Neue Abgasmessungen haben finanzielle Folgen für Autofahrer

Der Dieselskandal treibt die Kosten auch für ältere Autos nach oben. Geprüft werden künftig auch Benziner und Elektroautos.

In den USA lagert VW Zehntausende zurückgekaufte Dieselautos in der Wüste. Autofriedhof in Kalifornien. (29. März 2018) Bild: Lucy Nicholson/Reuters

In den USA lagert VW Zehntausende zurückgekaufte Dieselautos in der Wüste. Autofriedhof in Kalifornien. (29. März 2018) Bild: Lucy Nicholson/Reuters

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Die Einführung neuer Abgasnormen und Messmethoden hat Folgen für Autobauer, Händler, Importeure und schliesslich auch für die Kunden. Neben Lieferengpässen bei Neuwagen rechnen Experten aufgrund der höheren CO2-Messwerte zudem mit steigenden Strassenverkehrsabgaben.

Zum Hintergrund: Die im Nachgang des Diesel-Abgasskandals in Verruf geratene Verbrauchsmessung NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) wurde per 1. September 2018 vom sogenannten WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) abgelöst.

Damit regiert die EU auf die beim 1992 eingeführten NEFZ-Verfahren eklatanten Unterschiede zwischen den auf dem Prüfstand gemessenen Abgaswerten und dem tatsächlichen Verbrauch und CO2-Austoss beim Fahren auf der Strasse.

Abweichungen sollen sinken

Softwaremanipulationen und Prüfstandoptimierungen der Autohersteller führten dazu, dass der tatsächliche Kraftstoffverbrauch und Schadstoffaustoss laut dem Bundesamt für Strassen (Astra) die Prüfstandwerte um knapp die Hälfte überschritt. Durch das neue WLTP-Verfahren soll die Differenz immerhin auf «nur» noch 20 Prozent sinken.

Dass sich auch mit dem neuen WLTP-Regime noch Unterschiede ergeben, liege unter anderem daran, dass auch beim deutlich strengeren Messverfahren etwa die Klimaanlage ausgeschaltet bleibt. Wesentliche Differenzen zum alten System gibt es aber beispielsweise bezüglich höherem Durchschnittstempo und Höchstgeschwindigkeit. Zudem wird die geprüfte Fahrstrecke verlängert.

Steigende Abgaben

Experten rechnen im Schnitt mit einem rund 20 Prozent höheren CO2-Wert als bei den alten Werksangaben. Dadurch steigen vor allem in Kantonen wie beispielsweise Graubünden, wo die Strassenverkehrsabgaben auch anhand des CO2-Ausstosses berechnet werden, die Abgaben.

Hinzu kommt, dass bisherige Rabatte einiger Kantone entfallen könnten. In Zürich etwa wird für Autos ein befristeter Rabatt für Fahrzeuge der Energieeffizienzkategorie A und B gewährt. Damit wird beispielsweise ein ab September gekauftes Auto teurer als der baugleiche Wagen vor dem Inkrafttreten der neuen Abgasnorm.

«Pauschal lässt sich aber nicht beantworten, wo und wie hoch die Mehrbelastung ausfällt», sagt Christoph Wolnik, Sprecher des Importverbands Auto Schweiz. Um die steigenden Strassenverkehrsabgaben auszugleichen, rät Wolnik Autofahrern, die Versicherungsprämien neu zu vergleichen. Hier könne aufgrund des harten Konkurrenzkampfs unter den Versicherern meist Geld gespart werden.

Lieferverzögerungen bei Neubestellungen

Zudem sei unter Umständen aufgrund von Zulassungsverzögerungen mit Auslieferungsproblemen von bestimmten Neuwagen zu rechnen: «Dabei handelt es sich aber um Einzelfälle», sagt Wolnik. Bestehe der Kunde auf einem eigens für ihn zusammengestellten Fahrzeug, seien jedoch durchaus längeren Wartezeiten möglich.

Gemäss einer Liste des TCS haben bisher nur wenige Hersteller ihre ganze Fahrzeugflotte zertifiziert. Insbesondere die zum VW-Konzern gehörenden Marken Audi, Skoda, Seat und Porsche seien im Verzug. Demgegenüber sind Modelle der französischen PSA-Gruppe, zu der neben Peugeot und Citroën auch Opel zählt, homologiert und entsprechen den neuen Richtlinien.

Abgasnormen verschärft

Zeitgleich zur Einführung von WLTP treten zudem gestaffelt auch neue Abgasnormen in Kraft. Neben der seit diesem Monat geltenden Norm 6c für alle in die Schweiz importierten Neuwagen kommt ab September 2019 übergangsweise die Euro 6d-Temp-Norm hinzu. Dabei sollen Autos auch im realen Fahrbetrieb getestet werden.

Ab 2021 tritt dann die definitive Euro 6d-Norm in Kraft, die nochmals strengere Vorschriften bringt. Geprüft werden alle Antriebsarten von Diesel und Benziner über Erdgas- und Hybridantriebe bis hinzu Brennstoffzellen- und Elektroautos.

Die neuen Normen werden längerfristig die Betriebskosten für ältere Autos nach oben treiben. In Verbindung mit steigenden Strassenverkehrsabgaben hoffen Umweltvertreter daher, dass ein Umdenken bei Neuwagenkäufern stattfinden könnte und die Nutzung von alternativen Antrieben angekurbelt wird.

(oli/sda)

Erstellt: 06.09.2018, 14:44 Uhr

Autofahrern in Frankfurt droht Dieselfahrverbot

Die Stadt Frankfurt am Main muss ein Dieselfahrverbot für sauberere Luft einführen. Das hat das Verwaltungsgericht Wiesbaden am Mittwoch nach einer mündlichen Verhandlung entschieden. Demnach droht den Autofahrern in der hessischen Metropole im kommenden Jahr ein grossflächiges Dieselfahrverbot.

Der Vorsitzende Richter am Wiesbadener Verwaltungsgericht machte zwar keine konkreten Vorgaben. Er sagte aber in der Urteilsbegründung, denkbar sei, dass die Einschränkungen sich an der derzeitigen Umweltzone orientieren. Die Frankfurter Umweltzone umfasst die Fläche innerhalb des Autobahnrings rund um die Stadt. Im Westen wird sie begrenzt durch die A5, im Süden durch die A3 und im Osten und Norden durch die A661.

Nach den Worten des Richters soll das Dieselfahrverbot von 1. Februar 2019 an für Euro-4-Diesel und auch für Benziner der Schadstoffklassen 1 und 2 gelten. Von 1. September an wäre die Zone auch für Euro-5-Diesel tabu. Damit folgen die hessischen Verwaltungsrichter Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, nach denen flächendeckende Fahrverbote für Dieselautos der Klasse Euro-5 erst von September 2019 an zulässig seien.

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