Die Zahl der «Schüttelbabys» ist gestiegen

Am Zürcher Kinderspital haben die Verdachtsfälle auf Kindsmisshandlungen zugenommen. Vor allem Säuglinge mit Schütteltrauma mussten vermehrt behandelt werden.

Simulation mit einer Puppe: Die roten Lämpchen markieren, welche Hirnregionen beim Schütteln eines Babys geschädigt werden.

Simulation mit einer Puppe: Die roten Lämpchen markieren, welche Hirnregionen beim Schütteln eines Babys geschädigt werden. Bild: Keystone

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Die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle des Universitäts-Kinderspitals Zürich verzeichnete im vergangenen Jahr 544 Fälle, bei denen ein Verdacht auf Kindsmisshandlung bestand. Bei 387 Kindern habe sich eine Misshandlung bestätigt, teilt das Kinderspital Zürich am Montag mit.

In 128 Fällen blieb es beim Verdacht. Diese Kinder werden in der Folge gemäss Mitteilung «engmaschig kontrolliert» oder mit anderen Stellen wie zum Beispiel dem Kinderarzt oder der Mütter- und Väterberatung vernetzt. Bei 29 Kindern hat sich im Verlauf der Untersuchung herausgestellt, dass die Symptome medizinisch erklärbar waren und keine Misshandlung vorlag.

Schütteln bis zum Tod

Der Kinderschutz unterscheidet zwischen fünf Kategorien: körperliche und psychische Misshandlung, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung und Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom – eine psychische Krankheit, die zumeist auffallend fürsorgliche Eltern dazu bewegt, bei ihren Kindern Krankheiten zu verursachen.

Das Schütteln von Kleinkindern verursacht bei zwei Drittel der Kinder bleibende Hirnschäden, es kann sogar zum Tod des Kindes führen.


Auffallend sei, dass mehr Säuglinge mit Schütteltrauma am Kinderspital behandelt werden mussten. Insgesamt seien zehn Verdachtsfälle sogenannter «Schüttelbabys» gemeldet worden, die Hälfte davon seien bestätigt worden. 2018 seien es noch zwei bestätigte Fälle gewesen, teilt das Kinderspital mit. Das Schütteln von Kleinkindern verursacht bei zwei Drittel der Kinder bleibende Hirnschäden, es kann sogar zum Tod des Kindes führen.

Stärkere Sensibilisierung

Die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich feiert in diesem Jahr ihr 50. Bestehen. Die Opferberatungsstelle ist bereits seit 25 Jahren tätig. Trotz Jubiläum gebe es aber keinen Grund zum Feiern, heisst es in der Mitteilung weiter, denn mit den Jahren seien der Kinderschutzgruppe immer mehr Fälle gemeldet worden.

Das hänge jedoch auch mit der zunehmenden Sensibilisierung der Bevölkerung sowie der Fachpersonen innerhalb und ausserhalb des Kinderspitals zusammen. «Heute werden Kindswohlgefährdungen und Kindsmisshandlungen viel früher erkannt», teilt das Spital mit.

(tif)

Erstellt: 20.01.2020, 11:46 Uhr

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