Der Trumpf des Apple-Chefs bei Trump: Ivanka

Tim Cook ist ein Demokrat. Trotzdem pflegt er eine enge Beziehung zur Familie Trump – und kann so Einfluss nehmen.

Ivanka Trump als Fürsprecherin beim Präsidenten: Dieser Draht spart Tim Cook Zeit, Ärger und Missverständnisse. Foto: Keystone

Ivanka Trump als Fürsprecherin beim Präsidenten: Dieser Draht spart Tim Cook Zeit, Ärger und Missverständnisse. Foto: Keystone

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Apple will es sich nicht verderben mit den kommunistischen Machthabern in Peking. Nach scharfer ­Kritik aus China hat der iPhone-Hersteller eine App, die Demonstranten in Hongkong bei ihren Protesten die Standorte der Polizeieinheiten anzeigte, umgehend aus seinem Angebot entfernt. Die Macher von HKmap.live teilten am Donnerstag mit, dass Apple das Programm aus dem App Store gelöscht habe. China ist nach den USA der wichtigste Markt.

Auch auf dem wichtigsten Markt agiert der Konzern respektive sein Chef Tim Cook auf erstaunlich agile Weise. Als Cook vor einigen Jahren an einer Veranstaltung neben Präsident Donald Trump sass, begrüsste ihn dieser als «Tim Apple». Cook tat so, als hätte er den Versprecher nicht gehört. Doch nur wenig später änderte Cook sein Twitter-Konto und ersetzte seine Nachnamen mit dem Apple-Logo.

Bekennender Demokrat

Dafür ist Cook bekannt. Er bleibt freundlich und zielbewusst, und nie, unter keinen Umständen, verlor er bis jetzt die Fassung. Mit Trump ist der Apple-Chef die ungewöhnlichste Beziehung zwischen einem der Tech-Giganten und dem Weissen Haus eingegangen. Sie überrascht umso mehr, als Cook ein bekennender Demokrat ist und Clinton-Wähler war und ein Führungsteam gebildet hat, das in ­jeder Hinsicht das Gegenteil des chaotischen Einmannunternehmens in Washington ist.

Diese ungewöhnliche Nähe wird von beiden Seiten kultiviert. Cook hat eine enge Beziehung zu Jared Kushner und Ivanka Trump, Trumps Schwiegersohn und Tochter, aufgebaut und benutzt sie als Fürsprecher beim Präsidenten. Dieser Draht spart Zeit, Ärger und Missverständnisse. Und Trump kann Apple als Erfolgsmodell seiner Wirtschaftspolitik propagieren. «Er ist ein grossartiger Manager», lobte Trump kürzlich. «Andere heuern teuere Berater an, doch Tim Cook ruft direkt Donald Trump an.»

Im August griff Tim Cook zum Telefon, als Trump die jüngste Zolleskalation im Streit mit China ankündete – mit Erfolg. Foto: Keystone

Ein Indiz, wie gewinnbringend dieser Draht ist, zeigt der Blick auf die Lobbyausgaben. Apple ging gegenüber dem grassierenden Lobbyismus seit den Gründerzeiten von Steve Jobs, der der Politik zutiefst misstraut hatte, deutlich auf Distanz und liess sich auch durch den massiv erhöhten Druck im Kongress nicht davon abbringen. Apple steckte seit 2017 gemäss dem Center for Response Politics rund 18 Millionen Dollar ins Lobbying; das ist die Hälfte dessen, was Google, Amazon oder Facebook einsetzten. Dabei fällt auf, dass 2018 in den Zwischenwahlen in den Kongress nicht weniger als 97 Prozent der Apple-Angestellten für demokratische Kandidaten spenden. Also nicht für Trump und dessen Favoriten.

Diese Diskrepanz im eigenen Haus hat Cook keineswegs geschadet. Bei Apple brodelt es nicht, weil Cook mit seiner diskreten Diplomatie es verstanden hat, politische Grossrisiken abzuwenden und Mehrwerte für die Aktionäre und das Kader zu schaffen, die nur von Microsoft erreicht werden.

