Zum Hauptinhalt springen

«Man sollte nicht eingreifen, sondern Informationen sammeln»

Eine 38-Jährige wurde in Embrach spitalreif geprügelt, weil sie Zivilcourage zeigte. Was die Kantonspolizei in so einem Fall rät.

Jugendliche randalierten, eine Frau intervenierte: Der Bahnhof Embrach. Bild: Google Maps
Jugendliche randalierten, eine Frau intervenierte: Der Bahnhof Embrach. Bild: Google Maps

Eine Gruppe Jugendlicher prügelte am Samstagabend am Bahnhof Embrach ZH eine 38-jährige Frau spitalreif – weil sie die Gruppe daran hindern wollte, einen Selecta-Automaten zu beschädigen. Die Kantonspolizei rät davon ab, einzugreifen.

«Wer Sachbeschädigungen beobachtet, sollte nicht eingreifen, sondern möglichst viele Informationen sammeln: Wie viele Personen sind beteiligt, welche Kleidung tragen sie, in welchen Zug sind sie gestiegen», sagt Ralph Hirt, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, zu «20 Minuten». Danach solle man umgehend die Polizei informieren.

Sachbeschädigung vs. Person in Not

Die Frau in Embrach habe es sicher gut gemeint, als sie interveniert habe. «Aber man muss sich in einer solchen Situation bewusst sein, dass man alleine gegen eine Gruppe von fünf Jugendlichen wenig ausrichten kann.»

Anders verhalte es sich, wenn Personen in Not sind, so Hirt. «Dann soll man unbedingt sofort den Notruf alarmieren und eingreifen, indem man den Tätern zuruft und sie blossstellt.»

«Wenn der nichts tut, muss ich auch nichts tun»

Gemäss einer Frau aus dem engeren Bekanntenkreis des Opfers sollen während der Tat mehrere Passanten anwesend gewesen sein. Sie alle hätten jedoch nur zugeschaut, «niemand hat eingegriffen», empört sich die Frau. «Ich bin geschockt, dass so etwas in der Schweiz möglich ist. Dass man einem hilflosen Opfer nicht hilft», erzählt sie weiter.

Gemäss Konflikt-Coach Ralf Bongartz ist dies ein weit verbreitetes Phänomen. Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» zum Thema Zivilcourage (Abo+) geht er so auch auf den sogenannten Bystander-Effekt ein. «Mit jeder weiteren Person reduziert sich die Hilfsbereitschaft des Einzelnen um 50 Prozent. Jeder denkt, dass ein anderer näher dran oder stärker ist; man sagt sich: ‹Wenn der nichts tut, muss ich auch nichts tun.›» Doch diese Reaktion sei nicht in Stein gemeisselt. «Wissen die Leute einmal um diesen Bystander-Effekt, handeln sie in der Regel eher.»

Täter waren fünf Teenager

Die 38-Jährige hatte die Jugendlichen am Samstag um 21.30 Uhr am Bahnhof Embrach angesprochen, als diese einen Lebensmittelautomaten mit Fusstritten traktierten. Die Gruppe liess in der Folge zwar vom Automaten ab, fing aber an, die Frau zu beschimpfen und mit Fäusten und Füssen auf sie loszugehen. Das Opfer wurde dabei mittelschwer verletzt und musste mit der Ambulanz ins Spital gefahren werden.

Dank Hinweisen aus der Bevölkerung konnten die mutmasslichen Täter am Sonntag ermittelt werden. Es handelt sich dabei um zwei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 16 und 17 Jahren. Die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der laufenden Untersuchung, die durch Spezialisten der Kantonspolizei Zürich und der Jugendanwaltschaft des Kantons Zürich geführt wird.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch