Rücktritt zum ungünstigen Zeitpunkt

Olaf Swantee tritt als Sunrise-Chef zurück. Er wäre die richtige Person gewesen, um für Stabilität und Kontinuität im Unternehmen zu sorgen.

Noch im Oktober sagte Olaf Swantee, Chef von Sunrise, dass er nicht zurücktreten wird. Nun ist aber offenbar alles anders. Foto: Keystone

Noch im Oktober sagte Olaf Swantee, Chef von Sunrise, dass er nicht zurücktreten wird. Nun ist aber offenbar alles anders. Foto: Keystone

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Noch im vergangenen Oktober hatte Sunrise-Chef Olaf Swantee versichert, nach der grandios gescheiterten Übernahme von Kabelnetzbetreiber UPC an Bord des Unternehmens bleiben zu wollen. Nun hat der niederländisch-schweizerische Doppelbürger von einem Tag auf den anderen seine Meinung geändert. Er gab am Freitag per sofort seinen Rücktritt bekannt (zum Bericht).

Über die Gründe des abrupten Meinungswechsels kann zum jetzigen Zeitpunkt nur spekuliert werden: Vermutlich wollte Swantee im Herbst in bereits turbulenten Zeiten nicht noch für zusätzliche Unruhe sorgen, indem er das Unternehmen verlässt. Oder aber das Gefühl der Desavouierung durch wichtige Aktionäre, welche den Deal verhindert haben, ist für Swantee zu unerträglich geworden (zum Interview).

Dank Swantee ist Sunrise zum unbestrittenen Herausforderer von Marktführerin Swisscom geworden.

Auf jeden Fall kommt der Rücktritt von Swantee für Sunrise zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Auf mehreren Ebenen muss der zweitgrösste Schweizer Telecomanbieter wieder Vertrauen zurückgewinnen: bei den Investoren, bei den Kunden und bei den Mitarbeitern.

Eine erfahrene und vertrauenswürdige Führungskraft wie Swantee wäre die richtige Person gewesen, um im neuen Jahr für Stabilität und Kontinuität im Unternehmen zu sorgen. Nicht zuletzt dank ihm ist Sunrise zum unbestrittenen Herausforderer von Marktführerin Swisscom geworden.

Nun liegt es an Swantees Nachfolger André Krause, den Alleingang von Sunrise zu gestalten. Der gebürtige Deutsche hat wenig Zeit, um seinen Rollenwechsel vom ehemaligen Finanzchef des Telecombetreibers zum Firmenchef zu vollziehen. Er muss als neues Gesicht der Firma den beabsichtigten Neuanfang rasch nach aussen und innen verkörpern. Sonst läuft Sunrise Gefahr, sich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen und das Tagesgeschäft zu vernachlässigen.

Erstellt: 03.01.2020, 09:49 Uhr

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