Finma untersucht die Beschattungsaffäre der Credit Suisse

Laut Insidern wurden Rechnungen vertuscht, um die Beschattungen zu verheimlichen. Im Fokus steht die ehemalige Nummer zwei der Bank.

Seine Überwachung war kein Einzelfall: Der ehemalige CS-Kadermann Iqbal Khan (Archivbild). Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

Seine Überwachung war kein Einzelfall: Der ehemalige CS-Kadermann Iqbal Khan (Archivbild). Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Die Finanzmarktaufsicht (Finma) eröffnet eine Untersuchung im Fall Credit Suisse. Sie setzt dafür einen unabhängigen Prüfbeauftragten bei der Grossbank ein. Auslöser sind die bekannt gewordenen Überwachungen der ehemaligen Geschäftsleitungsmitglieder Iqbal Khan und Peter Goerke. Dass am Montag die NZZ vermeldete, auch Goerke sei überwacht worden, hat innerhalb der CS wie eine Bombe eingeschlagen. Dies, weil CS-Präsident Urs Rohner noch vor zwei Monaten sagte, die Überwachung Khans sei ein Einzelfall gewesen.

«Credit Suisse wird weiterhin vollumfänglich mit der Finma zusammenarbeiten. Die von Credit Suisse veranlassten Untersuchungen stehen kurz vor dem Abschluss, die Resultate werden am Montag veröffentlicht», schreibt die CS in einer Mitteilung. Nach den neuen Enthüllungen dieser Woche hat der CS-Verwaltungsrat erneut die Anwälte der Kanzlei Homburger losgeschickt, um den Fall aufzuklären. Homburger untersuchte im September bereits die Affäre Khan, fand damals aber keine Hinweise auf weitere Beschattungsopfer. Ganz offensichtlich wurden den Ermittlern aber nicht alle Dokumente vorgelegt, und vieles deutet darauf hin, dass die Beschattung Goerkes vertuscht wurde. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird der Verwaltungsrat über die Konsequenzen beraten. Im Fokus steht dabei einerseits die Frage: Steht der Verwaltungsrat weiter hinter Bankchef Tidjane Thiam, oder muss dieser gehen? Und andererseits: Muss sich Pierre-Olivier Bouée, die ehemalige Nummer zwei der Bank, den Vorwurf gefallen lassen, er habe in der Affäre Khan gelogen und Rechnungen vertuscht?

Der ehemalige Personalchef der Credit Suisse, Peter Goerke. Bild: PD

Allem Anschein nach hat Bouée auch die Beschattung Goerkes, der früheren Nummer zwei beim Sicherheitschef Remo Boccali, angeordnet. «Es ist undenkbar, dass ein Mitglied der Konzernleitung beschattet wird und dies nicht von einem anderen Mitglied der Konzernleitung genehmigt ist», sagt ein Insider. Da die Homburger-Anwälte zunächst keine Hinweise auf weitere Beschattungen gefunden haben, scheinen Boccali und Bouée Spuren wie Abrechnungen mit Erfolg verschleiert zu haben.

Goerke selbst hat keine Ahnung, wer hinter seiner Observation steckt. Wie es von CS-Insidern heisst, hat er auch keine Erklärung dafür, warum er im Februar drei Tage beschattet worden ist.

Erstellt: 20.12.2019, 17:35 Uhr

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