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Zurück in die ErfolgsspurYB spielt mit Xamax bei der Dernière

Die Berner verabschieden das Stade de Suisse mit einem 6:0 in die Fussballhistorie. Der FC Luzern kommt nach 0:2-Rückstand noch zu einem Unentschieden.

YB kann sich von den rund 600 Fans im Stadion feiern lassen. Die Berner lassen Xamax keine Chance und gewinnen deutlich. Xamax konnte nur in den Startminuten mithalten.
YB kann sich von den rund 600 Fans im Stadion feiern lassen. Die Berner lassen Xamax keine Chance und gewinnen deutlich. Xamax konnte nur in den Startminuten mithalten.
Foto: Freshfocus
In der zweiten Hälfte können die Neuenburger den Bernern nichts mehr entgegensetzen. YB ist Xamax stets einen Schritt voraus und verwaltet das Spiel, kommt gar zu weiteren zwei Toren.
In der zweiten Hälfte können die Neuenburger den Bernern nichts mehr entgegensetzen. YB ist Xamax stets einen Schritt voraus und verwaltet das Spiel, kommt gar zu weiteren zwei Toren.
Foto: Freshfocus
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Vor einer Woche spielte Raphaël Nuzzolo einen Aussenristpass, der so schön war, dass der Berner Miralem ­Sulejmani seinem ehemaligen Teamkollegen eine anerkennende SMS schickte. Nuzzolo antwortete Sulejmani, dass er diese Pässe ihm abgeschaut habe. Und er sagte später, dass man nicht immer auf jene Trainer hören solle, die Zuspiele mit dem Innenrist predigten.

Was Nuzzolo als amüsante Anekdote in einem Interview platziert hatte, kam ihn am Samstagabend ziemlich teuer zu stehen. Denn Sulejmani beliess es nicht bei der SMS – sondern er zeigte Nuzzolo, dass auch er diese Pässe noch immer beherrscht.

Mit einem solchen Aussenristpass leitete der Serbe das 1:0 durch Michel Aebischer ein und stand so am Ursprung der acht Minuten, die den Young Boys für vier Tore reichten. Jean-Pierre Nsame traf, Christian Fassnacht traf, Nsame traf nochmals; und damit war es um Neuchâtel Xamax bereits zur Halbzeit geschehen.

Joël Magnins deutliches Signalin der Pause

Was hätte der Tabellenneunte dem Meister entgegensetzen sollen, zumal auch Nuzzolo kaum etwas zustande brachte? Als Trainer Joël Magnin seine Überfigur in der Pause vom Platz nahm, war das Signal klar: In diesem Spiel gibt es für Xamax nichts zu holen, YB machte mit seinem Gegner, was es wollte. Zehn ­Minuten vor Schluss traf Vincent Sierro zum 5:0, in der Nachspielzeit fiel durch Meschack Elia das 6:0.

Tausend Menschen haben diesen Sieg gesehen, den vierthöchsten von YB, seit es die Zehnerliga gibt. So richtig laut war es trotzdem nicht, dafür sind tausend Menschen einfach zu wenig. Die Fangesänge tönten oft wie eine grosse Wandergruppe, die so laut wie möglich in eine Bergschlucht schreit.

Mit der Zeit harmonisierten sich die Klänge der Zuschauerinnen, von denen 600 auf der Gegentribüne sassen. Dort haben die Young Boys das Wort «Wankdorf» geschrieben, indem sie die entsprechenden Sitze entfernt haben. Ab nächster Woche sind ebenda gelbe Sitze montiert, die den neuen und alten Namen des Stadions festhalten. Ab dann spielen die Young Boys wieder im Wankdorf, der 6:0-Sieg in der 26. Runde war die letzte Partie im Stade de Suisse.

Systemwechsel und ein Stürmerauf Rekordjagd

Für diese Dernière hatte Gerardo Seoane das System gewechselt, nachdem er lange an einer 4-4-2-Grundordnung festgehalten hatte. Gegen Xamax liess er Fabian Lustenberger und Michel Aebischer gemeinsam das defensive Mittelfeld in einem 4-2-3-1 bespielen. Vier Änderungen hatte er vorgenommen im Vergleich zur Niederlage gegen den FC Thun, ein Name fiel dabei besonders auf: Mohamed Ali Camara kam zurück, nachdem er sich zehn Monate zuvor verletzt hatte.

Camara blieb auch dann auf dem Feld, als Seoane nach knapp einer Stunde drei Wechsel vornahm und gleich nochmals das System umstellte. Ab sofort agierte der Meister mit einer Dreierkette; beim Stand von 4:0 darf man in einer intensiven Saisonphase, die viel Flexibilität erfordert, auch ein wenig ausprobieren. An etwas hielt Seoane aber 70 Minuten lang fest: an Jean-­Pierre Nsame, dem mit grossem ­Abstand torgefährlichsten Berner.

Und vielleicht hat auch Nsame inzwischen eine SMS von einem ehe­maligen Mitspieler erhalten, der ihm sagt, dass er mit seinen Treffern 22 und 23 den Karriere-Bestwert egalisiert hat. 2016/17 hatte der Kameruner in der Challenge League für Servette 23 Mal getroffen. Nun bleiben ihm zehn Spiele, um Seydou Doumbias Ligarekord von 30 Toren zu knacken.

