Das arabische Märchen in der Schweiz ist vorbei

Die Touristen aus den Golfstaaten haben das Land diesen Sommer gemieden – auch wegen eines Wetterphänomens.

Im französischen Chamonix war es kühler: Auch im Hotspot Genf waren arabische Gäste seltener anzutreffen. (Foto: Keystone)

Im französischen Chamonix war es kühler: Auch im Hotspot Genf waren arabische Gäste seltener anzutreffen. (Foto: Keystone)

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Im Sommer, wenn es in ihrer Heimat brütend heiss ist, flüchten die Menschen aus der Golfregion gerne an kühlere Plätze in Europa. Zu den bevorzugten Reisezielen gehört seit je auch die Schweiz. In den vergangenen Jahren sind die Übernachtungszahlen der arabischen Gäste rasant nach oben geklettert. Mit nahezu einer Million Hotelübernachtungen kommen die Araber in der Statistik inzwischen fast an die Italiener heran.

Doch jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Während die Schweiz bis September insgesamt ein Logiernächteplus von 1,5 Prozent verzeichnet, sind die Zahlen aus den Golfstaaten rückläufig – und zwar deutlich. 12 Prozent beträgt das Minus für den Sommer. Für das Gesamtjahr erwartet Schweiz Tourismus einen Rückgang der Logiernächte von Reisenden aus den Golfstaaten von bis zu 10 Prozent, denn die Hauptsaison dieser Zielgruppe ist nun vorbei.

Es wäre der grösste Rückgang seit zehn Jahren. Denn mit ein paar wenigen Ausnahmen zeigte die Kurve der Golfstaaten in den letzten Jahren stets steil nach oben. Von 2012 bis 2015 legte der Markt gar um mehr als 20 Prozent zu. Plötzlich waren die arabischen Gäste nicht mehr nur in Genf gut sichtbar, sondern auch an anderen Orten in der Schweiz: Zürich, Luzern, Interlaken.

Jetzt aber hat die Statistik eine Delle bekommen: Alle fünf Topreiseziele sind aktuell im Minus. Am besten kommt Genf mit einem Rückgang von gut 5 Prozent davon. Montreux und Luzern haben prozentual am meisten verloren.

Die Sehnsucht nach kälteren Regionen

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig. Der erstaunlichste liegt in einem Wetterphänomen: Die Berichterstattung über die Hitzesommer in Europa lassen die Touristen aus den Golfregionen offenbar nicht unberührt. Auch wenn es bei uns noch immer deutlich kühler ist als in Katar, Dubai oder Riad, haben die Gäste aus den Wüstenstaaten offenbar den Eindruck, sie würden hierzulande im Sommer nicht die gewünschten klimatischen Bedingungen vorfinden.

«Wir beobachten, dass die Touristen aus den Emiraten und anderen Ländern diesen Sommer in der Hoffnung auf Abkühlung vermehrt aufs nördliche Deutschland und in die Gegend von Chamonix in Frankreich ausgewichen sind», heisst es bei Genf Tourismus. Auch bei Schweiz Tourismus bestätigt man den Trend. «Die Hitzewelle in Mitteleuropa wurde medial stark thematisiert in den Golfstaaten. Das hat die Gäste verunsichert», sagt Sprecher André Aschwanden.

Politische Entwicklungen und Verhaltensänderungen

Auch politische Entwicklungen haben das Reiseverhalten beeinflusst. Seit Katar im Zug der Katar-Krise von anderen arabischen Staaten boykottiert wird, fliegt Qatar Airways nicht mehr ab Saudiarabien. Dadurch hat sich das Flugangebot für die Saudis deutlich verteuert, was insbesondere die Mittelschicht getroffen hat, die zu einem grossen Teil aus indischen Expats besteht. Saudiarabien bildet zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten die grösste Gästegruppe aus der Region, gefolgt von Kuwait.

Bei Schweiz Tourismus und in Genf beobachtet man aber auch Verhaltensänderungen der Touristen vom Golf. Sie nutzen offenbar vermehrt Airbnb-Wohnungen, während sie bis anhin auf Fünf- und Viersternhotels fixiert waren. «Die Gäste suchen zunehmend nach Apartments mit Hotelservice», bestätigt Adrien Genier, Chef von Genf Tourismus.



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Erstellt: 10.11.2019, 11:21 Uhr

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