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Briefbomben: Wie geht man in der Schweiz mit der Gefahr um?

In der Schweiz wird jedes Paket und jeder Brief an Bund und nationale Gerichte überprüft. Ein lukratives Geschäft auch für die Post, denn die Nachfrage nach Sicherheit wächst.

Wieder Bombendrohung gegen CNN: Das Gebäude des Senders in New York musste geräumt werden. 6. Dezember 2018.
Wieder Bombendrohung gegen CNN: Das Gebäude des Senders in New York musste geräumt werden. 6. Dezember 2018.
Reuters
Bereits im Oktober gab es eine Serie von Briefbomben, die an CNN, Barack Obama, Hillary Clinton und Schauspieler gerichtet waren. Der mutmassliche Täter war offenbar ein fanatischer Fan des Präsidenten, wie sein Van zeigt. (26. Oktober 2018)
Bereits im Oktober gab es eine Serie von Briefbomben, die an CNN, Barack Obama, Hillary Clinton und Schauspieler gerichtet waren. Der mutmassliche Täter war offenbar ein fanatischer Fan des Präsidenten, wie sein Van zeigt. (26. Oktober 2018)
Screenshot CNN
US-Präsident Trump gibt den Medien eine Mitschuld an der Briefbomben-Serie: «Sie müssen die endlosen Feindseligkeiten und die konstant negativen und oft falschen Attacken und Geschichten stoppen», sagte Trump.
US-Präsident Trump gibt den Medien eine Mitschuld an der Briefbomben-Serie: «Sie müssen die endlosen Feindseligkeiten und die konstant negativen und oft falschen Attacken und Geschichten stoppen», sagte Trump.
Reuters
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Eine Serie von Briefbomben hatte die USA seit letzten Mittwoch in Atem gehalten. Insgesamt stellten die Ermittler 14 Päckchen sicher. Sie waren in erster Linie an Kritiker des US-Präsidenten Donald Trump adressiert.

Auch in der Schweiz gab es schon Empfänger – und Opfer –von Briefbomben. Zwischen 2009 und 2011 hatten die «Informelle Anarchisten-Föderation» (FAI) und die «Internationale Revolutionäre Front» (FRI) für Aufsehen gesorgt, als sie an diverse Institute in Italien, Deutschland, Frankreich und eben der Schweiz Briefbomben verschickt hatten.

Anschlag auf Atomlobbystin

Am 31. März 2011 waren bei einem Briefbombenanschlag auf die AKW-Fachgruppe Swissnuclear in Olten zwei Mitarbeiterinnen in den Büroräumen verletzt worden.

Ziele der anarchistischen Gruppen waren unter anderem auch der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Briefbombe an den Spitzenbanker wurde jedoch entdeckt und entschärft. Bei Equitalia, der italienischen Steuereinzugsbehörde, verlor der Chef beim Öffnen der Briefbombe einen Finger.

Anzahl Vorfälle in der Schweiz nicht bekannt

Darum wird insbesondere beim Bund und den nationalen Gerichten seitdem der Posteingang geprüft. Gegenüber «SonntagsBlick» sagt die Sprecherin der Bundespolizei (Fedpol) Lulzana Musliu: «Wir empfehlen sämtlichen Institutionen in unserem Schutzbereich das Röntgen von Paket- und Briefpost.» Dazu gehören die gesamte Bundesverwaltung sowie nationale Gerichte.

Über die Häufigkeit der Vorfälle in der Schweiz macht das Fedpol keine Angaben. Man werde jedoch kontaktiert, um Vorfälle zu untersuchen, so Musliu.

Beim Bundesverwaltungsgericht werde die eingehende Post «systematisch und flächendeckend» geprüft, die technischen Hilfsmittel habe man selbst im Haus und man arbeite auch mit einem externen Partner zusammen, lautete die Antwort nach einer Anfrage des «SonntagsBlick».

Schweizer Post ein wichtiger Marktplayer

Beim Thema Sicherheit spielt auch die Post selbst eine wichtige Rolle; längst sind entsprechende Dienstleistungen zu einem eigenen Geschäftszweig geworden: An Selbstvertrauen mangelt es dem gelben Riesen dabei nicht: «Unser Personal erfüllt alle Terrorismus-Bekämpfungs-Standards und bildet sich fortlaufend weiter», heisst es auf der Webseite, auf der die Post unter anderem Explosionsschutz, radiologisches Screening, biologische Bedrohungserkennung, Röntgen- und Visuelles/manuells Screening anbietet.

Und das Geschäft laufe gut, wie Post-Sprecher François Furer dem «SonntagsBlick» erzählt. Wie viele öffentliche Institutionen und Firmen solche Angebote in Anspruch nehmen, gibt die Post allerdings nicht bekannt.

Unternehmer lassen sich schulen

Klaus Gettwart leitet für die Schweizer Firma Syspost AG Seminare zur «Sicherheit im Posteingang». Dabei habe er schon mehr als 500 Unternehmensvertreter aus Grosskonzernen und KMU geschult. Je exponierter und bekannter die Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens sei, desto höher sei auch das Gefährdungsrisiko, so der Experte zur Zeitung.

Wie oft gefährliche Pakete und Briefe tatsächlich entdeckt werden, dürfe er nicht sagen. Aber es komme deutlich öfter vor, als dass es die Öffentlichkeit erfährt, so Gettwart. «Um keine Nachahmer zu animieren, raten wir davon ab, den Erhalt gefährlicher Pakete und Briefe öffentlich zu vermelden.»

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