Düstere Prognose: Die Mächtigen fürchten sich vor Umweltrisiken

Nächste Woche trifft sich die globale Elite in Davos. In einer Studie warnt das WEF eindringlich vor künftigen Gefahren.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, und Angela Merkel werden nächste Woche am WEF in Davos erwartet.

Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, und Angela Merkel werden nächste Woche am WEF in Davos erwartet. Bild: Keystone

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Ein brennender Planet: Dieses Bild bemüht das World Economic Forum, um das nächste Woche stattfindende Treffen einzuläuten. Zum 15. Mal stellt das WEF im sogenannten Global Risk Report die drängendsten Ängste und Risiken der Zukunft vor. Es ist ein düsteres Bild, das gezeichnet wird vor dem Hintergrund von zunehmenden geopolitischen und innenpolitischen Spannungen, drohendem wirtschaftlichem Abschwung und Umweltrisiken.

Pessimismus durchzieht den Bericht, der Ton ist alarmistisch. Die Hauptsorgen der befragten Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft drehen sich um Umweltfragen. «Und das in einer Zeit, in der die Brüche innerhalb der globalen Gemeinschaft nur noch grösser zu werden scheinen», wie der Präsident des WEF, Borge Brende, in seinem Vorwort schreibt.

Auf lange Sicht gesehen, sorgen sich die Befragten vor gleich fünf Themen, die in direktem Zusammenhang mit der Umwelt stehen. Extremes Wetter, das Scheitern von Klimamassnahmen, Naturkatastrophen, Verlust von Biodiversität und vom Menschen verursachte Umweltkatastrophen stehen zuoberst auf der Liste, welche Risiken auf lange Sicht beurteilt. Es ist das erste Mal, dass die fünf grössten Sorgen aus diesem Bereich stammen.

Unterstützt wird dieses düstere Zukunftsbild gleich mit zwei Kapiteln, in denen sich das WEF mit Umweltfragen auseinandersetzt. Die Autoren warnen vor direkten Auswirkungen der Klimaveränderungen. Diese hätten «härter und schneller zugeschlagen, als viele erwartet hätten», heisst es im Report.

Zudem hat die Klimaveränderung laut der Studie Auswirkungen auf eine ganze Palette von anderen Herausforderungen. So wachse etwa die Migration, geopolitische Spannungen würden verschärft, Ökosysteme unter Stress gesetzt. Zudem warnt das WEF vor einem Verlust von Biodiversität. Die Biodiversität nehme so schnell ab wie zu keinem anderen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit, heisst es im Report. Dies bringe ernsthafte Risiken für Gesellschaften, Wirtschaft und die Gesundheit des Planeten mit sich.

Junge machen sich Sorgen um Umwelt

Für die Studie wurden rund 750 Entscheidungsträger befragt, deren Organisationen mit dem WEF in Verbindung stehen. Der Report gilt als Richtschnur für das Forum, welches vom 21. bis zum 24. Januar in Davos stattfindet. Speziell ausgewiesen wird im Report die Ansicht der «Global Shapers», des WEF-Nachwuchses: also zum Beispiel junger, aufstrebender Wirtschaftsführer ab Jahrgang 1980.

In dieser Gruppe zeigen sich noch deutlicher Sorgen bezüglich der Umwelt. Sie sieht in diesem Bereich nicht nur auf langfristige Sicht Risiken. Sondern geht vielmehr davon aus, dass bereits 2020 Umweltkatastrophen wie extreme Hitzewellen oder unkontrollierbare Waldbrände ansteigen werden.

Etwas anders sieht das Bild aus, wenn die Antworten aller Entscheidungsträger zusammengefasst werden. Sie denken, dass das Risiko für wirtschaftliche Konfrontationen in diesem Jahr am meisten ansteigt. Zudem sehen sie auch in innenpolitischer Polarisierung eine wachsende Gefahr.

Neben Ängsten vor Umwelt- werden auch technologische Risiken als wachsend angesehen. «Cyberangriffe sind zu einer häufigen Gefahr für Einzelpersonen und Unternehmen geworden», heisst es im Report. Die Umfragen des WEF bewerten solche Angriffe als das weltweit zweithäufigste Risiko für die Geschäftstätigkeit in den nächsten 10 Jahren.

Studie warnt vor Zögern

Zeit, diese Herausforderungen anzugehen, bleibt laut den Autoren des Reports wenig. «Die Welt kann nicht warten, bis sich der Nebel der geopolitischen und geoökonomischen Unsicherheit auflöst», heisst es im Report.

In Schlüsselfragen wie Wirtschaft, Umwelt, Technologie und öffentliche Gesundheit müssten die Beteiligten Wege finden, um in einer unruhigen globalen Landschaft schnell und zielgerichtet zu handeln, heisst es in der Studie. «Wenn man sich dafür entscheidet, die gegenwärtige Periode in der Hoffnung zu überstehen, dass das globale System ‹zurückschnellt›, läuft man Gefahr, entscheidende Zeitfenster zu verpassen, um die drängenden Herausforderungen anzugehen», warnen die Autoren.

Erstellt: 15.01.2020, 10:30 Uhr

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