Müde Luzerner retten sich zum Unentschieden

Die Situation war neu für Fabio Celestini. Der Luzern-Trainer hatte seit seiner Anstellung im Januar sportlich beinahe nur Positives erlebt, sein Team überzeugte und gewann meistens. Doch am Mittwoch musste sich der 44-Jährige erklären, seine Mannschaft hatte 0:2 gegen Lugano verloren. Celestini sagte: «In diesen Wochen macht die Mentalität den Unterschied. In drei Tagen haben wir das nächste Spiel.»

Doch am Samstagabend sah es nicht so aus, als hätten Celestinis Spieler die Worte des Trainers mitbekommen. Im eigenen Stadion lag man gegen Servette nach 45 Minute 0:2 hinten, die nächste Niederlage drohte. Servette-Mittelfeldspieler Boris Cespedes liess seine Mannschaft bereits nach fünf Minuten jubeln, kurz vor der Pause traf auch Timothé Cognat. Beide Tore entstanden nach einfachen Abspielfehlern aus der Luzerner Abwehr. Celestini stand an der Linie und schüttelte den Kopf.

Die Innerschweizer kreierten in der ersten Hälfte kaum gute Chancen, einzig durch Einzelaktionen kamen sie bis in die gefährliche Zone. Und hinten wirkten die Beine und Köpfe der Luzerner müde. Der Sechstplatzierte schien gegen den Tabellenvierten oft überfordert.

Herrliches Weitschusstor
Francesco Margiotta sichert dem FCL mit dem Tor zum 2:2 gegen Servette einen Punkt.
Video: SRF

Doch Fabio Celestini schien in der Garderobe die richtigen Worte gefunden zu haben, plötzlich war immerhin ein wenig Power drin im Luzerner Spiel, sie pressten und zwangen die Genfer zu Fehlpässen. Nach einer Stunde erzielte Francesco Margiotta den Anschlusstreffer für das Heimteam. Fünf Minuten später war es erneut der Luzern-Stürmer, der traf - diesmal mit einem herrlichen Weitschuss aus der Drehung ins linke Eck. Und hätte Pascal Schürpf den Ball in der Nachspielzeit im leeren Tor versenkt, wäre die Aufholjagd für Luzern perfekt gewesen.

Telegramme

Young Boys – Neuchâtel Xamax 6:0 (4:0). 1000 Zuschauer. – SR Schnyder. – Tore: 37. Aebischer (Gaudino) 1:0. 40. Nsame (Fassnacht) 2:0. 42. Fassnacht (Lotomba) 3:0. 45. Nsame (Gaudino) 4:0. 79. Sierro (Ngamaleu) 5:0. 91. Elia (Sierro) 6:0.

Young Boys: Von Ballmoos; Janko, Camara, Lefort, Lotomba (56. Garcia); Aebischer (56. Sierro), Lustenberger (56. Sörensen); Sulejmani (73. Ngamaleu), Gaudino, Fassnacht; Nsame (70. Elia).

Neuchâtel Xamax: Walthert; Gomes, Djourou (46. Neitzke), Djuric; Kouassi (46. Ramizi); Seydoux, Corbaz (73. Mveng), Araz, Abanda; Sakho (46. Seferi), Nuzzolo (46. Haile-Selassie).

Bemerkungen: Young Boys ohne Lauper, Hoarau und Petignat (alle verletzt). Neuchâtel Xamax ohne Doudin, Xhemajli und Tafer (alle verletzt). 82. Gelb-Rote Karte gegen Abanda (Foul). 90. Pfostenschuss Fassnacht. Verwarnungen: 16. Abanda (Foul). 26. Araz (Foul).

Luzern – Servette 2:2 (0:2). 1000 Zuschauer. – SR Piccolo. – Tore: 5. Cespedes (Cognat) 0:1. 44. Cognat (Kyei) 0:2. 61. Margiotta (Matos) 1:2. 65. Margiotta (Emini) 2:2.

Luzern: Müller; Grether, Lucas, Burch, Mistrafovic; Schulz, Emini (70. Voca), Males (64. Schürpf); Ndiaye (79. Eleke), Margiotta, Matos.

Servette: Frick; Routis, Rouiller, Sasso, Iapichino (46. Vouilloz); Stevanovic, Cespedes, Ondoua, Cognat (66. Imeri); Koné (90. Alves), Kyei (66. Schalk).

Bemerkungen: Luzern ohne Knezevic (gesperrt), Ndenge, Schwegler, Eleke, Kakabadse und Balaruban (alle verletzt). Servette ohne Sauthier, Tasar (beide gesperrt), Gonçalves und Severin (verletzt). Verwarnungen: 5. Lucas (Foul). 10. Cespedes (Foul). 29. Rouiller (Foul). 34. Emini (Foul). 49. Ndiaye (Foul).

Rangliste

1. Young Boys 26/51. 2. St. Gallen 25/48. 3. Basel 25/43. 4. Servette 26/40. 5. Zürich 25/35. 6. Luzern 26/35. 7. Lugano 25/30. 8. Sion 25/24. 9. Thun 25/22. 10. Neuchâtel Xamax FCS 26/22.