Roger Köppel und die Millionendividende

Roger Köppel inszenierte sich jüngst als Verfechter von Transparenz. Doch seine eigene Geschichte hat Lücken.

Seine Dividenden legt «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel nicht auf den Tisch. Foto: Monika Flückiger (Keystone)

Seine Dividenden legt «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel nicht auf den Tisch. Foto: Monika Flückiger (Keystone)

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Das war sich Roger Köppel nicht gewohnt. Ein paar Sekunden Stille machten sich breit, als der SVP-Ständeratskandidat seine Pressekonferenz am 24. September im Hotel Schweizerhof beim Zürcher Hauptbahnhof beendete und die Fragen der Journalistinnen und Journalisten anstanden. Auf seiner Tour durch den Kanton, «Mein Wahlkampf» nannte sie Köppel, werden diese Sekunden normalerweise mit Applaus gefüllt.

Die anwesenden Reporter mussten Köppels Worte erst verdauen. Zum Auftakt der heissen Phase des Wahlkampfs hatte er nicht wie angekündigt eine «persönliche Erklärung zum Ständeratswahlkampf» abgegeben, sondern zum Frontalangriff auf seine Gegner angesetzt, hatte die «Pöstchenjägerei» seiner Konkurrenten Ruedi Noser und Daniel Jositsch angeprangert, die «Durchseuchung» des Parlaments. Ihm gehe es darum, Transparenz herzustellen, bei seinen Gegnern und bei sich selbst, erklärte er.

Auszug eines GV-Protokolls der Weltwoche Verlags AG vom 24. Juni 2010. Ausriss: TA

Seine Konkurrenten würden sich weigern, ihre Bezüge offenzulegen. Nicht so er selbst: «Ich werde hier meine Finanzen auf den Tisch legen.» 279'995 Franken verdiene er als Verleger und Chefredaktor gemäss Lohnausweis, 100'000 Franken brutto kämen als Nationalrat hinzu. Macht rund 380'000 Franken brutto.

Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

Kein Wort sagte Roger Köppel über die Dividende, die er sich als Aktionär der Weltwoche Verlags AG aus dem Gewinn des Unternehmens ausbezahlt. Wie ein Protokoll der Generalversammlung vom 24. Juni 2010 zeigt, das dem TA vorliegt, betrug die Dividende in jenem Jahr exakt zwei Millionen Franken, also mehr als der fünffache Jahreslohn, den der «Weltwoche»-Verleger heute angibt. Köppel selbst sagte in den Medien mehrfach, er selbst sei alleiniger Eigentümer des Wochenblatts. Damals war er noch nicht im Parlament.

Hier stoppt die Transparenz

Über die konkrete Verwendung der Millionendividende – Abzahlung von Krediten? Privates Investment? – ist nichts bekannt. Dennoch steht damit eine wichtige Frage im Raum: Wie viel liess sich Köppel sonst noch auszahlen, vor allem auch in Folgejahren? Auf Nachfrage schreibt er: «Über die Geschäftsgeheimnisse der Weltwoche Verlags AG führe ich keine öffentliche Korrespondenz.» Es spiele keine Rolle, wie viel jemand in seinem Beruf verdiene, den er schon vor seiner politischen Tätigkeit gehabt habe. Relevant sei, welche Mandate ein Politiker nach seiner Wahl «einsacke» und wie viel er dafür bekomme. Entsprechend hat Köppel auch bei der Gemeinde Küsnacht die Einsicht in seine Steuerdaten gesperrt.

Doch mit einer Dividende in
Millionenhöhe, die er sich offenbar vor wenigen Jahren ausschüttete, steht Köppel selber im diffusen Licht.
Mark Balsiger, Kampagnenspezialist

Nur: Er hatte gesagt, er wolle seine Finanzen auf den Tisch legen. Wie geschickt war also das Transparenz-Manöver?

Für Kampagnenspezialist Mark Balsiger war immer klar, dass der «Weltwoche»-Chef die beiden bisherigen Ständeräte angreifen wird: «Als Herausforderer und Spielernatur kann Roger Köppel gar nicht anders.» Er habe die Empörungswelle und den Neid rund um die Einkünfte von Zusatzmandaten, die Politiker auf Bundesebene erhalten, lostreten und für sich nutzen wollen. «Doch mit einer Dividende in Millionenhöhe, die er sich offenbar vor wenigen Jahren ausschüttete, steht Köppel selber in einem diffusen Licht.» So beziehe sich seine Transparenz nur auf jene Zeit, in der er sich einen für seine Verhältnisse bescheidenen Lohn auszahlte.

Wert: Nur zwei Millionen?

Um Köppels Kauf der «Weltwoche» ranken sich seit 2006 Gerüchte. Konkret sprossen Spekulationen darüber, wie viel Köppel bezahlt hatte und woher das Kapital dafür kam. Er selbst sagt, er habe sein ganzes Privatvermögen investiert und Bankkredite aufgenommen.

Die «Weltwoche» wurde 2006 aus dem Jean-Frey-Verlag herausgelöst und an Köppel verkauft, laut Köppel zuerst zu 60 Prozent, später zu 100 Prozent. Federführend war damals der Anwalt Martin Wagner, der im Januar 2018 in seinem Haus in Basel wegen eines privaten Streits erschossen wurde. Im Gründerbericht der Weltwoche Verlags AG vom Oktober 2006 heisst es, der aus der Jean Frey herausgelöste «Geschäftsbereich ‹Weltwoche›» habe einen Wert von zwei Millionen Franken. Eine Zahl, die von Experten wiederholt als zu tief eingeschätzt wurde. Aber schliesslich hatte der Verkauf einen anderen Sinn. Jean-Frey-Aktionär Tito Tettamanti erklärte es Autor Daniel Ryser in Köppels Biografie so: «Man muss die Ideen säen. Säen, säen, säen. Mit der ‹Weltwoche› haben wir eine Lücke gestopft. Die Lücke der rechten Opposition.»

Köppel selbst will die Zahlen des Gründungsberichts nicht kommentieren. Er betont nur, dass ihm danach der Turnaround gelungen sei: «Es ist kein Geheimnis, dass der jahrelange schwere Verlustbringer ‹Weltwoche› seit meiner Übernahme wieder profitabel ist». Auch Tettamanti wollte sich zum Kaufpreis nicht äussern.

Erstellt: 11.10.2019, 06:16 Uhr

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