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Verliert die Musterschülerin ZKB die Bestnote?

Moody’s droht der Bank mit einer Rückstufung. Die Analysten sorgen sich um die Finanzen des Kantons Zürich.

Die ZKB wirbt mit ihrer Sicherheit. Diese hat sie der Garantie des Kantons Zürich zu verdanken. Foto: Moritz Hager
Die ZKB wirbt mit ihrer Sicherheit. Diese hat sie der Garantie des Kantons Zürich zu verdanken. Foto: Moritz Hager

Die ZKB bezeichnet sich selbst als eine der sichersten Banken: Grundlage dafür ist die Topnote Aaa, die das Institut übereinstimmend von den Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch ausgestellt bekommt. Doch das könnte sich nun ändern. Die Analysten von Moody’s prüfen eine Rückstufung um einen Rang – auf Aa1. Ob es tatsächlich dazu kommt, wollen die Kreditgurus in den kommenden drei Monaten entscheiden. Ihre Einschätzung ist ein wichtiger Anhaltspunkt für Investoren, Geld in ein Unternehmen zu stecken – oder lieber nicht.

Quelle: finanzen.net
Quelle: finanzen.net

Eine zentrale Rolle für ihre Empfehlung spielt die umfangreiche Staatsgarantie, mit der der Kanton Zürich im Ernstfall für seine Bank einstehen muss. Wenn dieser Ernstfall eintrifft, dann könnte das den Experten zufolge auch die Finanzen des Kantons in Mitleidenschaft ziehen – die ZKB ist die viertgrösste Bank der Schweiz. Diese Wechselwirkung hat nun offenbar die Analysten von Moody’s veranlasst, eine Neubewertung der Kreditnote zu prüfen.

Umfang der Garantie untersucht

Bei ihrer Analyse untersuchen die Experten den Umfang der Garantie für die ZKB im Verhältnis zur Finanzkraft des Kantons. Zudem bewerten sie, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Bank überhaupt in derartige Nöte kommt, dass sie die Garantie in Anspruch nehmen muss.

Die Finanzdirektion des Kantons Zürich ist von der kritischen Einschätzung der Analysten überrascht. «Die neue, bisher von Moody’s nie auf diese Art geäusserte Ankündigung ist für uns nicht nachvollziehbar und unverständlich», erklärte ein Sprecher. Zudem gehöre Moody’s gar nicht zu den Agenturen, die die Finanzen des Kantons regelmässig unter die Lupe nähmen. Das geschehe hingegen bei Standard & Poor`s und Fitch. Von beiden habe der Kanton die Bestnote erhalten. Das Risiko, das durch die ZKB entstehe, hätten beide «immer als klein oder unwahrscheinlich bezeichnet», erklärte die Finanzdirektion.

«Die Ankündigung ist für uns nicht nachvollziehbar.»

Finanzdirektion Zürich

Ein ZKB-Sprecher erklärte, das Institut sei in engem Austausch mit den Rating-Experten, um ihnen zu erläutern, dass die Bank bereits diverse Vorsichtsmassnahmen getroffen habe. Als systemrelevantes Institut musste die ZKB einen Notfallplan mit einem Sanierungskonzept ausarbeiten und mit zusätzlichem Eigenkapital einen Krisenpuffer schaffen.

Diskussion über Staatsgarantie

Rating-Experte Christian Fischer von der unabhängigen Schweizer Agentur Independent Credit View führt eine mögliche Rückstufung auch darauf zurück, dass die Garantie nicht unwiderruflich ist und der Bank theoretisch entzogen werden könnte. Daher bewerte auch seine Agentur die ZKB nur mit der zweitbesten Noten AA+.

Andere Kantone wie Bern oder Genf haben das bereits vorgemacht und ihren Banken die Garantien entzogen. Die meisten anderen Kantone haften für die Institute – so wie Zürich. Doch auch das könnte sich ändern. «Ob die Staatsgarantie in Zukunft allenfalls eingegrenzt werden soll, ist eine Frage der politischen Beurteilung und damit Sache des Kantonsrates», erklärte der Sprecher der Finanzdirektion.

Eine Diskussion darüber ist jedoch in Gang – auch weil solche Garantien in der EU nach diversen Krisenfällen mittlerweile verpönt sind. Zudem ist fraglich, wie viel sie wert sind, wenn sie die finanziellen Möglichkeiten des Kantons übersteigen – wie das etwa bei der Krisenbank Hypo Alpe Adria in Österreich der Fall war.

Sollten die Moody’s-Experten der ZKB die Topnote tatsächlich entziehen, dürfte das nach Einschätzung von Christian Fischer keine grossen Auswirkungen haben. «Vielleicht gäbe es den einen oder anderen Investor, der die ZKB nicht mehr kaufen könnte, falls er nur AAA-Papiere kaufen darf. Dies dürften jedoch Einzelfälle und nicht die Regel sein», sagte Fischer.

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