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Trotz Macho-Mail: «Lucek ist ein guter Mann»

Erstmals tagt der Zürcher Kantonsrat seit dem verunglückten E-Mail von Christian Lucek. Kolleginnen und Kollegen sind verwundert.

Unterlag nach Macho-Mail SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli: SVP-Kantonsrat Christian Lucek.
Unterlag nach Macho-Mail SVP-Nationalrätin Nathalie Rickli: SVP-Kantonsrat Christian Lucek.
Keystone

Noch vor einer Woche war Christian Lucek der kaum bekannte Herausforderer von Natalie Rickli um die SVP-Regierungsratskandidatur. Dann versandte er ein ungeschicktes Mail – und plötzlich war Lucek in aller Munde als Mann, der ernsthaft die Frage stellt: «Wollen wir vier Frauen im Regierungsrat?». Der Rest der Geschichte ist bekannt: An der Delegiertenversammlung vom Dienstag erklärte Wahlkampfleiter Alfred Heer Lucek faktisch für nicht mehr wählbar, die Delegierten straften ihn danach brutal ab; nur 53 sprachen sich für den Berufsmilitär als Regierungsratskandidaten aus, 244 für Rickli.

Was hat das für Folgen für einen, der immerhin seit kurzem SVP-Vize-Fraktionschef im Zürcher Kantonsrat ist? Lucek selbst schweigt. Fraktionschef Martin Hübscher sagt: «Das ist nichts, worüber ich in den Medien rede.» Etliche SVP-Parlamentarier, die sonst gern Auskunft geben, wollen ebenfalls lieber nichts sagen. Andere finden, das Mail sei doch kein Thema mehr, auch an der heutigen Fraktionssitzung sehen sie keinen Gesprächsbedarf. «Wir sollten lieber vorwärtsschauen», sagt Christian Hurter nur. «Lucek ist ein guter Mann, warum sollten wir ihn absägen?»

Einer aber redet, denn er ist wütend. Jürg Sulser aus Otelfingen hat sich schon an der Delegiertenversammlung für Lucek in die Bresche geworfen, und jetzt sagt er: «Ich stehe zu 110 Prozent hinter Christian. Und das tut auch die Fraktion. Wir wissen, was er für uns leistet. Er ist ein ‹Chrampfer›.» Natürlich sei das Mail ungeschickt gewesen, räumt Sulser ein – aber mehr nicht. Sexistisch? Nein, sicher nicht. Zu denken gebe ihm etwas ganz anderes, sagt Sulser, nämlich die Frage, wer das Mail weitergab, das Lucek nur innerhalb der Fraktion verschickt habe: «Diese Person sitzt heute mit uns an der Sitzung und lächelt Christian ins Gesicht. Das macht mir zu schaffen.»

«Er wäre fachlich besser als Rickli»

Es sind aber nicht nur die Fraktionskollegen, die finden, Lucek mache eine gute Arbeit. Das sagt zum Beispiel auch Esther Guyer, die als Fraktionschefin der Grünen am anderen Ende des politischen Spektrums sitzt. Lucek sei ein guter Kantonsrat, mit dem man reden könne: «Was die Dossierkompetenz und die Kenntnisse über den Kanton Zürich angehe, wäre Lucek der bessere Regierungsratskandidat gewesen als Natalie Rickli. Wir brauchen keine Zwei-Themen-Frau.» Dass ausgerechnet dieser Mann ein solches Mail verschickt, quittiert Guyer mit Kopfschütteln: «Der kennt das politische Einmaleins nicht und hat ein Frauenbild von 1950.»

Den Kopf geschüttelt hat auch Marcel Lenggenhager, der 2015 für die BDP erfolglos als Regierungsrat kandidierte. «Lucek ist ein guter Mann, das ist völlig unbestritten. Dass jemand mit so viel Erfahrung ein solches Schreiben verschickt, verstehe ich nicht. Das passt nicht zu ihm.» Was Lenggenhager aber noch viel weniger versteht: Dass Wahlkampfleiter Heer Lucek derart abgesägt hat: «Das ist schon dicke Post, gemessen an dem, was vorgefallen ist.»

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