Fall Moçambique: Ein dritter Banker der Credit Suisse gesteht

Der Betrugsfall um einen Kredit von 2 Milliarden Franken wird für die Grossbank immer gefährlicher.

Mit dem Thunfisch-Bond hätten angeblich Fangflotten finanziert werden sollen: Fischer vor MaputoFoto: Reuters

Mit dem Thunfisch-Bond hätten angeblich Fangflotten finanziert werden sollen: Fischer vor MaputoFoto: Reuters

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Sie fallen wie die Dominosteine. Nun hat auch der dritte angeklagte CS-Banker im Fall Moçambique ein Schuldeingeständnis unterschrieben. Dabei handelt es sich um Surjan Singh, ehemaliger «Managing Director» der zweitgrössten Schweizer Bank. Singh, der in Grossbritannien festgenommen wurde und sich zuerst lange gegen seine Auslieferung in die USA wehrte, hat zugegeben, dass er Geldwäscherei betrieben und sich zusammen mit Konzernverantwortlichen, Regierungsmitgliedern und anderen verschworen hat.

Die Verschwörung hatte zum Ziel, Anleihen im Umfang von 2 Milliarden Dollar aufzunehmen und davon 200 Millionen Franken Schmiergelder zu zahlen. Mit dem sogenannten Thunfisch-Bond hätten in Moçambique maritime Projekte, unter anderem eine Thunfisch-Fangflotte, finanziert werden sollen. In Tat und Wahrheit versickerte der grösste Teil des Geldes in den Taschen von Bankern, Regierungsmitgliedern, Investoren und dubiosen Gesellschaften.

Unterschrift aus Zürich

Vor einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft in New York ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet. Angeklagt wurden drei Credit-Suisse-Mitarbeiter und fünf weitere Geschäftsleute. Nicht angeklagt ist die Credit Suisse selber, die die Anleihen organisierte. Die Bank stellt sich auf den Standpunkt, es handle sich um kriminelle Machenschaften von ehemaligen Mitarbeitern ihrer Londoner Niederlassung.

«Das Magazin» enthüllte allerdings, dass unter dem Kreditvertrag in zwei Fällen auch die Unterschrift eines Vertreters der Credit Suisse AG mit Sitz in Zürich steht. Verwaltungsratspräsident dieser Tochtergesellschaft ist Urs Rohner, der auch Präsident der Muttergesellschaft ist.

«Ich wusste, dass das Geld aus illegalen Aktivitäten stammt»Andrew Pearse, geständiger CS-Banker aus Neuseeland

Die erste CS-Angestellte, die sich in diesem Fall schuldig bekannte, war Detelina Subeva. Auch sie gab wie Singh zu, Teil eines Betrugs- und Geldwäschereisystems zulasten des hoch verschuldeten afrikanischen Landes gewesen zu sein. Sie sagte zudem aus, sie habe persönlich 200'000 Dollar erhalten. Nach dem Schuldeingeständnis zahlte Subeva 2 Millionen Franken Kaution, damit sie nach London zurückkehren konnte, wo sie wohnt.

Nach ihr stellte sich auch der neuseeländische CS-Banker Andrew Pearse den Strafbehörden und gab zu, sogenannten Überweisungsbetrug begangen und dafür Kickback-Zahlungen erhalten zu haben. Weiter behauptete ­Pearse, via das Schiffsbauunternehmen Privinvest seien dem Sohn des damaligen Präsidenten von Moçambique 50 Millionen Dollar überwiesen worden. Der Präsidentensprössling sei auch Teil des Betrugs gewesen, den Pearse mitverantwortete. «Ich habe mich bereit erklärt, das Geld anzunehmen und zu behalten, obwohl ich wusste, dass es aus illegalen Aktivitäten stammt», gestand Pearse. Ihm drohen nun bis zu 20 Jahre Gefängnis. Er musste 2,5 Millionen Dollar hinterlegen, damit er nach Hause durfte.

Moçambique will Garantien für die Umschuldung

Interessant ist, dass es die amerikanische Justiz ist, die sich des Falls seit einem Jahr annimmt, obwohl der Gerichtsstand für die Anleihen eigentlich in London und der Hauptsitz der CS in Zürich ist. Moçambique selber machte lange Zeit gar nichts, die Londoner Behörden kamen nicht weiter, und die Schweizer Bundesanwaltschaft sowie die Finanzmarktaufsicht (Finma) prüfen seit ewigen Zeiten, ob sie zuständig sind.

In London führte das zu kritischen Fragen in der Finanzkommission des Parlaments. «Was muss eigentlich geschehen, damit das United Kingdom eine Untersuchung einleitet?», fragte etwa die Labour-Abgeordnete Rushanara Ali. Auch in der Schweiz gab es parlamentarische Anfragen, unter anderen von der SP. Die Antwort war: «Die Finma steht in dieser Sache im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeiten mit der Credit Suisse in Kontakt. Im Falle einer Verletzung von Schweizer Aufsichtsrecht werden entsprechende rechtliche Schritte eingeleitet.»

Die New Yorker Behörden haben den Ball aufgenommen, weil amerikanische Anleger Geld verloren haben. Denn Moçambique ist seit 2017 nicht mehr in der Lage, die Anleihen zu verzinsen. Im Februar dieses Jahres reichte die Regierung Moçambiques in London endlich eine Klage ein, deren Inhalt lange Zeit geheim blieb. Nun sind aber Details bekannt geworden. Denn gegenwärtig versucht die Regierung, eine Restrukturierung der Schulden zu bewerkstelligen, um das Land wieder kreditfähig zu machen.

Letzten Montag bekam es von den Gläubigern die Zusicherung, dass eine Eurobond-Anleihe über 727 Millionen Dollar, die 2023 fällig geworden wäre, in einen Kredit von 900 Millionen Dollar mit einer Fälligkeit zwischen 2028 und 2031 umgewandelt wird. Im 102-seitigen Prospekt zur Anlage ist zu lesen, dass Moçambique die Verantwortung für die Anleihen zurückweist und die Credit Suisse in die Pflicht nehmen will. Im Juni hat ein Gericht in Moçambique zudem festgestellt, dass die Kredite illegal waren und darum der Staat nicht hafte.

Die Credit Suisse lehnt zum Fall Moçambique jede Stellungnahme ab.



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Erstellt: 16.09.2019, 10:42 Uhr

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