Den Urknall gibt es jetzt fürs Wohnzimmer

Cern-Forscher haben eine App mitentwickelt, die die Zeit nach dem Urknall zeigt – vom ersten Atom bis zur fertigen Galaxie.

Es war einmal vor 14 Milliarden Jahren: Eine neue Augmented-Reality-App erzählt die Geschichte des Universums. Video: Google/Cern

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«Die vorliegende App basiert auf einer wahren Geschichte»: Der Urknall breitete sich mit Überlichtgeschwindigkeit aus. Doch spricht das nicht gegen Einsteins Relativitätstheorie? Nein, denn die beschreibt nur die Naturgesetze im Universum. Wo dieses entstand, und worin es expandiert, liegt ausserhalb. Folglich gilt dort die Physik nicht.

Mit dem Urknall entstanden vor rund 14 Milliarden Jahren Raum und Zeit. Damit erübrigt sich die Frage, was davor war. Eine neue App erlaubt nun einen Blick auf das, was sich in den ersten Sekunden abspielte. Entwickelt hat sie Google in Zusammenarbeit mit Teilchenphysikern des Cern in Genf.

Am Anfang von Raum und Zeit

Streckt man die Hand vor die Handykamera, sieht man die Geburt des Universums. Es lässt sich beobachten, wie sich die ersten Atome und Moleküle entwickeln, wie die ersten Sterne entstehen und sich Galaxien formen – alles in Augmented Reality. Das heisst, die Darstellungen sind in die Umgebung eingebettet und verändern sich, wenn man das Handy 360 Grad bewegt.

Die App ist Teil des «Google Arts & Culture»-Projekts «Once Upon a Try». Laut den Entwicklern geht die App, die sich auch für Klassenzimmer eignet, der Frage nach, was am Beginn der Zeit passiert ist. Sie erklärt, wie sich die Erde bildete und wie es dazu kam, dass 90 Prozent der Elemente im menschlichen Körper in Sternen produziert wurden. Erzählt wird die Geschichte auf Englisch von der Schauspielerin Tilda Swinton.

Eines der Ziele des Cern sei, Menschen weltweit für Wissenschaft und Technologie zu begeistern, liess sich Charlotte Warakaulle, Leiterin für internationale Beziehungen am Cern, in einer Mitteilung zitieren. «Wir hoffen, mit dieser App ein neues Publikum zu erreichen und mit allen die Geschichte der Ursprünge unseres Universums auf inspirierende Weise zu teilen.»

Gigantische virtuelle Ausstellung

«Once Upon a Try» beinhaltet aber noch viel mehr als die App. Es ist eine gigantische virtuelle Ausstellung aus 400 interaktiven Sammlungen, die durch Jahrtausende menschlicher Erfindungen und Entdeckungen führt.

So kann man virtuell den Teilchenbeschleuniger des Cern oder die Internationale Raumstation ISS besuchen, eine Sammlung von Notizen Albert Einsteins besichtigen oder mehr über die Geschichte der Erfindung des Kompasses, der Toilette oder des Emojis erfahren. Das Cern erstellte zudem virtuelle geführte Touren, beispielsweise zur Entdeckung des Higgs-Teilchens und der Erfindung des Internets.

Auf «Google Arts & Culture» kann man auch einen Rundgang – ebenfalls in Augmented Reality – durch den Teilchenbeschleuniger LHC am Cern machen. Bild: Google

Das Projekt stellt Erfinderinnen, Entdecker, Wissenschaftlerinnen und Pioniere vor, die Grosses geleistet haben, schliesst aber auch aktuelle Forschung ein. So erzählen in einer Video-Serie auf Youtube fünf Forscherinnen von unglaublichen Fortschritten in der Wissenschaft, die uns so etwas wie «Superkräfte» verleihen könnten.

«Once Upon a Try» zeigt aber auch die glücklichen Zufälle in der Wissenschaft, wie bei der Entdeckung der Röntgenstrahlen, und die grossen Fehlschläge, wie die Entwicklung eines elektrischen U-Boots durch Isaac Peral, das letztlich nie vom Stapel lief.

Diese riesige Ausstellung über den menschlichen Forschungsdrang und Wissensdurst solle laut Google eine neue Generation inspirieren, neugierig zu sein, das Unbekannte zu erforschen und Neues auszuprobieren.

Vom winzigen Punkt voller Energie, der sich schlagartig ausdehnt, über Sternenexplosionen und Planetenbildung bis zum heute bekannten Sonnensystem: Die Geschichte vom Urknall wird von der Schauspielerin Tilda Swinton erzählt. Bild: Google/Cern

Die App «Big Bang AR» gibt es Android- und iPhones.

(Mit Material der Nachrichtenagentur SDA) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.03.2019, 11:26 Uhr

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