China senkt den Kurs seiner Währung – Trump tobt

Zum ersten Mal seit elfeinhalb Jahren war ein Dollar zeitweise mehr als 7 Yuan wert. An der Börse brechen die Aktien ein. Trump spricht von Währungsmanipulation.

Ein Mann vor einer Wechselstube in Hongkong. Die chinesische Währung leidet unter den Handelsspannungen mit den USA. (Foto: Kin Cheung/AP)

Ein Mann vor einer Wechselstube in Hongkong. Die chinesische Währung leidet unter den Handelsspannungen mit den USA. (Foto: Kin Cheung/AP)

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Kein Land der Welt treibt US-Präsident Donald Trump wohl so sehr um wie China. Kaum eine Wahlkampfrede, in der er nicht auf die Volksrepublik eindrischt. Peking manipuliere seine Währung, ist eines seiner Lieblingsargumente. Der Yuan sei ein Kunstprodukt, viel zu schwach, behauptet Trump. Lange Zeit war das eher ein modernes Märchen, die Chinesische Volksbank stützte in Wahrheit den Kurs des Yuan und veräusserte dazu in den vergangenen Jahren Währungsreserven im Wert von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Und jetzt? Zum ersten Mal seit elfeinhalb Jahren war am Montag ein Dollar zeitweise mehr als 7 Yuan wert – präzise 7,0424 Yuan.

Der US-Präsident fühlt sich bestätigt: «China hat den Kurs seiner Währung auf ein fast historisches Tief gesenkt», twitterte er. «Man nennt es Währungsmanipulation. Hören Sie zu, Federal Reserve? Dies ist ein schwerwiegender Verstoss, der China im Lauf der Zeit erheblich schwächen wird!» Aber nicht nur das – China hat im Handelsstreit auch den Kauf von US-Agrarprodukten ausgesetzt. Das Handelsministerium in Peking teilte am Montag zudem mit, nachträgliche Zölle auf den seit dem 3. August erworbenen Erzeugnissen aus den USA zu erwägen. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners erklärte laut Reuters dazu: «China trifft genau die Stelle, an der US-Präsident Donald Trump besonders verwundbar ist. Bisher hat er sich als Schutzpatron der US-Agrarindustrie präsentiert.»

Die Finanzmärkte reagierten umgehend auf die Eskalation. Der Dow Jones rutschte bis zur Handelsmitte um 2,8 Prozent ab, der S&P 500 um 2,5 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq um 3,2 Prozent. Eine Abwertung des Yuan verbessert zunächst einmal die Wettbewerbschancen chinesischer Firmen und federt damit die Folgen des Zollstreits mit den USA ab. Erst vergangene Woche hatte Trump Strafabgaben in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Waren im Wert von weiteren 300 Milliarden Dollar angekündigt. Von September an wären dann fast sämtliche chinesischen Ausfuhren in die USA mit Zöllen belegt. Die Pekinger Zentralbank nennt als Grund für den Kursrückgang ganz offen «Handelsprotektionismus». Jeden Morgen setzt die Bank den Wechselkurs fest und erlaubt dann im Tagesverlauf Schwankungen des Yuan zum Dollar von 2 Prozent.

Mitte der Neunzigerjahre hatte China damit begonnen, seine Währung an den Dollar zu koppeln. Bis Juli 2005 lag der Wechselkurs bei 8,28 Yuan pro Dollar. Seitdem wird behutsam aufgewertet. Die 7-Yuan-Marke wurde im Jahr 2008 kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise geknackt, dann jedoch eingefroren. Im Jahr 2010 wurde der Handel mit dem 2-Prozent-Korridor aufgenommen – auf dem Papier orientieren sich die chinesischen Währungshüter an einem Devisenkorb, in der Praxis achten sie vor allem auf den Dollar und seit gut fünf Jahren zunehmend auch auf die eigenen Währungsreserven.

Im Juni 2014 war Chinas angehäuftes Fremdkapital mit knapp 4 Billionen Dollar der mit Abstand grösste Devisenschatz der Welt. Seitdem ist der Betrag allerdings um etliche Milliarden abgeschmolzen. Allein im August 2016 musste die Zentralbank 107 Milliarden Dollar veräussern, um den Yuan zu stabilisieren. Denn: Die chinesische Führung hat Schwierigkeiten, die Kapitalflucht in den Griff zu bekommen. Viele Chinesen wollen ihr Geld lieber im Ausland anlegen. Da sind die Renditen höher, Immobilien gehören einem tatsächlich – keine Pachtverträge über 70 Jahre, wie sie in China üblich sind. Vor allem aber besteht in den Vereinigten Staaten oder Europa Rechtssicherheit, die Gerichte sind unabhängig, man muss nicht befürchten, im schlimmsten Fall enteignet zu werden.

Beliebtes Schlupfloch: der Import-Export-Trick

Als die Devisenreserven im Herbst 2016 unter die 3-Billionen-Grenze zu rutschen drohten, schritt die Regierung ein. Den Yuan abzuwerten schied damals aus, damit hätte man dem damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump den vermeintlichen Beleg für Währungsmanipulation geliefert, also verschärfte Peking die ohnehin schon strengen Kapitalverkehrskontrollen noch einmal drastisch.

Als Erstes untersagten die Behörden, mit chinesischen Kreditkarten in Hongkong Lebensversicherungen in Millionenhöhe abzuschliessen. Innerhalb eines Jahres waren die Umsätze der Versicherer um 160 Prozent gestiegen. Natürlich wurden nicht auf einmal so viele Policen benötigt, aber man konnte sie als Sicherheit für einen Bankkredit hinterlegen. 80 Prozent bekam man ausbezahlt. Einen Monat später schränkte der Staatsrat die Auslandsinvestitionen chinesischer Unternehmen ein. Übernahmen, die mehr als 10 Milliarden Dollar kosten, sind seitdem genehmigungspflichtig, bei Zukäufen in fremden Branchen liegt die Hürde bei einer Milliarde Dollar.

Zudem müssen Firmen alle Zahlungen ins Ausland von mehr als 5 Millionen Dollar der Devisenaufsicht in Peking vorlegen. Damit soll ein beliebtes Schlupfloch, der sogenannte Import-Export-Trick, verkleinert werden. Bis Ende 2016 war es beinahe üblich, dass zum Beispiel ein Unternehmen Waren im Wert von 20 Millionen Dollar im Ausland bestellte, allerdings nur Güter für 10 Millionen geliefert wurden, der Rest des Geldes floss auf ein Konto im Ausland, für das die Zentralbank wiederum Reserven veräussern musste, um den Yuan stabil zu halten.

Die Kapitalausfuhren haben in den vergangenen knapp drei Jahren merklich abgenommen, die Massnahmen der chinesischen Regierung wirken. Der Kurs des Yuan sinkt jedoch. Offenbar ist es Peking inzwischen egal, was Donald Trump behauptet.

Erstellt: 05.08.2019, 20:27 Uhr

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