China als zentraler Pfeiler

So eben auch in China, wo Cook es schon früh meisterhaft verstanden hat, ein autokratisches Regime für sich zu gewinnen und einen lukrativen Vertrag mit dem grössten Telecom-Giganten zu vereinbaren. Kein anderer Tech-Konzern aus den USA schaffte das gleiche Kunststück, China zum zentralen Pfeiler seiner Wachstumsstrategie zu errichten. Und dabei Konzessionen zu machen. Vor zwei Jahren löschte Apple zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem chinesischen App Store, mit denen die Internetsperren in der Volksrepublik umgangen werden konnten.

In den USA wiederum übt Tim Cook gelegentlich selber Druck aus. Im August griff er zum Telefon, als Trump die jüngste Zolleskalation im Streit mit China ankündete. Cook überzeugte Jared Kushner, dass diese Sanktion das iPhone massiv verteuern und Konkurrenten wie Samsung einen unfairen Vorteil verschaffen würde. Wegen der Strafsteuer würde das iPhone um 40 Dollar verteuert, so Cook, und der Gewinn pro Aktie um 20 Prozent beschnitten. Und das wäre nicht gut für die US-Börse, an der Trump seine Wirtschaftspolitik misst.

Der Präsident hatte verstanden. Wenig später zog er die Zusatzzölle auf gewissen Konsumgütern, darunter das iPhone, zurück und verkaufte diese als seinen vorgezogenen Beitrag zu einem rundum reibungslosen Weihnachtsgeschenk. Ein Tag später gab Cook das Lob zurück und verkündete, Apple habe die Zahl der Arbeitsstellen in den USA seit 2001 vervierfacht.

Solche Worte hört Trump gern, auch wenn sie weitab der Realität liegen. 2018 prahlte Apple, dass man als Folge der massiven Steuersenkungen der Regierung Trump in den kommenden fünf Jahren 350 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft stecken werde. Mehr als Worte waren das nicht. Der Konzern hatte solche Pläne schon vor den Steuergeschenken entwickelt. Klar ist jedoch, dass Apple wie praktisch alle anderen Multis die günstig aus dem Ausland repatriierten Gelder nicht in den USA investierte, sondern für Dividenden und Aktienrückkäufe einsetzte. Und damit das Wohlstandsgefälle vergrösserte. Nichts zu sehen ist auch von den drei grossen Fabriken, die Apple gemäss Trump in den USA hochziehen wollte.Apple fertigt weiterhin im günstigen Fernen Osten.

Dinner auf dem Golfplatz

Anders als Elon Musk von Tesla, Mark Zuckerberg von Facebook oder Jeff Bezos von Amazon hält Cook seine politischen Ansichten zurück. Er hält sich zunächst still, wenn er Entscheide des Präsidenten missbilligt. Als Ivanka ihn darum bat, ihren Vater vom Ausstieg aus dem Pariser Klimaprotokoll abzubringen, blieb seine Intervention zwar erfolglos, doch erlaubte sie ihm, in einer Mitteilung an die Apple-Belegschaft den Ausstieg zu missbilligen, ohne Trump zu provozieren. Ähnlich zurückhaltend reagierte er auch auf die inhumane Einwanderungspolitik des Präsidenten, obwohl eine offene Migration ein Herzensanliegen von Cook ist. Politik sei nicht Sache von Unternehmern, sagt er. Manager sollten sich aufs Geschäft konzentrieren.

Cook hat das Kunststück geschafft, sich eine goldene Mitte zwischen den politischen Polen zu sichern, ohne als krasser Opportunist verschrien zu werden. Deshalb hält Cook auch an seiner Rolle als Berater des Präsidenten in Fragen der Arbeitsplatzsicherung und Ausbildung fest. Das erlaubt es ihm, mit dem Präsidenten auf dessen Golfplatz in der Nähe von New York zu dinieren und seine Erfahrungen als einer der am besten vernetzten Unternehmer in Europa China und Lateinamerika einzubringen. Das Verhältnis Trump-Cook sei kein grosses Geheimnis, erklärt der demokratische Senator Mark Warner im «Wall Street Journal»: «Viele im Silicon Valley verachten die Politik. Sie glauben, sie seien viel gescheiter als die Politiker. Tim Cook geht seinen eigenen Weg. Er ist einer, der zuhören kann.»

Erstellt: 10.10.2019, 21:11 Uhr

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