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Gewinner und Verlierer des Machtkampfs um Panalpina

Das bedeutet der Verkauf des Schweizer Logistik-Konzerns fürs Management, die Angestellten und die Anleger.

Modellflugzeuge mit Panalpina-Logo dürften künftig hohe Preise bei Sammlern erzielen. Nach dem geplanten Verkauf an DSV heisst das neue Unternehmen «DSV Panalpina A/S». Foto: Keystone
Modellflugzeuge mit Panalpina-Logo dürften künftig hohe Preise bei Sammlern erzielen. Nach dem geplanten Verkauf an DSV heisst das neue Unternehmen «DSV Panalpina A/S». Foto: Keystone
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Die Enttäuschung beim Panalpina-Management ist nach dem heute angekündigten Verkauf an den dänischen Konkurrenten DSV garantiert – auch wenn sie nicht offen ausgesprochen werden dürfte. Der Chef der zweitgrössten Schweizer Logistikerin, Stefan Karlen, hatte sich bis zuletzt kämpferisch gezeigt und ein Loblied auf die Qualitäten eines Alleingangs angestimmt.

Nun wechselt das Unternehmen für rund 4,6 Milliarden Franken den Besitzer, und der Verwaltungsrat empfiehlt die Annahme der Offerte. Das öffentliche Tauschangebot wird bereits von Aktionären unterstützt, die fast 70 Prozent der Namensaktien von Panalpina halten. Dazu gehören der grösste Aktionär von Panalpina, die Ernst-Göhner-Stiftung (46 Prozent), sowie die schwedische Cevian Capital und Artisan Partners.

Das ist kein glücklicher Tag für das Management in Basel. Immerhin: Ganz verschwinden wird der Name Panalpina nicht. Das neue Unternehmen soll «DSV Panalpina A/S» heissen.

Anleger zufrieden

Es war die entscheidende Frage im monatelangen Übernahmekrimi: Ist die Ernst-Göhner-Stiftung bereit, ihre 46 Prozent Aktienanteile an der Basler Logistikerin aufzugeben oder nicht? Offenkundig haben ein Gegenwert von 195,8 Franken in DSV-Aktien die in Zug ansässige Stiftung überzeugt.

Mit dem angekündigten Aktientausch sind auch die kritischen Investoren Cevian und Artisan zufrieden. Sie liessen seit Monaten kaum ein gutes Haar am Panalpina-Management und der Ernst-Göhner-Stiftung, weil Panalpina seit Jahren auf der Stelle tritt. Angenehme Folge für die Stiftung: Bei Abschluss der Transaktion wird sie voraussichtlich die grösste Aktionärin von DSV mit einem Anteil von rund elf Prozent sein. Ein Stiftungsvertreter wird auch Mitglied des DSV-Verwaltungsrats.

Für alle Anleger bedeutet das Angebot einen Aufschlag von 43 Prozent zum Aktienkurs vom 15. Januar, dem Tag vor Bekanntwerden des ersten Angebots von DSV. Damals war DSV eine Panalpina-Aktie übrigens nur 170 Franken wert. Der Schlusskurs am Freitag lag noch bei 165,80 Franken. Ein Panalpina-Papier ist dem dänischen Unternehmen 2,375 eigene Aktien wert.

Unsicherheit bei den Angestellten

Heute schon ist klar, dass für viele Angestellten der Schweizer Logistikerin die Sorgen nun zumindest vorerst nicht weniger werden – auch wenn die Folgen des Deals noch längst nicht alle absehbar sind. Durch die Übernahme entsteht ein weltweit tätiger Logistikriese mit über 60'000 Angestellten, wobei DSV mit 48'000 Mitarbeitern deutlich grösser ist als Panalpina.

Während sich DSV in den vergangenen Monaten immer wieder um die Schweizer Konkurrentin bemüht hatte, machten sich Panalpina-Angestellte im Internet auf Thevoiceofpanalpina.com Luft und warnten vor dem Verkauf.

Zeigen wird sich in den kommenden Wochen und Monaten, was das Versprechen von DSV wert ist, eine faire Behandlung aller Mitarbeitenden sicherstellen zu wollen. Ein Integrationskomitee aus Panalpina- und DSV-Vertretern soll prüfen, welche Aufgaben in der Schweiz bleiben, kündigten die Dänen an.

Freude bei den Dänen

Fast schon euphorisch äussern sich die Käufer in einer Mitteilung zur Übernahme, die sie Milliarden kostet. DSV spricht dort von einem perfekten Zusammenschluss.

Über Wochen hatte DSV die Basler umworben und sich auch nicht abschrecken lassen, als deren Hauptaktionärin, die Ernst-Göhner-Stiftung, den Avancen eine deutliche Absage erteilt hatte. Auf eine ersten Offerte Mitte Januar folgte bereits Anfang Februar ein zweites Angebot. Seither war es ruhig geblieben, auffallend ruhig sogar.

Kein Glück für kuwaitische Konkurrenz

Die Agility-Gruppe ist die Verliererin im Ringen um Panalpina. Zwar sind der Europasitz des kuwaitischen Unternehmens und der Panalpina-Hauptsitz in Basel nur wenige Kilometer voneinander entfernt, doch durch den gestern angekündigten Zusammenschluss liegen nun Welten zwischen beiden Firmen.

Noch Mitte Februar sah das anders aus. Zu dem Zeitpunkt hatte es den Anschein, als ob die Ernst-Göhner-Stiftung einen Zusammenschluss mit dem kuwaitischen Unternehmen vorantreiben würde.

Agility-Chef Tarek Sultan sollte heute die Schweiz besuchen und wollte unter anderem das Gespräch mit Wirtschaftsjournalisten suchen, wie die «Finanz und Wirtschaft» berichtet hatte. Am Freitagnachmittag sei der Besuch aber überraschend abgesagt worden – mit der Begründung, dass sich Sultans Reisepläne geändert hätten. Inzwischen ist klar, warum sich der Manager die Reise in die Schweiz gespart hat.

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