Zürcher Bildungsdirektorin kritisiert Glarner scharf

Der SVP-Nationalrat hat bei seiner Entschuldigung im Fernsehen weitere Vorwürfe erhoben. Jetzt reagiert Silvia Steiner.

Silvia Steiner: «Ich habe ein Problem damit, wenn man zuerst etwas behauptet und nachher die rechtlichen Grundlagen prüft.» Bild: Doiris Fanconi

Silvia Steiner: «Ich habe ein Problem damit, wenn man zuerst etwas behauptet und nachher die rechtlichen Grundlagen prüft.» Bild: Doiris Fanconi

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SVP-Nationalrat Andreas Glarner hat sich bei der Zürcher Lehrerin entschuldigt, die er auf Facebook zur Zielscheibe gemacht hatte. Allerdings liess er es in der Sendung «SonnTalk» auf TeleZüri nicht dabei bewenden. Er erhob Vorwürfe gegen die Zürcher Schulen und die Bildungsdirektion. So sagte Glarner, dass es für muslimische Schüler leichter sei, sich aus religiösen Gründen von einzelnen Schultagen dispensieren zu lassen.

In Paragraf 29 der Zürcher Volksschulverordnung ist allerdings keine Religion namentlich genannt. Und im Anhang 2 werden Feiertage diverser Religionen genannt, an denen Schüler dispensiert werden können. Diese Liste ist gemäss «Radio 1» nicht abschliessend verfasst, sondern als Information an die Lehrpersonen und Schulen gedacht.

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner sagte gegenüber dem Sender, dass dies auch so gehandhabt wird: «Angehörige aller Religionen können an hohen Feiertagen ihrer Religion nachgehen. Wenn Katholiken an Fronleichnam oder am 6. Januar zum Beispiel freinehmen wollen, können sie das auch.» Steiner kritisierte Glarner erneut scharf: «Mich erschreckt, dass ein gewählter Nationalrat die Bundesverfassung nicht kennt. Ich habe ein Problem damit, wenn man zuerst etwas behauptet und nachher die rechtlichen Grundlagen prüft.»

Glarner selbst sagte gegenüber dem Radiosender, dass er die Volksschulverordnung aus dem Kanton Zürich nicht im Detail kenne. Er habe aus der Bevölkerung Hinweise bekommen, dass nur muslimische Schüler an Feiertagen dispensiert würden.

Bayram-Fest als Anstoss

Die von ihm diffamierte Lehrerin hatte Eltern in einem Brief über die langjährige Schulpraxis informiert, dass muslimische Schüler für das Bayram-Fest zum Ende des Ramadans freibekommen. Dem SVP-Politiker passte dies nicht und er veröffentlichte den Brief auf seinem Facebook-Profil, inklusive Name und Telefonnummer der Lehrerin. «Vielleicht möchte jemand der Lehrerin mitteilen, was man davon hält», schrieb er dazu. (red)

Erstellt: 10.06.2019, 14:21 Uhr

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