Eine weitere Störung bei der Swisscom liegt nicht drin

Der zweite grosse Ausfall seit Anfang Jahr macht hellhörig – auch weil Menschenleben auf dem Spiel stehen. Was Politik, Behörden und Verwaltungsrat nun tun sollten.

Bis jetzt hatten die Blaulichtbetriebe Glück. Keine Menschenleben waren in Gefahr, weil Notrufe nicht durchgestellt wurden. Ein Sanitätsteam des Berner Inselspitals im Einsatz. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Bis jetzt hatten die Blaulichtbetriebe Glück. Keine Menschenleben waren in Gefahr, weil Notrufe nicht durchgestellt wurden. Ein Sanitätsteam des Berner Inselspitals im Einsatz. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

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Der zweite grosse Ausfall im Swisscom-Festnetz seit Anfang Jahr macht deutlich, dass die Digitalisierung nicht nur eine schöne neue Welt ist. Wenn das Internet an einem Abend für 90 Minuten ausfällt, ist das aus Kundensicht sicher ärgerlich. Die Swisscom positioniert sich im Markt als Qualitätsanbieterin und verlangt dafür die entsprechenden Tarife – aber sie hat Mühe, ihr Versprechen einzulösen.

Wenn aber wegen Netzausfällen die Notrufnummern übers Festnetz nicht mehr erreichbar sind, hört das Verständnis auf. Auf dem Spiel stehen Menschenleben. Es ist schieres Glück, dass beide Störungen für die Blaulichtorganisationen glimpflich ausgegangen sind. Nach aktuellem Kenntnisstand sind keine Menschen zu Schaden gekommen, weil ihre Hilferufe bei Polizei, Feuerwehr oder Ambulanz ins Leere gingen.

Das alte analoge Festnetz der Swisscom ist beinahe vollständig abgeschaltet. Den Wechsel auf die moderne Internettelefonie machte der staatsnahe Betrieb den skeptischen Kunden mit neuen Funktionen schmackhaft – etwa der Anzeige des Namens bei einem eingehenden Anruf oder dem Sperren von unerwünschten Nummern. Nun zeigt sich: Ein abgestürztes Netzwerkteil oder falsch ausgeführte Wartungsarbeiten reichen inzwischen, um das digitale Festnetz schweizweit lahmzulegen. Das analoge Netz war weniger störungsanfällig.

Eine dritte Störung liegt nicht mehr drin. Politik, Behörden und die Swisscom müssen die nötigen Konsequenzen ziehen. Die Eidgenossenschaft als Mehrheitsaktionärin des Schweizer Marktführers muss prüfen, ob es bei der Modernisierung und Wartung des Festnetzes Versäumnisse gegeben hat.

Die zuständigen Sicherheitsdirektoren in den Städten und Gemeinden müssen sich überlegen, ob Rückfallebenen nötig sind. Die Kantonspolizei St. Gallen etwa hat während der jüngsten Panne ihr Computersystem auf Sunrise umgeschaltet.

Und der Verwaltungsrat der Swisscom muss klären, ob noch die richtigen Personen das Unternehmen führen. Davon sollte auch Swisscom-Chef Urs Schaeppi nicht ausgeschlossen sein.

Erstellt: 12.02.2020, 14:23 Uhr

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