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Rollmaterial im Fokus der Ermittler nach Zugunfall in Daillens

Die Entgleisung von sechs Güterwagen in Daillens VD ist nicht auf einen Fehler an der Bahninfrastruktur zurückzuführen. Im Fokus der Untersuchung stehen die fünf letzten Wagen des Güterzugs. Noch ist unklar, welcher Wagen zuerst entgleiste.

Mit Kränen werden die Tankwagen von den Geleisen gehoben
Mit Kränen werden die Tankwagen von den Geleisen gehoben
Keystone

Die Ermittlungen zur Unfallursache dauern an. Selbst der Hergang des Zugunfalls ist noch nicht vollständig geklärt. Nach ersten Erkenntnissen ist wahrscheinlich einer der letzten fünf Wagen des Güterzuges, der insgesamt 22 Wagen zog, für die Entgleisung verantwortlich. Von einem dieser Wagen wurden eine sogenannte Achslagerbuchse sowie Teile der Aufhängung einige hundert Meter vor der Unfallstelle neben den Gleisen gefunden, wie Philippe Thuerler von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) am Mittwoch vor Ort den Medien sagte. Vermutlich sei einer der Wagen 18 bis 22 entgleist. Dies hatte Auswirkungen nach vorne bis zum 17. Güterwagen, bei dem ebenfalls eine Achse entgleiste. An der Bahnlinie in Daillens ist derzeit die Bergung der Tankwagen in Gang. Diese werden mit einem über die Strasse hin transportierten Kran sowie einem zweiten Gleiskran der SBB weg gehoben. Danach sollen die Tankwagen über die Strasse zum ursprünglichen Zielort, einer Firma in Monthey VS, transportiert werden. Dort soll auch die Herkunft der abgefallenen Teile geklärt werden. Die entgleisten Tankwagen gehören nicht SBB Cargo, sondern privaten Unternehmen aus der Schweiz und aus dem Ausland. Die gefährlichen Chemikalien sind mittlerweile abgepumpt. Ausmass der Bodenverschmutzung unklar Auf der Unfallstelle gelten nach wie vor strenge Sicherheitsvorschriften. Die Arbeitskräfte tragen Masken, Atmungsgeräte und orange Schutzanzüge, deren Öffnungen zugeklebt sind. Wann die Bahnstrecke wieder in Betrieb genommen werden kann, hängt auch vom Ausmass der Verschmutzung des Bodens ab. Aus einem der Tankwagen waren 25 Tonnen Schwefelsäure ausgelaufen. Sämtlich kontaminierte Erde muss abgetragen und entsorgt werden. Sobald diese Arbeiten erledigt sind, wird die Unfallstelle freigegeben. Die SBB rechnet damit, ab diesem Moment innerhalb von ungefähr 24 Stunden wieder ein erstes Gleis instand stellen zu können. Auch Stellwerk betroffen Auf der Bahnlinie Lausanne-Yverdon schrittweise auf einem Gleis wiedereröffnet werden. Bis auf beiden Gleisen wieder Züge verkehren, dürfte es noch mehrere Tage dauern. Die SBB muss das zweite Gleis und die Fahrleitung reparieren sowie drei Weichen ersetzen. Zudem wurden Kabel in einem Schacht neben der Bahnlinie zerrissen. Diese gerissenen Kabel hätten auch ein rund 500 Meter vom Unfallort entferntes Stellwerk beschädigt, sagte Marc Winter, Leiter Unterhalt des Bahnnetzes in der Region West der SBB. Insgesamt müssen 15 Kilometer Kabel ersetzt und auch Signalanlagen ausgetauscht werden. Der Bahnverkehr wird bis zum Abschluss dieser Arbeiten stark eingeschränkt sein. Der Kanton Waadt prüft derzeit, ob durch die ausgelaufene Schwefelsäure allenfalls das Grundwasser verschmutzt wurde. Die Pendler auf den Zugstrecke Lausanne-Yverdon-les-Bains und Lausanne-Vallorbe müssen nach wie vor auf Ersatzbusse umsteigen. SBB prüft Massnahmen für Gefahrengut-Transporte Nach dem Unfall prüft die SBB, ob die Anforderungen für den Transport an die eingesetzten Güterwagen erhöht werden sollen, wie sie am Mittwoch mitteilte. Dies betreffe primär Wagen von Drittfirmen. Für Transporte des besonders gefährlichen Chlor hatte die SBB bereits 2014 Massnahmen wie gezielte Geschwindigkeitsreduktionen beschlossen. Diese sollen auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2015 umgesetzt werden. Die SBB prüft nun, ob diese Geschwindigkeitsreduktionen auch für die weitere Gefahrengut-Transporte eingeführt werden sollen.

SDA

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