplinen die Bilder, die sie verfolgten. Als Kind hatte sie schon einiges miterleben müssen mit ihrer Schwester Dominique Gisin, Abfahrtsolympiasiegerin 2014 in Sotschi und Dauerverletzte. Neunmal wurde diese während ihrer Skikarriere am Knie operiert. Und mit Bruder Marc, Abfahrer wie ihre Schwester, der fürchterliche Stürze hatte, 2015 in Kitzbühel, 2018 in Gröden.

Die Bilder von den Stürzen

Michelle Gisin selber erwischte es 2019 in Garmisch, als ihr rechtes Knie heftige Schläge abkriegte, eine Operation und der Saisonabbruch folgten. Im letzten Winter sah sie sich bei den Pistenbesichtigungen oft schon vor dem geistigen Auge abfliegen, geradewegs in die Sicherheitsnetze, es hemmte sie zusätzlich.

Deshalb der neue Ansatz für diese Saison: nicht unnötig unter Druck setzen, Fehler zulassen auch in den Speeddisziplinen, in denen sie seit ihrer Abfahrtspremiere 2016 in Val-d’Isère immer wieder verblüfft, locker bleiben. Auf den Ski. Im Kopf.

In den technischen Sparten ist ihr das bis jetzt hervorragend geglückt. Es kann nur helfen für die Rennen in Super-G und Abfahrt, die ab Dezember in St. Moritz und Val-d’Isère folgen. Auch dann gehört sie zum erweiterten Kreis der Favoritinnenerst recht in dieser Verfassung.

Holdener zweimal neben dem Podest

Nicht nur zum erweiterten, sondern zum engen Kreis der Siegesanwärterinnen gehörte an diesem Wochenende Wendy Holdener. Doch die Schwyzerin verpasste auch diesmal ihren ersten Slalomsieg, ja gar das Podest. Beide Rennen beendete sie auf Rang 4.

Der 2. Lauf von Wendy Holdener.
Video: SRF

Immerhin klassierte sie sich beim zweiten Slalom für einmal vor ihrer grossen Konkurrentin Mikaela Shiffrin, die nach dem Tod ihres Vaters im Februar und 300 Tagen ohne Rennen zurückkehrte in den Skiweltcup. Dass die Amerikanerin deutlich weniger trainiert hatte im Sommer und der Kopf noch nicht ganz frei ist von den Gedanken an Jeff Shiffrin, der nach einem Unfall im Haus in Colorado verstarb, war der Dominatorin der letzten Jahre anzusehen. Zweite und Fünfte wurde sie in Levi. Für die 25-Jährige ist das eine schlechte Ausbeute: 2014 im schwedischen Are war es, als sie letztmals einen Slalom ausserhalb der Top 3 beendete.

1 Kommentar
    Per Holund

    Einfach genial was unsere CH Athletinen liefern. Schade ist nur, dass man die Fahrten auf dem Österreicher anschauen muss, weil Frau Schönbächler nicht zumutbar ist.