Drohne surrt knapp an landender Swiss-Maschine vorbei

Wegen eines «schweren Vorfalls» am Flughafen Zürich ist eine Untersuchung eröffnet worden. Eine Drohne kam einem Swiss-Airbus gefährlich nahe – bis auf 20 Meter.

Eine A319 der Swiss.

Eine A319 der Swiss. Bild: Christian Merz/Keystone

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Der Vorfall ereignete sich gemäss einem heute Mittwoch publizierten Vorbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust)am 29. September: Ein Swiss-Airbus aus Berlin befand sich im Landeanflug auf die Piste 14, als plötzlich eine Drohne auftauchte. Diese surrte rund zehn Kilometer vor der Pistenschwelle in einem Abstand von weniger als 20 Metern oberhalb des Flugwegs der A319 vorbei. Die Sust beurteilt dies als schweren Vorfall. An Bord waren 103 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder. Verletzt wurde niemand.

Am 6. Mai 2017 ist es am Zürcher Flughafen schon einmal zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Betroffen war damals ein vollbesetzter Airbus der Swiss, der aus Dar es Salaam kam. Als dieser am frühen Morgen auf der Piste 34 landen wollte, kam es zur Beinahekollision: Nur gerade 10 Meter trennten das Flugzeug von einer stattlichen Drohne, einem sogenannten Multikopter von einem Meter Durchmesser.

Auch dieser schwere Vorfall löste eine Untersuchung aus. «Multikopter dieser Grössenordnung können beträchtlichen Schaden an einem Triebwerk anrichten oder dieses sogar in Brand setzen», hiess es später im Bericht der Sust. Da die Drohne genau über einem Wegpunkt für Linienmaschinen im Landeanflug schwebte, hielt man es für denkbar, dass die Drohne absichtlich dorthin gesteuert worden war, um Bilder des Flugzeugs zu schiessen.

Der Flughafen Zürich fordert seit geraumer Zeit Massnahmen gegen Drohnen in der Nähe von Landesflughäfen, weil es schon mehrfach zu gefährlichen Situationen kam. Nötig seien auch Ausbildung und Registrierung von Drohnen-Piloten, eine Sensibilisierungskampagne und nicht zuletzt Methoden zur «Detektion und Abwehr» der unbemannten Fluggeräte.

Es geht unter anderem darum, dass diese auf dem Radar der Flugsicherung nicht zu sehen sind. Eine Möglichkeit, hier Abhilfe zu schaffen, bestünde darin, Drohnen entsprechend auszurüsten. Der Bund will technische Normen aber nicht im Alleingang erlassen, sondern in Absprache mit der EU.

Wie gefährlich sind Drohnen?

Swiss-Sicherheitschef Philipp Spörli sagte Anfang Jahr in einem Interview mit zsz.ch, dass international noch kein Konsens bestehe, wie gefährlich Drohnen für Passagierflugzeuge sind. Die gemachten Tests seien nicht aussagekräftig genug. Es sei auch nicht nur eine Frage des Gewichts der Drohne. «Es ist wie mit den Vogelschlägen», sagte Spörli. «Ob ein Triebwerk beschädigt wird oder nicht, hängt nicht nur von der Grösse der Vögel ab, sondern auch von der Anzahl, welche ins Triebwerk gelangen.»


Das absolute Drohnensperrgebiet um den Flughafen gemäss Bazl. Auch im weiteren Umfeld sind Drohnen nur bis in 150 Meter Höhe erlaubt.


5 Kilometer um den Flughafen herum ist der Betrieb von Modellluftfahrzeugen und Drohnen mit einem Gewicht ab einem halben Kilogramm verboten. So hat es das Bundesamt für Zivilluftfahrt bestimmt. Auch die sonst geltende Regel, dass die untersten 150 Meter Luftraum für alle Nutzer offen sind, ist hier ausser Kraft gesetzt. Viele Drohnenbesitzer wissen das laut Spörli aber nicht. Hinzu kommt ein weiteres Problem. Ab einer gewissen Preisklasse sind die meisten Drohnen mit einem GPS-Chip ausgerüstet und so programmiert, dass man sie in der Nähe eines Flughafen gar nicht starten kann. Aber dieser Chip kann laut Spörli ausgetauscht werden. «Oder ich kann in China eine Drohne ohne Chip kaufen.»

(hub/sda)

Erstellt: 14.11.2018, 11:01 Uhr

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