Weltklimarat rechnet mit 280 Millionen Klima-Flüchtlingen

Die durch die Klimaerwärmung steigenden Meeresspiegel werden weltweit zu einer massiven Anzahl an Vertriebenen führen. Die ersten Anzeichen dafür sind schon bald sichtbar.

Ebenfalls bedroht vom steigenden Meeresspiegel ist die Millionenstadt Miami in Florida. (Archiv Reuters/Zachary Fagenson)

Ebenfalls bedroht vom steigenden Meeresspiegel ist die Millionenstadt Miami in Florida. (Archiv Reuters/Zachary Fagenson)

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Der Weltklimarat IPCC rechnet bei einer Erderwärmung von höchstens zwei Grad Celsius mit 280 Millionen Flüchtlingen wegen steigender Meeresspiegel. Das geht aus einem Entwurf eines Sonderberichts über die Ozeane und die weltweiten Eisvorkommen hervor, welcher der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag vorlag.

Selbst wenn die Reduzierung der Erderwärmung auf unter zwei Grad gelingt, gehen die Experten noch von 250 Millionen Klimaflüchtlingen aus. Dies könnte bereits im Jahr 2100 der Fall sein.

Dem Berichtsentwurf zufolge werden niedrig liegende Millionenstädte und Inselstaaten bis zum Jahr 2050 selbst bei optimistischen C02-Schätzungen jedes Jahr «extreme Meeresspiegel-Ereignisse» wie Wirbelstürme und Überschwemmungen erleben.

Neben den USA sind vor allem Küstenmetropolen in China und Indien von regelmässigen Überschwemmungen durch die nach Expertenmeinung dann jedes Jahr auftretenden Wirbelstürme bedroht. Selbst wenn die Zahl der durch den Meeresspiegel-Anstieg Vertriebenen bis 2100 «bei 100 Millionen oder 50 Millionen liegt, ist das noch immer eine bedeutende Störung und viel menschliches Leid», sagte der Geschäftsführer der US-Organisation Climate Central, Ben Strauss.

In dem IPCC-Berichtsentwurf heisst es, bis zum Jahr 2100 könne der Meeresspiegel um bis zu einen Meter steigen, wenn nichts gegen den CO2 unternommen werde. Die jährlichen Schäden durch Überschwemmungen würden im gleichen Zeitraum Schätzungen zufolge um bis zu ein Tausendfaches steigen.

Rückgang der Gletscher um 80 Prozent

Ursache für den Anstieg der Meeresspiegel ist die mit der Erderwärmung einhergehende Eisschmelze. In dem Berichtsentwurf zur Kryosphäre - also Wasser in gefrorenem Zustand wie in Gletschern, Eis oder Schnee - heisst es, mindestens 30 Prozent des dauerhaft gefrorenen Bodens, der sogenannten Permafrost-Böden, könnte bis 2100 verschwinden, wenn die derzeitige Klimaerwärmung anhalte. Dabei werden Milliarden Tonnen CO2 und Methan frei, was die Klimaerwärmung weiter verstärkt.

In dem Papier wird auch für Regionen mit einer geringen Menge an Eisdecken wie Mitteleuropa oder Nordasien ein Rückgang der Gletscher um 80 Prozent vorausgesagt.

Bei dem derzeitigen CO2 gehen Experten von einem Temperaturanstieg von zwei bis drei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Im Pariser Klimaabkommen von 2015 wurde als Ziel festgesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Der 900-seitige «Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima» soll bei der 51. Plenarsitzung des IPCC in Monaco im September von Vertretern der 195 IPCC-Mitgliedstaaten verabschiedet und am 25. September offiziell vorgelegt werden. Für den 23. September hat UN-Generalsekretär Antonio Guterres zu einem Klimagipfel in New York eingeladen. (red/afp)

Erstellt: 29.08.2019, 15:14 Uhr

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