«Wenn wir sterben, wollen wir, dass die Leute das akzeptieren»

Die erste Mondlandung feiert ihr 50. Jubiläum. Dabei geht leicht vergessen, wie riskant die Raumfahrt wirklich ist – einige haben den Traum mit ihrem Leben bezahlt.

«Die Eroberung des Weltraums ist es wert, sein Leben zu riskieren»: Virgil «Gus» Grissom (v.l.n.r.) mit Edward White II und Roger Chaffee im Januar 1967. (Archiv Keystone/Nasa)

«Die Eroberung des Weltraums ist es wert, sein Leben zu riskieren»: Virgil «Gus» Grissom (v.l.n.r.) mit Edward White II und Roger Chaffee im Januar 1967. (Archiv Keystone/Nasa)

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Spaziergänge auf dem Mond, Touristen im All, eine Raumstationen im Orbit der Erde – Fantastisches hat die Menschheit schon erreicht. Doch in ihrem Ehrgeiz, unendliche Weiten zu erforschen, musste sie auch manchen Rückschlag verkraften.

Mondspaziergang und Weltraumtourismus – die bemannte Raumfahrt hört sich 50 Jahre nach der Mondlandung heute mitunter nach einem netten Ausflug an. Wie riskant es in Wirklichkeit ist, Menschen in hochkomplexen Raumschiffen ins All zu schicken, zeigen einige verheerende und etliche brisante Zwischenfälle.

Es sind Unglücke, an die sich Menschen weltweit erinnern: Challenger und Columbia. Das Spaceshuttle Challenger brach kurz nach dem Start im Januar 1986 auseinander. Zwei Astronautinnen und fünf Astronauten kamen ums Leben. Bei der Columbia-Katastrophe brach die Raumfähre nach zweiwöchigem Flug im Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander. Dabei starben ebenfalls sieben Raumfahrer.

Auch beim Apollo-Programm mit seiner Mond-Mission ging nicht alles glatt. Bei der Vorbereitung des ersten bemannten Raumflugs brach 1967 bei einem eher ungefährlichen Test – der Simulation des Countdowns – in der Raumkapsel ein Feuer aus. Die drei Astronauten erstickten, da die Luke erst nach fünf Minuten geöffnet werden konnte. Einer von ihnen, Gus Grissom, hatte zuvor gesagt: «Wenn wir sterben, wollen wir, dass die Leute das akzeptieren. Wir sind in einem riskanten Geschäft. Und wir hoffen, dass, wenn uns irgendetwas passiert, das Programm nicht verzögert wird. Die Eroberung des Weltraums ist es wert, sein Leben zu riskieren.»

Neben diesen spektakulären Unglücken gab es eine Reihe weniger bekannter, einige Beispiele:

Kontrollverlust

Um Daten für ihre Raumfahrt-Programme zu sammeln, liess die Nasa in den 1960ern raketengetriebene Ein-Mann-Flugzeuge entwickeln und testen. Sie erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 7000 Stundenkilometern und eine Flughöhe von über 100 Kilometern. Einer der Testpiloten war Neil Armstrong, der später zum ersten Mann auf dem Mond wurde.

Sein Kollege Michael J. Adams erlebte diesen historischen Moment jedoch nicht mehr. In etwa 70 Kilometern Höhe geriet sein Jet im November 1967 ins Trudeln. Der erfahrene Pilot bekam das Flugzeug dieses Mal nicht mehr unter Kontrolle. Es brach auseinander, Adams kam dabei ums Leben.

Landung auf Eis

Rückschläge gab es auch in der sowjetischen Raumfahrt: Bei der Mission Sojus 23 im Oktober 1976 liefen gleich mehrere Dinge schief. Das Sojus-Raumschiff erreichte die Raumstation, doch es konnte nicht ankoppeln, weil das automatische System ausgefallen war. Ein Fehler, den es bereits bei einer früheren Mission gegeben hatte.

Als das Raumschiff nach zwei Tagen zur Erde zurückkehrte, mussten die beiden Kosmonauten Wjatscheslaw Sudow und Waleri Roschdestwenski mit der Landekapsel notlanden: bei etwa minus 20 Grad Celsius während eines Schneesturms in einem teilweise zugefrorenen See im heutigen Kasachstan.

Dabei wurde der Fallschirm nicht abgeworfen. Er saugte sich mit Wasser voll und zog die Ausstiegsluke der Landekapsel unter Wasser. Die beiden Kosmonauten mussten die Heizung ausschalten und konnten das Luft-Regenerations-System nur eingeschränkt nutzen. Elf Stunden dauerte es, bis die Kapsel nach mehreren gescheiterten Versuchen geborgen werden konnte. Die Rettungsmannschaften fürchteten, dass Sudow und Roschdestwenski erfroren seien – doch die beiden lebten.

(sep/sda)

Erstellt: 18.07.2019, 22:02 Uhr

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