Warum Wikipedia heute gesperrt ist

Aus Protest wird die deutschsprachige Ausgabe des Lexikons für 24 Stunden abgeschaltet. Die Hintergründe.

Der erste Teil der Erklärung auf der deutschsprachigen Wikipedia-Seite. (21. März 2018) Bild: Screenshot

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Etwa 33 Millionen Mal wird die deutschsprachige Version von Wikipedia pro Tag aufgerufen – nur an diesem Donnerstag werden sämtliche Anfragen ins Leere laufen. Für 24 Stunden wird Wikipedia abgeschaltet. Die freien Autoren des Online-Lexikons wollen mit der gross angelegten Aktion gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform protestieren. Diese könne «die Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit deutlich beeinträchtigen», erklärten sie in einer vorab veröffentlichten Protestnote, die nun am Donnerstag auch im Browser erscheint, wenn man das Lexikon aufruft.

Eine grosse Öffentlichkeit ist der Protestaktion sicher. Wikipedia ist für Deutschsprachige eine der wichtigsten Informationsquellen im Internet und steht auf Platz 7 der beliebtesten Websites. Die deutsche Ausgabe umfasst derzeit nach eigenen Angaben fast 2,3 Millionen Artikel. Etwa 20'000 Menschen schreiben aktiv mit.

Eine Hintertür bleibt indes offen: Der Zugriff über die Handy-Apps scheint sowohl auf Apple- wie auch auf Android-Geräten weiterhin zu funktionieren. In anderen Sprachen bleibt das Lexikon vollumfänglich zugänglich.

Zwei Artikel in der Kritik

Die Kritik der Autoren an der Urheberrechtsreform konzentriert sich auf zwei Punkte. In Artikel 13 des geplanten Gesetzes ist festgelegt, dass Plattformen wie Youtube künftig für alle Inhalte haften sollen, die Nutzer auf ihren Seiten hochladen. Erst Mitte Februar hatten sich Europäisches Parlament und EU-Staaten nach langem Hin und Her in dieser Sache auf einen Kompromiss geeinigt. Die Plattformen hätten demnach deutlich mehr Pflichten, um den Urheberschutz sicherzustellen. Dazu müssten sie wohl sogenannte Upload-Filter einsetzen, mit denen die Inhalte geprüft und bei Urheberrechtsverstössen abgewiesen werden.

In Artikel 11 ist ein neues Leistungsschutzrecht festgelegt, das sicherstellen soll, dass Verlage mitverdienen, wenn ihre Texte von Suchmaschinen weiterverbreitet werden. Beide Punkte werden von den Wikipedia-Autoren scharf kritisiert. Sie befürchten Zensur. «Die geplante Reform könnte dazu führen, dass das freie Internet erheblich eingeschränkt wird», schreiben sie in ihrer Protestnote. Selbst kleinste Unternehmen «müssten fehleranfällige und technisch unausgereifte Upload-Filter für sämtliche ihrer Inhalte einsetzen und für minimale Textausschnitte aus Presseerzeugnissen Lizenzen erwerben».

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Auch viele Presseunternehmen sehen die Upload-Filter unter anderem aus diesem Grund kritisch. Die Autoren rufen Wikipedia-Nutzer auf, an den grossen europaweiten Demonstrationen gegen die Urheberrechtsreform am kommenden Samstag teilzunehmen, eine grosse Kundgebung soll etwa in Berlin stattfinden.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 21.03.2019, 06:29 Uhr

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