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Novartis gibt erstmals einer NGO nach

Der Konzern lässt zwei von drei Patenten auf seine neue, teure Krebstherapie fallen.

Novartis gibt zwei NGOs nach und lässt Patente fallen. (28. November 2019) Bild: Arnd Wiegmann/Reuters
Novartis gibt zwei NGOs nach und lässt Patente fallen. (28. November 2019) Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

Novartis hat auf Druck von Nichtregierungsorganisationen (NGO) ein Patent auf seine neue Krebstherapie Kymriah zurückgezogen. Die teure Behandlungsmethode wird zwar weiterhin vom Basler Pharmakonzern vermarktet. Denn er hat darauf noch ein weiteres Patent. Aber der Druck auf den Konzern wächst. Die Behandlung von Leukämiekranken mit Kymriah kostet bis zu 370'000 Franken und ist eine der teuersten Therapien.

Das Europäische Patentamt, dem auch die Schweiz untersteht, liess das strittige Patent von Novartis auf Antrag der Firma fallen, wie am Montag bekannt wurde. Anlass dafür war der Einspruch von zwei Nichtregierungsorganisationen. Geklagt hatten Public Eye und die Organisation Ärzte der Welt.

Ein Patent reicht für Vermarktung

Der Rückzug sei kein Eingeständnis, dass das Patent nicht haltbar sei, erklärte Novartis. Das Patent werde fallen gelassen, weil es nicht entscheidend sei für die weitere Entwicklung und Vermarktung von Kymriah. Der Konzern hatte insgesamt drei Patente auf Kymriah, zwei davon hat er inzwischen zurückgezogen. Sein letztes darauf bestehendes Patent reiche aus, um die Therapie weiter zu vertreiben, heisst es.

Die Patente auf die neuartige Zelltherapie Kymriah sind umstritten. Denn es handelt sich nicht um ein Medikament, sondern um ein Verfahren: Blutzellen der Patienten werden so verändert, dass sie nach dem Wiedereinspritzen die Krebszellen bekämpfen.

Ähnlich wie eine Organtransplantation gehöre eine solche Behandlung «nicht in die Hände der Industrie, sondern sollte der akademischen Medizin überlassen werden», sagte hierzu Thomas Cerny, Präsident der Krebsforschung, vergangenes Jahr dieser Zeitung. Schliesslich gebe es auf Bluttransfusionen auch keine Patente. Hält eine Firma ein Patent, so hat das Unternehmen darauf für 20 Jahre das Monopolrecht und kann sich so hohe Preise sichern.

Patente auf öffentliche Forschung

Tatsächlich basiert die Zelltherapie auf der Forschung von Universitätskliniken. Das zurückgezogene Patent lag bei der University of Pennsylvania, die 2012 eine Zusammenarbeit mit Novartis eingegangen war. Novartis hatte das Patent einlizenziert. Der Fall Kymriah zeigt so exemplarisch gleich zwei strittige Fragen auf: Soll es Patente auf Behandlungsverfahren geben? Und sind sie legitim, wenn sie auf mit öffentlichen Geldern finanzierter Forschung beruhen?

«Wir überlegen, ob wir nun auch gegen das dritte bestehende Patent auf Kymriah vorgehen», sagt Public-Eye-Sprecher Oliver Classen. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass Novartis auch dieses freiwillig zurückzieht. Dann müsste das Patentamt ein Urteil fällen, dem Leitcharakter zukäme. Es geht um die Frage, ob diese Zelltherapie überhaupt erfinderisch genug ist, um überhaupt patentierbar zu sein. Der US-Biotech-Hersteller Gilead vermarktet übrigens mit Yescarta eine ebensolche Therapie wie Kymriah.

Einer offiziellen Patentklage gegen Novartis beim Europäischen Patentamt steht allerdings im Weg, dass die offizielle Frist hierfür schon abgelaufen ist. Patente können dort nur innerhalb von neun Monaten angefochten werden. Public Eye und Ärzte der Welt prüfen deshalb andere Wege, um zu einem eventuell endgültigen Schlag gegen Kymriah auszuholen.

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