Diese Getränke greifen den Zahnschmelz an

Eine neue Studie zeigt: Kein herkömmliches Süssgetränk, sondern Hibiskus-Tee schadet den Zähnen am meisten.

Beim Konsum von gewissen Getränken ist Vorsicht geboten: Es könnte schmerzhaft werden. Foto: Keystone

Beim Konsum von gewissen Getränken ist Vorsicht geboten: Es könnte schmerzhaft werden. Foto: Keystone

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Der Konsum von Coca-Cola, Red Bull und Säften steigt. Doch ihre Säuren greifen den Schmelz an, der unsere Zähne schützt. Das wird Erosion genannt. Im schlimmsten Fall kann das dazu führen, dass die Zähne schmerzen und sich verfärben. Von einem «zunehmenden Problem» spricht Adrian Lussi, Professor der Universität Bern.

Der Zahnmediziner und Chemieingenieur hat in einer neuen Studie über 100 Getränke, Speisen und Medikamente auf ihre Schädlichkeit untersucht – mit erstaunlichen Resultaten. Das Getränk mit dem grössten «erosiven Potenzial», das im Test die grösste Abnahme der Härte des Zahnschmelzes zur Folge hatte, ist reiner Hibiskus-Tee, berichtet «20 Minuten online».

Von Zahnerosion sind gemäss der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft etwa ein Drittel der 26-bis 30-Jährigen und fast die Hälfte der 45- bis 50-Jährigen betroffen. Die Folgen können sehr schmerzhaft sein – etwa, wenn die Zähne auf ungewohnte Temperaturen empfindlich werden. Zudem können sich die Zähne verfärben. Laut Zahnmediziner Lussi sind Erosionen ein immer grösser werdendes Problem, weil Menschen heute mehr saure Lebensmittel und Getränke konsumieren.

Neocitran greift Zähne an

Einen besonders negativen Einfluss auf die Zähne haben gemäss der Studie auch Rivella Blau, Fanta Orange und die Light-Versionen von Coca-Cola und Pepsi Cola. Alkoholische Getränke wie Bacardi Breezer Orange oder Smirnoff Ice und Medikamente wie Neocitran greifen die Zähne ebenfalls stark an – genauso wie gewisse Süssgetränke für Kinder. Die viel gescholtenen Energy Drinks sind weniger schädlich, aber immer noch «stark erosiv».

Für die Studie hat Lussi Zähne benutzt, die Zahnärzte gesammelt haben. Er setzte sie jeweils zwei Minuten den Substanzen aus. Die Resultate zeigen: Eine wichtige Rolle spielt der pH-Wert. Er gibt an, wie sauer oder basisch ein Getränk ist. Getränke mit tiefen Werten schädigen die Zähne mehr. Es gibt Ausnahmen: «Rotwein hat einen relativ tiefen pH-Wert und ist trotzdem nur wenig erosiv», sagt Lussi.

Das liege an den sogenannten Polyphenolen, die die schädliche Wirkung aufheben würden. «Welche das genau sind, wissen wir noch nicht», so Lussi. «Wir versuchen, das herauszufinden. Die entsprechenden Polyphenole könnte man in eine Mundspülung tun, die zur Prophylaxe der Erosion dienen könnte.»

Bier ist für Zähne nicht gefährlich

Nicht bei allen Produkten sei klar, weshalb sie so schädlich seien. Beim Hibiskus-Tee müsse es etwa an Substanzen in der Pflanze liegen, sagt Lussi. Umgekehrt habe er noch keine genaue Erklärung dafür, weshalb Bier keine Erosionen verursache. «Es hängt mit Proteinen im Bier zusammen, aber welche genau verantwortlich sind, wissen wir noch nicht.»

Für gewisse Getränke würde es eine einfache Lösung geben, um ihr erosives Potenzial zu senken. Orangensaft kann etwa Kalzium beigegeben werden – wie es in den USA üblich ist. Ihr hoher Kalziumgehalt sei auch der Grund, weshalb Joghurts deutlich weniger schädlich seien als Light-Produkte wie Coca-Cola Light, so Lussi.

Dort funktioniert der Kalzium-Trick nicht – wie bei allen Getränken mit einem pH-Wert von unter 4. Light-Getränke sind schädlicher, weil ihnen Zitronensäure beigesetzt wird. «Diese ist schädlicher als Kohlensäure», sagt Lussi.

Zügig trinken schont die Zähne

Um die Zähne zu schützen, empfiehlt Lussi, nicht in kleinen Schlucken, sondern zügig zu trinken. Es helfe auch, den Mund mit Wasser zu spülen. Das sei aber bei gesunden Menschen nicht nötig. «Wichtig ist, mit dem Zähneputzen nach dem Essen nicht zu warten», so Lussi. Die weit verbreitete Meinung, man müsse 30 Minuten warten, sei kontraproduktiv. Nichts hält Lussi vom Trinken mit Röhrchen: «Sie werden häufig falsch angesetzt und bringen nichts. Aus Umweltschutz-Sicht sind sie zudem überhaupt nicht sinnvoll.»

Christiane Zwahlen vom Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten sagt, die Erosion sei kein Problem, das spezifische Getränke betreffe. «Massgebend ist nach wie vor eine gute Mundhygiene», sagt sie. Regelmässiges Zähneputzen sei wichtig. Sei das nicht möglich, soll mit Wasser gespült oder mit einem Zahnkaugummi neutralisiert werden.

Bei der Erosion spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, sagt Zwahlen. Getränke seien im Vergleich zu anderen Lebensmitteln nur kurz in der Mundhöhle. Die Neutralisation durch den Speichel geschehe dementsprechend schnell, weil Getränke «schnell und vollständig abfliessen».

«In der Natur kommen sehr viele verschiedene Säuren vor», sagt Zwahlen. Allein ein Apfel enthalte Ascorbinsäure, Apfelsäure, Bernsteinsäure, Essigsäure, Glutaminsäure, Weinsäure und Zitronensäure. In Lebensmitteln vermittle die Säure «Frische, Bekömmlichkeit und Spritzigkeit». (red)

Erstellt: 12.07.2019, 09:31 Uhr

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