Zum Hauptinhalt springen

Freie Bahn für Roches zügige Spark-Übernahme

Der Basler Pharmakonzern erhielt auch von den US-Behörden grünes Licht für die milliardenschwere Transaktion.

Das lange Warten hat sich gelohnt: Der Deal des Basler Unternehmens hat geklappt. (Keystone/Alexandra Wey/Archiv)
Das lange Warten hat sich gelohnt: Der Deal des Basler Unternehmens hat geklappt. (Keystone/Alexandra Wey/Archiv)

Roche hat bei Spark Therapeutics schnell Fakten geschaffen. Nach einer Wartezeit von zehn Monaten für den Pharmakonzern haben die britische und die amerikanische Wettbewerbsbehörde kurz hintereinander grünes Licht gegeben. Nur wenige Stunden später brachte Roche am Dienstag den Kauf den US-Genspezialisten unter Dach und Fach.

Für insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar oder 114,50 Dollar je Spark-Aktie hat Roche sich die US-Firma geschnappt. Mit dem Abschluss wird Spark nun zu einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Roche und die Aktien werden nicht mehr an der Nasdaq gehandelt.

Zehnmal verschoben

Roche hatte seine Übernahmepläne im Februar kommuniziert; nicht weniger als zehn Mal musste seither der Vollzug verschoben werden. Die letzte Frist war in der vorangegangenen Nacht abgelaufen. Neben den Wettbewerbsbehörden hatte Roche zunächst auch Schwierigkeiten mit einigen Spark-Aktionären, denen das Angebot nicht hoch genug war.

Mit dem Kauf des US-Unternehmens verschafft sich Roche Zugang zu neuen Gentherapien. Spark Therapeutics ist vor allem auf die Behandlung genetisch bedingter Krankheiten wie Blindheit, Hämophilie und neurodegenerative Krankheiten konzentriert.

2017 hatte Spark Therapeutics als erstes Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für seine Gentherapie Luxturna zur Behandlung von Patienten mit einer seltenen Form von vererbbarem Sehverlust erhalten.

In Europa hatte sich der Roche-Konkurrent Novartis Anfang 2018 über eine Lizenzvereinbarung mit Spark die Rechte gesichert, Luxturna ausserhalb den USA entwickeln und vertreiben zu dürfen. Im November vergangenen Jahres war die Therapie dann auch in Europa zugelassen worden. Die Zulassung gilt für alle 28-EU-Mitgliedsländer sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

Aktuell gilt SPK-8011, eine neuartige Gentherapie zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie A, als wichtigster klinischer Produktkandidat von Spark. Roche selbst ist mit seinem Mittel Hemlibra stark in der Behandlung von Hämophilie aktiv.

Keine dominante Stellung

Die genauere Überprüfung der Kartellbehörden hatte denn auch genau mit dieser Tatsache zu tun. Wie die britische Behörde in ihrer Begründung am Montag schrieb, dürften Gentherapien in Zukunft wahrscheinlich mit Roches Hemlibra konkurrieren. Wichtig für die Briten: Spark ist nicht der einzige Anbieter, der eine Gentherapie-Behandlung entwickelt.

Branchenbeobachter ergänzen, dass der Spark-Kandidat SPK-8011 im Vergleich zu den Konkurrenten klinisch eher schwächer abgeschnitten habe.

Neben dem bereits weiter fortgeschrittenen Pipeline-Projekt SPK-8011 verfügt Spark Therapeutics auch noch über den Kandidaten SPK-8016, der sich aktuell in einer Phase I/II-Studie befindet. Auch hier geht es um die Behandlung von Patienten mit Hämophilie A. Beim Kandidaten SPK-9001 werden Patienten mit Hämophilie B in einer Phase-III-Studie behandelt.

Strategisch sinnvoller Schachzug

Für Analyst Michael Nawrath von der ZKB ergibt die Übernahme strategisch Sinn und ist entscheidend für das zukünftige Wachstum von Roche. Der Vollzug ist laut Nawrath aber auch aus einem anderen Grund wichtig: Nachdem der Pharmakonzern in der Immunonkologie später als einige Konkurrenten auf den Markt gekommen sei, sollte er nicht noch einmal bei einem wichtigen neuen Therapieansatz ins Hintertreffen geraten, so Nawrath.

Bei Vontobel zeigt sich Analyst Stefan Schneider überrascht, dass die Wettbewerbsbehörden Bedenken hatten, Roche könnte die weitere Entwicklung von Sparks Hämophilie-Kandidaten hinauszögern, um den Konkurrenzdruck zu verringern. «SPK-8011 ist noch nicht zugelassen und wird zudem nicht die erste Gentherapie in dieser Indikation auf dem Markt sein.»

An der Börse halten sich Investoren nach den deutlichen Gewinnen vom Vortag bei den Genussscheinen von Roche zurück. Bei Börsenschluss gingen die Titel mit einem Minus von 0,12 Prozent auf 303,75 Franken aus dem Handel. Der Gesamtmarkt SMI notierte derweil praktisch unverändert.

(SDA)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch