Schweizer Firmen geben Gas bei Solar

Post, SBB, Coop: Auf Schweizer Firmendächern kommt es zu einem Solarboom. Weltweit wird sich die Produktion von Solarstrom in fünf Jahren verdoppeln.

Die Post ist beim Solarstrom besonders aktiv: Solarpanels auf den Dächern des Paketverteilzentrums in Härkingen. Foto: Reto Oeschger

Die Post ist beim Solarstrom besonders aktiv: Solarpanels auf den Dächern des Paketverteilzentrums in Härkingen. Foto: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schweizerische Post wird zur grossen Stromproduzentin. «Die Post wird auf allen Gebäuden eine Fotovoltaikanlage bauen», sagt Sprecherin Jacqueline Bühlmann. «Voraussetzung dafür ist, dass wir eine Anlage mit einer Amortisationsdauer unter zwanzig Jahren bauen können.» Das Unternehmen betreibt auf seinen Gebäuden bereits 17 Solaranlagen. Die grösste ist jene auf dem Briefverteilzentrum Zürch-Mülligen, weitere stehen auf den Verteilzentren in Härkingen SO, Frauenfeld TG und Eclépens VD.

Die Post ist mit ihrer Solar­offensive nicht allein. Der Detailhändler Coop hat bereits an mehr als 40 Standorten Solarzellen installiert und will in den nächsten Jahren «laufend neue Anlagen in Betrieb nehmen», wie Sprecherin Marilena Baiatu sagt. Die SBB haben heute 12 Anlagen in Betrieb und wollen laut Sprecher Reto Schärli bis 2030 auf Dächern von Bahnanlagen jährlich 30 Gigawattstunden Solarstrom für Haushalte produzieren. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat Solaranlagen auf den Dächern seiner Nespresso-Fabriken in Orbe VD, Avenches VD und Romont FR.

Die Entwicklung bei Schweizer Unternehmen spiegelt den weltweiten Trend zum Ausbau von erneuerbaren Stromquellen. Bis 2024 dürfte die installierte Kapazität um 50 Prozent zu­nehmen. Dies schreibt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrer neusten Vorhersage über die Entwicklung von Strom aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. Sie stützt sich dabei vor allem auf Angaben aus den staatlichen Energieagenturen. Der Zuwachs ist laut IEA besonders gross bei Unternehmen, die auf den Dächern ihrer Fabriken Solaranlagen einrichten. Diese Anlagen lohnen sich mehr als kleine Installationen.

Sonne legt am stärksten zu

Gegenüber dem letzten Bericht vor einem Jahr wurde die Pro­gnose um 14 Prozent erhöht. Dies insbesondere wegen besserer Aussichten in China und Europa. Bereits im kommenden Jahr sollen weltweit mehr Kapazitäten zur Energiegewinnung aus Sonne und Wind als aus Wasserkraft installiert sein. Dabei legt die Solarenergie am meisten zu. Bis 2024 rechnet die IEA mit einer um das Zweieinhalbfache höheren Produktionskapazität. Der Grund dafür sei, dass die Solarmodule günstiger und deshalb attraktiver würden. Das gilt vor allem in China, das allein für 40 Prozent des Wachstums verantwortlich sein wird. Aber auch in Europa, den USA, Lateinamerika, dem Mittleren Osten undin Afrika werden mehr Solaranlagen gebaut. Die Zahlen sind laut Branchenkennern eher vorsichtige Berechnungen.

Rainer Meier vom Stromproduzenten Axpo teilt die Ein­schätzung der IEA. Sie gelte auch für die Schweiz. «Mit Ausbau und Optimierung von Wasserkraft und Fotovoltaik kann die Schweiz schneller grosse Mengen an Erneuerbaren zubauen.» Axpo habe mit dem Kauf des französischen Fotovoltaikspezialisten Urbasolar in diesem Jahr das Wissen eingekauft, um europaweit grosse Anlagen zu verwirklichen – auch in der Schweiz, wenn dafür die Rahmenbedingungen stimmen. «Diese Anlagen werden dezentral Strom liefern und zur Versorgungssicherheit beitragen», sagt Meier. Die Konkurrentin Alpiq sieht es ähnlich. «Solar wird künftig verstärkt eine Rolle für die Dekarbonisierung spielen», schreibt das Unternehmen.

Kohle bleibt an erster Stelle

Erneuerbare Quellen werden laut IEA 2024 weltweit 30 Prozent der Stromproduktion sichern. Sie liegen damit auf Platz zwei hinter Kohle, aber vor Gas, aus dem knapp ein Viertel des Stroms produziert wird. Laut IEA dürfte auch die Stromproduktion aus Kohle und Gas bis 2024 zunehmen, allerdings deutlich weniger stark als die erneuerbaren Energien. Der Anteil aus Kernenergie bleibt laut IEA bis 2024 stabil bei knapp 10 Prozent.

Wasserkraft bleibt trotz dem Solarboom die wichtigste Quelle für erneuerbaren Strom. Obwohl Sonne und Wind ihre Produktion bis in fünf Jahren verdoppeln dürften, tragen 2024 Windkraftwerke nur 7 und Solarpanels nur 5 Prozent zur weltweiten Stromproduktion bei, sagt die IEA voraus.

Den grössten Zuwachs an erneuerbaren Energien verzeichnet China, gefolgt von der Europäischen Union. Dahinter liegen die USA und Indien, das seine installierten Kapazitäten bis 2024 verdoppeln dürfte. Entscheidend für die Zuwachsraten sind laut IEA die Rahmenbedingungen, sprich die Subventionen, die es für die Anlagen gibt.

Die weiterhin hohe Steigerung der Kapazitäten in Europa hat damit zu tun, dass laut IEA die Länder den Rückstand aufdie Zubauziele der EU bis 2020 aufholen wollen und Fortschritte im Hinblick auf die noch höheren Ziele für 2030 anstreben. Ähnliches gilt für China. Das weltweite Potenzial ist aber noch viel grösser. Laut IEA werden 2024 trotz dieses Booms nur 6 Prozent der möglichen Flächen für Solarpanels genutzt.

Erstellt: 26.10.2019, 21:15 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz soll Klimaziel mit Solarenergie erfüllen können

Mit Energie-Bauten und ganzflächig solarer Dachnutzung könnte das Pariser Klimaabkommen gemäss einer Studie eingehalten werden. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare