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Massiv weniger Passagiere und Sorge um Lokführer

Der öffentliche Verkehr muss auch während der Corona-Krise funktionieren. Damit etwa Chauffeure oder Lokführerinnen nicht ausfallen, versuchen die Transportunternehmen sie zu schützen.

Im nationalen Fernverkehr rechnen die Bundesbahnen mit 10 bis 20 Prozent weniger Passagiere. Eine Frau mit Mundschutz im Bahnhof Bern. Foto: Christian Pfander
Im nationalen Fernverkehr rechnen die Bundesbahnen mit 10 bis 20 Prozent weniger Passagiere. Eine Frau mit Mundschutz im Bahnhof Bern. Foto: Christian Pfander

Wer dieser Tage in Zügen unterwegs ist, spürt es an manchen Orten deutlich: Wo sonst proppenvolle Wagen Pendler durch die Schweiz fahren, sind die Züge derzeit wegen des Coronavirus weniger ausgelastet. Kein Wunder: Das Bundesamt für Gesundheit hat die Weisung gegeben, dass man den ÖV wenn möglich zu Hauptverkehrszeiten meiden soll. Und auch so dürften einige Pendlerinnen und Pendler mit ungutem Gefühl in den Bussen, Trams und Zügen unterwegs sein. Wohl nur an wenigen Orten kommt man anderen Menschen über manchmal lange Zeit so nahe.

Die SBB trifft das Virus bereits ganz konkret. Die Züge nach Italien sind besonders schlecht ausgelastet, nur vereinzelt sitzen noch Passagiere drin. Mit rund 90 Prozent weniger Kunden rechnen die SBB, was einem Minus von täglich einer halben Million Franken gleichkommt. Züge im Verkehr mit Italien werden regelmässig desinfiziert, um eine mögliche Ansteckung der Passagiere zu verhindern. Im Verkehr nach Frankreich sind es rund 60 Prozent weniger, im nationalen Fernverkehr rechnen die Bundesbahnen mit 10 bis 20 Prozent weniger.

Auch wenn die SBB viel Verlust machen mit den Verbindungen nach Italien, gibt es bisher kein Gesuch, diese Fahrten einzustellen, wie es beim Bundesamt für Verkehr heisst. "Angesichts der Tatsache, dass der Linienverkehr per Bahn nach Italien nicht von behördlichen Einschränkungen betroffen ist, wäre eine Ausdünnung des Fernverkehrsangebots derzeit kaum bewilligungsfähig", sagt eine Sprecherin. Die Züge im Italienverkehr werden derzeit regelmässig desinfiziert.

Homeoffice, getrennte Teams

Die Situation ist klar: Die SBB und andere Transportunternehmen haben den Auftrag, den öffentlichen Verkehr aufrechtzuerhalten. Dies macht das Bundesamt für Verkehr klar. Es schreibt: «Auch während einer Epidemie oder Pandemie muss der öffentliche Verkehr minimal funktionieren. Er ist ein wichtiger Dienstleister, damit sich die Menschen bewegen können, etwa um sich zu versorgen oder sich in ärztliche Behandlung zu begeben.»

Es ist aber möglich, dass Transportunternehmen einzelne Verbindungen nicht mehr fahren. Dies, wenn zu wenig Personal vorhanden ist.

Damit dies nicht passiert, haben zum Beispiel die SBB reagiert. So arbeiten viele bereits im Homeoffice. Dort, wo dies nicht geht, etwa bei den Mitarbeitenden in den Betriebszentralen, wurden getrennte Teams gegründet, damit sich bei einer Ansteckung von Mitarbeitenden der Betrieb aufrechterhalten lässt.

Anders als andere Berufsgruppen können Lokführer nicht einfach im Homeoffice arbeiten. Bekannt ist auch, dass die SBB grundsätzlich schon eher zu wenig Lokführer haben, Krankheitsfälle lassen sich entsprechend schlecht kompensieren. Man prüfe derzeit verschiedene Szenarien, wie man mit einem grösseren Ausfall bei Lokpersonal zurechtkommt. «Wenn es nicht mehr geht, werden wir das Angebot ausdünnen müssen», sagt SBB-Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar. Das Ziel sei es aber nicht, Strecken ganz zu schliessen, sondern zum Beispiel statt viermal in der Stunde zweimal in der Stunde zu fahren.

Verkürzte Kompositionen sind kontraproduktiv

Ähnlich klingt es bei der BLS. Falls zu wenig Lokpersonal da sei, werde das Angebot ausgedünnt, heisst es bei den Bernern. «Das ist aber eine Massnahme, die wir während jeder Grippesaison für krankheitsbedingte Ausfälle von Lokführern vorbereiten», sagt ein Sprecher.

Worauf die SBB zurzeit verzichten, ist der Einsatz von bewusst verkürzten Zügen, weil grundsätzlich weniger Leute auf den Zügen sind. Dies wäre gar kontraproduktiv, weil die Pendler in den kurzen Kompositionen noch enger beieinander stehen.

Momentan evaluieren die SBB, dass in den Verkaufsstellen Plexiglasscheiben aufgestellt werden, damit das Personal geschützt werden kann. Die Gewerkschaft SEV forderte diese Massnahme vergangene Woche. Zudem müssen bei Billettkontrollen die Swiss-Pass-Karten von den Zugbegleitern nicht mehr in die Hand genommen werden. Dies, um Kunden und Personal zu schützen.

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Andere ÖV-Unternehmen greifen ebenfalls zu Vorsichtsmassnahmen. So etwa Postauto. «Der Ticketverkauf durch das Fahrpersonal wird eingestellt», so eine Sprecherin. Die Fahrgäste sollen Tickets auf anderen Kanälen kaufen, etwa am Ticketautomaten oder über den Webshop und die App. Als zusätzliche Schutzmassnahme bleibt die vordere Tür der Postautos geschlossen. Busbetriebe und Verbünde schliessen sich den Massnahmen von Postauto an. So gelten dieselben Regeln zum Beispiel im Gebiet des Zürcher Verkehrsverbund , in der angrenzenden A-Welle-Region, aber auch bei Bernmobil.

Mitarbeit: Jorgos Brouzos

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