Wirtschaft

Region leidet unter teurem Heizöl

Der Preis für Heizöl liegt auf einem Mehrjahres-Höchstwert. Zu Beginn der Heizperiode beobachten Lieferanten in der Region eine Zunahme der Anfragen. Experten gehen davon aus, dass das hohe Preisniveau bis Ende Jahr stabil bleibt.

Rund die Hälfte der Haushalte und Arbeitsplätze in der Region Zürich werden noch mit Heizöl beheizt.

Rund die Hälfte der Haushalte und Arbeitsplätze in der Region Zürich werden noch mit Heizöl beheizt. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die alljährliche Heizperiode hat begonnen und damit bei vielen Hausbesitzern der bange Blick auf den Heizöl-Preisindex. Die Mehrheit der Gebäudebesitzer lassen ihre Tanks im Herbst füllen, also dann, wenn es auch gebraucht wird.

Das bringt in diesem Jahr happige Mehrkosten mit sich, auch wenn die Ölpreise am Donnerstag kräftig gesunken sind. Gestern kosteten 100 Liter Heizöl 107,75 Franken. Vor einem Jahr waren es noch knapp 80 Franken. Allein im September legte der Preis um 10 Prozent zu.

Höhere Schlusszahlungen

Zur Verteuerung massgeblich beigetragen hat neben dem Ausfall einer Raffinerie in Süddeutschland und dem tiefen Rheinpegel vor allem die Verunsicherung an den Börsen. Dies wegen des Handelsembargos der USA gegenüber dem Iran, einem der grossen Ölexporteure, und dem Handelsstreit mit China, der gestern zu einem Kurssturz führten. Dazu kommen die Förderausfälle in den USA wegen des Hurrikans Michael. Markus Meier, Direktor beim Hauseigentümerverband (HEV) Schweiz, geht davon aus, dass die Preise bis Ende Jahr ziemlich stabil bleiben dürften. Eine gewisse Entspannung könne erfolgen, wenn der Pegelstand des Rheins wieder ansteigt. Das Niedrigwasser dieses Sommers habe die Transportkosten spürbar steigen lassen. «Wenn nicht zwingend dringender Bedarf besteht», würde Meier erst wieder einkaufen, «wenn der Preis unter 100 Franken liegt».

Für die Vermieter sieht Meier neben den reinen Mehrkosten für das Heizöl eine weitere Herausforderung. Viele Hausbesitzer hätten aufgrund der in den letzten Jahren tieferen Ölpreise die monatlichen Akontozahlungen für die Nebenkosten reduziert. Der nun wieder höhere Ölpreis werde sich in der definitiven Verbrauchsabrechnung bemerkbar machen, welche sachbedingt zeitverzögert erfolge: «Es dürfte dann vermehrt der Fall sein, dass höhere Schlusszahlungen fällig werden, weil die Schlussabrechnung deutlich höher ausfällt als die Summe der geleisteten monatlichen Akontozahlungen».

Einen kleinen Trost für Mieter und Vermieter gibt es: Aufgrund des warmen Wetters in diesem Jahr dürften weniger Heiztage anfallen als auch schon. Zudem sind nach Angaben von Meier immer mehr Gebäude immer besser isoliert, anderseits die Ölheizungen in ihrer Wirkung immer effektiver geworden. Insgesamt ist der Heizölmarkt in der Schweiz rückläufig. In der Region Zürich spielt aber – wie in allen anderen Regionen – Heizöl im Heizungsmarkt nach wie vor die mit Abstand wichtigste Rolle, mit einem Anteil von knapp 50 Prozent, gefolgt von Gas und Wärmepumpen. Von der derzeitigen Ölpreishausse profitieren die lokalen Lieferanten vor Ort nicht. «Wir beliefern die Endkonsumenten mit Heizöl, Diesel und Benzin. Unsere Marge ist unabhängig vom jeweiligen Preisniveau», sagt Jan Fehr, Leiter Marketing bei Oel-Hauser AG in Au-Wädenswil. Direkt mehr verdiene, wer das Öl fördere. Oel-Hauser beschäftigt 18 Mitarbeiter sowie 20 Fremdfahrzeuge und beliefert die ganze Deutschschweiz.

Aktuell beobachtet Fehr eine Zunahme der Anfragen betreffend des Heizölpreises. Er empfiehlt, das Preisniveau genau im Auge zu behalten und auch einen allfälligen Zukauf zu wagen. Vor den Festtagen sei die Nachfrage nach Heizöl meist sowieso schon gross, was zu längeren Lieferfristen und unter Umständen höheren Preisen führen könnte.

Nachfrage zeigt nach oben

Auch Martin Richli, Leiter Einkauf bei Osterwalder Zürich AG, wünschte sich als unabhängiger Marktteilnehmer gerne tiefere Preise: «Da wir die Bestände an der Börse absichern und unsere Einkäufe auf den internationalen Ölpreisen aufgerechnet werden, profitieren wir nicht bei ansteigenden Preisen».

Das sich in Familienbesitz befindliche Handelsunternehmen ist Teil der Avia Vereinigung und betreibt 90 Tankstellen der Marke Avia. Mit den beiden Heizöllieferanten Günthardt (Küsnacht) und Wettstein (Horgen) verfügt Osterwalder über zwei wichtige Standbeine am linken und rechten Seeufer.

Die Nachfrage nach Heizöl hat aus Sicht von Richli aufgrund der Saisonalität und relativ tiefen Tankbeständen eher zugenommen. Ein grosser Teil der Kundschaft verfolge die Preisentwicklung. Aus seiner Sicht wird in der Regel im Sommer aufgefüllt, «was aber leider in diesem Sommer wegen der vergleichsweise hohen Preise gegenüber der letzten Jahre und dem Hitzesommer nicht stattfand». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 15:19 Uhr

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