Kilchberg

Für Lindt & Sprüngli zahlt es sich aus, auf Premiumschokolade zu setzen

Der Schokoladenhersteller hat 2018 seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Nur das Geschäft in den USA harzt weiterhin.

Lind & Sprüngli-Aktionäre dürfen sich freuen: Der Kilchberger Schokoladenhersteller versüsst ihnen mit einer Dividende von 100 Fr. pro Partizipationsschein und 1000 Fr. pro Namenaktie das Jahresergebnis.

Lind & Sprüngli-Aktionäre dürfen sich freuen: Der Kilchberger Schokoladenhersteller versüsst ihnen mit einer Dividende von 100 Fr. pro Partizipationsschein und 1000 Fr. pro Namenaktie das Jahresergebnis. Bild: Keystone

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Beim Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli ist 2018 - zum zweitenmal hintereinander - der Gewinn schneller gewachsen als derUmsatz. An seinenLindorkugelnund Pralinés verdiente die Kilchberger Industriegruppe netto 487,1 Millionen Franken, 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Umsatzsteigerung von 5,1 Prozent - aus eigener Kraft - auf 4,31 Milliarden hatte das Unternehmen bereits Mitte Januar bekanntgegeben.Neu soll das organische Wachstum allerdings nur noch 5 bis 7 Prozent jährlich betragen, statt wie bisher 6 bis 8 Prozent.

Die neue Vorsicht ist vor allem dem nordamerikanischen Markt zuzuschreiben, dem mit 38 Prozent nach Europa zweitwichtigsten Markt von Lindt & Sprüngli. Hier liefen die Verkäufe schleppend, vor allem beim ewigen Sorgenkind Russell Stover. Beim 2014 übernommenen Pralinéhersteller schrumpften dieUmsätzeerneut. Das Weihnachtsgeschäft vonRussell Stoverstimme jedoch zuversichtlich, sagte Dieter Weisskopf gestern an der Bilanzpressekonferenz. Der Nachfolger von Ernst Tanner im Amt als Konzernchef sprach von einem turbulenten Jahr, insbesondere in Bezug auf die Währungen und die tief gefallenen Rohstoffpreise. Positiv entwickelte sich in den USA die neue zuckerfreie Stevia-Linie, die Marktanteile dazugewann.

Premium-Image stärken

Lindt & Sprüngli will auch in Zukunft ganz auf sein Image als Hersteller von Premium-Schokolade setzen und seine Position als weltweit führender Hersteller von Edelschokolade weiter festigen. Der Trend - mindestens in den entwickelten und schnell wachsenden Märkten - gehe eindeutig in die Richtung von höherwertiger Schokolade, sagte Weisskopf. «Die Schokolade von Lindt & Sprüngli wird zuhause nicht kiloweise gegessen, sondern nur, wenn man sich verwöhnen will». Dafür brauche es höchste Qualität. In absehbarer Zeit werde sich daran nichts ändern. «Wir sind nicht sehr krisenanfällig in unserer Industrie», fügte Weisskopf hinzu. Schliesslich handle es sich bei Schokolade nicht um ein Luxusprodukt, sondern um ein normales Konsumgut. Bei den Discountern wird aber auch künftig keine Lindt-Schokolade in den Regalen stehen.

«Schokolade ist kein Luxusprodukt, sondern ein normales Konsumgut».Dieter Weisskopf, Konzernchef Lindt & Sprüngli

Der ebenfalls zu beobachtende Trend zur zuckerfreien Schokolade im Zuge der Gesundheitswelle, vor allem in den USA, hat inzwischen auch Lindt & Sprüngli erreicht, die ebenfalls zuckerfreie Linien anbietet, «aber sie schmecken anders». Es gebe eine wachsende Gruppe von Konsumenten, die auf Zucker verzichten möchte. Die Hauptgruppe für Lindt & Sprüngli dürfte aber die Genussgruppe bleiben.

Ladengeschäft boomt

Eine spezielle Erfolgsgeschichte ist seit seiner Gründung im Jahr 2009 der Geschäftsbereich Global Retail. Letztes Jahr trug das eigene Ladennetzwerk mit einem zweistelligen Wachstum und rund 50 zusätzlichen Läden auf der ganzen Welt erneut wesentlich zum Gesamtergebnis bei. Die Shops von Lindt, Ghirardelli, Russell Stover und Caffarel sind mittlerweile an 460 Adressen weltweit vertreten und locken jährlich über 80 Millionen Besucher an. Allein im vergangenen Jahr erfolgten über zehn Neueröffnungen in Deutschland und Japan. Der weltweite Expansionskurs im Ladengeschäft hatte auch eine deutliche Erhöhung der Mitarbeiterzahl zur Folge. Diese stieg von 14000 auf 14600, davon rund 1000 in der Schweiz. Die Volumenausweitung führte 2018 auch am Hauptsitz in Kilchberg, einem von zwölf weltweiten Produktionsstandorten, zu einem Personalausbau.

Dividende wird erhöht

Seit über 20 Jahren erhöht Lindt & Sprüngli - im Gleichschritt mit der Gewinnentwicklung - Jahr für Jahr seine Dividenden. Die Aktionäre können sich auch für 2018 freuen: Ihnen willLindt den Jahresabschluss mit einerDividendevon 100 Franken pro Partizipationsschein und 1000 Franken pro Namensaktie versüssen. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Und die Aktie der Kilchberger ist die teuerste an der Schweizer Börse. Derzeit kostet das Wertpapier 75000 Franken.

Um 600000 Franken höher ausgefallen als im Jahr zuvor ist auch der Lohn von Dieter Weisskopf. Laut Geschäftsbericht steigerte sich sein Gehalt auf 3,8 Millionen Franken. Damit liegt er immer noch unter den Bezügen von Ernst Tanner, der als exekutiver VR-Präsident gut 4 Millionen Franken erhielt.

Erstellt: 05.03.2019, 08:30 Uhr

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