Mitarbeiter der «reichsten Frau Afrikas» tot aufgefunden

Der Kontoführer von Isabel dos Santos soll Suizid begangen haben. In Angola wurde gegen ihn aufgrund der «Luanda Leaks» Anklage erhoben.

Isabel dos Santos wird vorgeworfen, «systematisch» von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme in Angola profitiert zu haben, um ihr Milliardenvermögen anzuhäufen. (7. Juni 2019) Foto: Mikhail Metzel\Getty Images

Isabel dos Santos wird vorgeworfen, «systematisch» von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme in Angola profitiert zu haben, um ihr Milliardenvermögen anzuhäufen. (7. Juni 2019) Foto: Mikhail Metzel\Getty Images

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Im Korruptionsskandal um die sogenannte «reichste Frau Afrikas» gibt es nun in Europa einen Toten. Ein enger Mitarbeiter der Angolanerin Isabel dos Santos wurde in Lissabon tot aufgefunden.

Die portugiesische Kriminalpolizei bestätigte am Donnerstag auf Anfrage entsprechende Berichte der Zeitungen «Jornal Económico» und «Correio da Manhã». Das älteste Kind des früheren angolanischen Langzeitpräsidenten José Eduardo dos Santos soll nach Anschuldigungen vor allem durch Korruption und Vetternwirtschaft zu grossem Reichtum gekommen sein (zum Bericht).

Gegen die Milliardärin und ihren nun tot aufgefundenen Mitarbeiter sowie gegen weitere Personen hatte die Staatsanwaltschaft in Angola erst am Mittwoch Anklage unter anderem wegen Unterschlagung erhoben (zum Bericht). Wegen der Korruptionsvorwürfe waren bereits im Dezember alle Vermögenswerte von dos Santos in Angola eingefroren worden.

Die Leiche des Mannes, die mehrere Verletzungen aufweise, sei am späten Mittwochabend in einer Garage eines Wohnhauses im Westen Lissabons gefunden worden. Alles deute zwar auf einen Freitod durch Erhängen hin. Es werde aber auch ein Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen. Ermittlungen seien aufgenommen worden, hiess es.

Unliebsamer Geheimnisträger?

Berichte portugiesischer Medien, der Mann habe Anfang Januar versucht, sich das Leben zu nehmen, konnte die Polizei in Lissabon zunächst nicht bestätigt. Der 45-Jährige war Private-Banking-Direktor der portugiesischen Bank Eurobic, an der Isabel dos Santos 42,5 Prozent des Kapitals hält. Er war auch Kontoführer von dos Santos.

Das Eurobic-Konto der in Baku in Aserbeidschan geborenen Frau, die in Angola und Portugal oft nur «die Prinzessin» gerufen wurde, war im November 2017 unter dubiosen Umständen leergeräumt worden, kurz nachdem die heute 46-Jährige als Präsidentin der staatlichen angolanischen Ölgesellschaft Sonangol abgesetzt worden war. Nach Medienberichten wurden damals innerhalb weniger Stunden insgesamt rund 52 Millionen Euro auf ein Offshore-Konto überwiesen.

Vater hatte sich an bitterarmem Land bereichert

José Eduardo dos Santos, Isabels Vater, hatte Angola, das zu den ärmsten und korruptesten Ländern der Welt gehört, von 1979 bis 2017 autokratisch regiert. Am Sonntag veröffentlichte Recherchen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ), zu dem auch der «Tages-Anzeiger», die «Süddeutsche Zeitung» sowie die deutschen Sender NDR und WDR gehören, legen den Verdacht nahe, dass Isabel dos Santos erhebliche Vorteile aus dem korrupten System in Angola zog.

Demnach hat die 46-Jährige «systematisch» von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme in Angola profitiert, um ihr Milliardenvermögen anzuhäufen. Dos Santos, ihr Ehemann Sindika Dokolo und weitere Vertraute gründeten den Dokumenten zufolge in den vergangenen Jahren mehr als 400 Firmen, fast hundert davon in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong. Immer wieder hätten diese Firmen von öffentlichen Aufträgen in Angola, von Beratertätigkeiten und von Darlehen profitiert, hiess es. (aru/sda)

Erstellt: 24.01.2020, 09:51 Uhr

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie Suizidgedanken oder kennen Sie jemanden, der Unterstützung benötigt? Kontaktieren Sie bitte die Dargebotene Hand, Telefon 143. E-Mail- und Chat-Kontakte finden Sie auf www.143.ch. Das Angebot ist vertraulich und kostenlos. Für Kinder und Jugendliche ist Telefon 147 da, auch per SMS, Chat, E-Mail, www.147.ch. Weitere Informationen finden Sie auf www.reden-kann-retten.ch. Adressen für Menschen, die jemanden durch Suizid verloren haben, gibt es auf www.trauernetz.ch. (sda)

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