Credit Suisse sieht Bussen als grössten Wertvernichter

Vergangene Fehler lasten schwer auf den Bilanzen der Schweizer Banken, gibt CS-Chef Thiam zu. Die höchsten Bussen in der Übersicht.

Gegen die Credit Suisse laufen noch mehrere Verfahren: Chef Tidjane Thiam an der Bilanzmedienkonferenz im April 2019. Foto: Keystone

Gegen die Credit Suisse laufen noch mehrere Verfahren: Chef Tidjane Thiam an der Bilanzmedienkonferenz im April 2019. Foto: Keystone Bild: Keystone

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Die grössten Wertvernichter innerhalb seiner Bank sind die Strafzahlungen für vergangene Verfehlungen. Das sagte der Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, an einer Konferenz von Goldman Sachs letzte Woche. Das Risiko, für vergangene und zukünftige Verfehlungen von Behörden weltweit regelmässig zur Kasse gebeten zu werden, lastet laut Analysten zusätzlich auf dem Aktienkurs der Grossbanken.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Credit Suisse rund 8,5 Milliarden Franken Bussgelder gezahlt. Konkurrentin UBS kommt auf rund 7 Milliarden Franken In den vergangen Monaten war UBS die Bussenkönigin unter den Schweizer Banken. Dazu sagte UBS-Chef Sergio Ermotti an der Pariser Konferenz, die ganze Industrie habe mit Verfahren wegen Vorfällen aus vergangenen Geschäften zu kämpfen. Einige Fälle seien gelöst, andere brauchten noch Zeit. «Wir kontrollieren das Timing dabei nicht», sagte Ermotti.

Was für UBS bis zu neun Jahren dauern könnte, ist der Instanzenweg im Frankreichfall, wo UBS ein erstinstanzliches Urteil angefochten hat. Ende Februar wurde die Bank wegen Geldwäscherei und Beihilfe zur Steuerhinterziehung von einem Pariser Gericht erstinstanzlich zu über 4,5 Milliarden Euro Busse verurteilt. Auch gegen Credit Suisse läuft laut Pariser Staatsanwaltschaft noch ein Ermittlungsverfahren. Zu möglichen Verfahren gegen weitere Schweizer Banken will sich die Staatsanwaltschaft nicht äussern.

Die Deutschlandtochter der UBS stand zudem am letzten Freitag im deutschen Mannheim vor Gericht. Zunächst werden Beweise aufgenommen und Zeugen gehört, ein Urteil erging noch nicht. Die Mannheimer Staatsanwaltschaft fordert eine Geldbusse von 83 Millionen Euro wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Auch in den USA kommt ein Zivilverfahren auf UBS zu. Das US-Justizdepartement (DoJ) hat aufgrund erlittener Schäden durch Hypothekarpapiere der Bank Klage eingereicht. Analysten schätzen die Forderung des DoJ auf bis zu 2 Milliarden Dollar. Dagegen strebe UBS mit den italienischen Behörden zurzeit eine Einigung an. Das schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Ebenfalls wegen Steuersachen belaufen sich die Forderungen der Behörden auf rund 100 Millionen Euro.

Bussen wegen Kartellabsprachen

Zuletzt büsste die Wettbewerbskommission (Weko) einige internationale Banken wegen Abreden im Devisenkassenhandel. Durch die Zahlung von 90 Millionen Franken können zwei Untersuchungen einvernehmlich abgeschlossen werden, teilte die Weko letzte Woche mit. Es handelt sich dabei um Kartellabsprachen, die zwischen 2007 und 2013 bzw. zwischen 2009 und 2012 stattgefunden haben. Andreas Heinemann, Präsident der Weko, sagt: «Eine einvernehmliche Regelung bedeutet, dass die betroffenen Banken sich dazu verpflichten, künftig keine Preisabsprachen mehr zu treffen.»

Der Vorteil einer solchen Lösung sei, dass die Untersuchung schneller abgeschlossen werden könne, sagt Heinemann. «Die Urteilsbegründung ist weniger tiefgreifend.» Bei den Abreden ging es darum, dass Händler international tätiger Banken in Chaträumen ihr Verhalten bezüglich verschiedener Währungen koordiniert hatten. Die betroffenen Währungen umfassten den US-Dollar, den Euro, das britische Pfund, den Yen, den australischen, den neuseeländischen und den kanadischen Dollar, den Franken sowie die norwegische und die schwedische Krone.

UBS muss nicht bezahlen

Bei der einvernehmlichen Lösung handle es sich aber nicht um ein Schuldeingeständnis seitens der Banken, sagt Weko-Präsident Heinemann. Obwohl die zu bezahlenden Bussen für Bankenverhältnisse mittlerweile moderat erscheinen, kostet die Regelung die einzelnen Geldhäuser Millionen. Bei den jetzt abgeschlossenen Fällen hat Citigroup 28,5 Millionen Franken gezahlt, Barclays 27 Millionen, Royal Bank of Scotland (RBS) 22,5 Millionen, JP-Morgan 9,5 Millionen und die MUFG Bank 1,5 Millionen Franken.

Keine Busse wurde gegen die Grossbank UBS ausgesprochen. Die Weko begründet dies damit, dass UBS als erste Bank eine Anzeige erstattet hatte.

Keine einvernehmliche Lösung hat die Weko mit der zweiten Schweizer Grossbank, Credit Suisse, getroffen. Die Untersuchung wird deshalb im ordentlichen Verfahren weitergeführt, was eine tiefer gehende Begründung verlangt. Credit Suisse schreibt auf Nachfrage, sie habe die Vorwürfe gegen Mitarbeiter im Devisengeschäft untersucht und sei zum Schluss gekommen, dass nicht gegen Schweizer Wettbewerbsrecht verstossen worden sei.

Erstellt: 12.06.2019, 17:02 Uhr

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