«Eine 16-Jährige sollte so etwas nicht tun müssen»

Barack Obama eröffnet in München ein Start-up-Festival. Der ehemalige US-Präsident spricht über Greta Thunberg, den Klimawandel und kritisiert Techfirmen.

Gründermesse «Bits & Pretzels» in München mit Barack Obama. (Foto: Getty Images)

Gründermesse «Bits & Pretzels» in München mit Barack Obama. (Foto: Getty Images)

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Und dann kommt endlich Barack Obama auf die Bühne. Eineinhalb Stunden dauerte die Eröffnung von Bits & Pretzels schon in Halle C1 der Messe München. Mit Ansagen der Veranstalter Bernd Storm, Felix Haas und Andreas Bruckschlögl, einem launigen Warm-up des Moderators Dan Ram und einer unfreiwillig komischen Rede des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger, der mit heftigstem Akzent seine Rede angestrengt von den Moderationskarten ablas. Doch dann ist Obama da und grüsst die Gastgeber per Fistbump, Faust gegen Faust, wie der coole Influencer eben, als der der frühere US-Präsident gern auftritt.

Es folgt eine Stunde Gespräch mit Britta Weddeling, «Editor in Chief» des Gründer-Festivals. Obama, von 2009 bis 2017 als erster Afroamerikaner im Amt, spricht sich für Frauenförderung aus. «Männer denken gern, dass sie etwas wissen, selbst wenn sie keine Ahnung haben», sagt Obama und schildert ein Erlebnis aus seiner Amtszeit: Wenn Frauen als Expertinnen ins Weisse Haus geladen waren, kamen sie trotz ihres Fachwissens kaum zu Wort und hatten Angst, andere zu unterbrechen. Also berief der Präsident ein Treffen mit seinen Mitarbeitern ein und fragte, wie man erreichen könne, dass die Frauen nicht nur im Raum sind, sondern auch etwas sagen. Das Ergebnis: «Ich habe den Männern gesagt, sie sollen ruhig sein. Nutzt eure Ohren, nicht nur euren Mund – ihr könntet dabei etwas lernen.»

In der vergangenen Woche hatte Obama die junge Klimaaktivistin Greta Thunberg getroffen. Sie sei eine ausserordentliche Führungspersönlichkeit, aber auch sehr jung: «Eine 16-Jährige sollte so etwas nicht tun müssen», so der Ex-Präsident. Sie sei eine Mahnung an alle, die für sich in Anspruch nehmen, erwachsen zu sein, Verantwortung zu übernehmen.

«Investiert in junge Menschen»

Das passt zum Motto der diesjährigen Gründerkonferenz namens Impact – zu Deutsch Einfluss. 5000 Teilnehmer, Start-ups, Investoren, Vertreter aus Unternehmen und Initiativen aus 90 Nationen sind nach München gekommen, um sich auszutauschen, sich inspirieren zu lassen und «liquid networking» auf dem Oktoberfest zu betreiben, wie es Bernd Storm nennt.

Impact beziehe sich ausdrücklich auch auf die Jugendbewegung «Fridays for Future», ausgelöst durch Greta Thunbergs Schulstreik für den Klimawandel, erklärt Felix Haas: Man wolle den Geist des Mädchens auch zu den jungen Unternehmern bringen: «Es braucht nur einen Gründer, der plötzlich die Welt verändert.» Das klingt sehr pathetisch, aber auch das gehört zu Bits & Pretzels – einer Veranstaltung, die übrigens vollständig auf Englisch gehalten wird. Das wurde Aiwanger zum Verhängnis. Er warb für das «Gründerland Bayern» und wünschte mit rollendem «R» eine «stimulating conference», ohne selber stimulierend zu wirken, da er seine Augen nicht vom Manuskript nahm. Als seine Rede endete, war nicht nur der Politiker sichtlich erleichtert.

Obama äusserte sich im Übrigen auch recht deutlich zu den Steuervermeidungstaktiken einiger Unternehmer. «Ich kenne Menschen im Silicon Valley, die extrem erfolgreich sind, aber ein Problem damit haben, Steuern zu zahlen, die dabei helfen könnten, Schulen zu finanzieren.» Wenn man aber zu wenig in Bildung investiere, sei das ein Problem. Und die Förderung müsse an den Universitäten weitergehen, denn das bräuchten Start-ups.

Trotzdem müssten Gesetzgeber die richtige Balance finden, um Unternehmen zu unterstützen und zu regulieren. Man dürfe «die Gans nicht töten, bevor sie die goldenen Eier legt». «Du musst Wettbewerbsregeln haben, um Monopole aufzubrechen, die den Wettbewerb begrenzen.» Er wünsche sich Gespräche, die auch von den Tech-Firmen vorangetrieben wird. Das setze aber ein grundlegendes Vertrauen zwischen Gründern und Gesetzgebern voraus.

Abschliessend bezeichnet sich der Ex- Präsident als «Optimist». Anders hätte es jemand mit dem Namen Barack Hussein Obama nicht ins Weisse Haus schaffen können. Sein Appell an die versammelten Gründer und Geldgeber: «Investiert in junge Menschen – sie sind die einzigen, die wissen, wie man eure Produkte nutzt.»

Erstellt: 29.09.2019, 21:51 Uhr

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