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Für die eigene Schuhfirma den Bankjob abgelehnt

Christof Baum wollte mit orthopädischen High Heels durchstarten, doch der erste Prototyp scheiterte. Wie der Erfolg doch noch kam.

Angelika Gruber
Jungunternehmer Christof Baum schlägt ein Jobangebot einer Bank aus und entwickelt stattdessen den «perfekten High Heel». Foto: PD
Jungunternehmer Christof Baum schlägt ein Jobangebot einer Bank aus und entwickelt stattdessen den «perfekten High Heel». Foto: PD

Die Idee für seine Firma kam dem mittlerweile 27-jährigen Gründer während seines Wirtschaftsstudiums in St. Gallen. Nach einer Partynacht hatte seine Schwester ihre hohen Schuhe ausgezogen und in der Hand nach Hause getragen. Darüber sprach er mit seinem Vater – einem Orthopäden. Gemeinsam mit ihm und einem Sanitätshaus entwickelte er die Idee für ein spezielles Fussbett für Absatzschuhe, das die Schmerzen lindern soll.

Für seine Bachelorarbeit analysierte Baum den Schuhmarkt. «Ich habe entdeckt, dass es ein riesiges Potenzial gibt. Die Konstruktion der High Heels hat sich seit siebzig Jahren nicht verändert. Wir essen anders,wir haben Handys und Internet bei uns, aber das Schuhwerk ist, abgesehen von Sportschuhen, das gleiche», sagt Baum. Seine Stöckelschuhe versprechen durch ein zusätzliches Polster vor der Ferse und eine Dämpfung unter den Zehen und Ballen einen höheren Komfort.

«Die Konstruktion der High Heels hat sich seit siebzig Jahren nicht verändert.» Foto: PD
«Die Konstruktion der High Heels hat sich seit siebzig Jahren nicht verändert.» Foto: PD

Das kommt bei den Kundinnen gut an. Im vergangenen Jahr hat das Start-up Maison Baum mit Sitz in Berlin 1500 Paar Schuhe verkauft – vor allem in Deutschland und Frankreich – und damit in neun Monaten einen Umsatz von fast 300'000 Euro verbucht. Im laufenden Jahr sollen die Erlöse auch dank des Markteintritts in die Schweiz auf über eine Million Euro steigen. «Der Markt liegt mir sehr am Herzen», sagt Baum, der in Zürich aufgewachsen ist.

Mit den Schuhen, die pro Paar rund 300 Franken kosten, spricht Baum vor allem junge Frauen an, die am Einstieg ins Berufsleben stehen. Nicht alle davon sind es gewohnt, hochhackige Schuhe zu tragen. «Wir haben vor allem jüngere Frauen als Kundinnen, die noch nie High Heels getragen haben – die sich das aber trauen wegen der orthopädischen Sohle», sagt Baum.

Schwieriger Start

Doch der Weg zur Markteinführung war lang und steinig. Der erste Prototyp war nicht zufriedenstellend. Und auch nach dem Wechsel des Lieferanten blieben die Rückmeldungen der weiblichen Kundschaft schlecht. Hinzu kamen Probleme bei der Anmeldung seines Patents. Ein Tiefpunkt in seiner Karriere, wie sich der Gründer erinnert. «Damals stand ich vor einem Scherbenhaufen. Ich hatte nichts in der Hand, kein Geld, das Jobangebot von einer Bank hatte ich gerade abgelehnt.»

Ein zusätzliches Polster vor der Ferse und eine Dämpfung unter den Zehen und Ballen versprechen einen höheren Komfort. Foto: PD
Ein zusätzliches Polster vor der Ferse und eine Dämpfung unter den Zehen und Ballen versprechen einen höheren Komfort. Foto: PD

Doch Baum gibt sich noch mal ein halbes Jahr Zeit. «Ich habe bei meinem Vater im Keller gewohnt, um keine Kosten zu haben, und nur zu Hause gegessen», erzählt er. Zusätzlich absolviert er eine Schuhtechnik-Ausbildung in China und eignet sich als Mitarbeiter bei einem anderen Schuh-Start-up wichtiges Wissen an. Und langsam stellt sich der Erfolg ein. «Die Ergebnisse wurden besser. Die Testerinnen fingen an, mir Geld zu bieten, um die Schuhe zu behalten. Dann ging es Schritt für Schritt bergauf», sagte er.

Weibliche Verstärkung kommt bei Investoren gut an

Daraufhin sucht sich Baum eine Mitgründerin – per Annonce im Internet – und wird fündig. Die Modefachfrau Sophie Tréhoret interessiert sich für sein Projekt. Sie hat zuvor bei einem französischen Damenschuh-Hersteller gearbeitet und bringt wichtige Kontakte zu Lieferanten mit. Mit ihr gemeinsam wagt Baum den Markteintritt in Frankreich – anfänglich mit nur einem Modell mit einem zehn Zentimeter hohen Absatz.

Der Einstieg einer Mitgründerin verhilft dem Start-up auch zu einer grösseren Resonanz bei Investoren. «Die waren skeptisch, solange keine Frau mit im Team ist – wir machen schliesslich ein Produkt für Frauen», sagt er. Baum und Tréhoret halten gemeinsam rund 80 Prozent an dem Unternehmen. Der Rest gehört verschiedenen Investoren, von denen das Unternehmen in mehreren Runden bislang eine halbe Million Euro aufgenommen hat.

«Wir planen, in fünf Jahren zwanzig Millionen Euro Umsatz zu machen.»

Firmengründer Christof Baum

Mit diesem Rückenwind will Baum seine Absatzschuhe in den kommenden Jahren auch in anderen Ländern verkaufen. Weit oben auf der Liste stehen die USA, wo Baum bereits erste Gespräche führt. «Wir planen, in fünf Jahren zwanzig Millionen Euro Umsatz zu machen», sagt der Gründer.

Angst vor Fehlern hat der Betriebswirtschafter nicht. «Die lassen sich nicht vermeiden. Wichtig ist es, schnell darauf zu reagieren», sagte er. Und doch würde er rückblickend einiges anders machen. «Ich würde viel früher auf Investoren zugehen, denn Kapital bedeutet Schnelligkeit», sagt er. Zudem rät er anderen, sich früh genug Verstärkung durch erfahrene Partner zu suchen. «Als junger Mensch fehlt einem oft das Netzwerk. Die richtigen Leute am richtigen Ort zu haben, ist entscheidend für den Erfolg.»

Dass er den Job in der Bank abgelehnt hat, dürfte Baum wohl nicht mehr bereuen.

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