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EU geht wegen mutmasslich zu hoher Gebühren gegen Mastercard vor

Die europäischen Wettbewerbshüter vergrössern ihren Druck auf den US-Kreditkartenanbieter Mastercard. Die EU-Kommission hat ein Beschwerdeschreiben wegen zu hoher Gebühren an das Unternehmen geschickt, zu dem Mastercard nun Stellung nehmen kann.

Nach Ansicht der EU-Kommission noch immer eine zu teure Sache: Eine Kundin zahlt ihre Einkäufe mit Kreditkarte.
Nach Ansicht der EU-Kommission noch immer eine zu teure Sache: Eine Kundin zahlt ihre Einkäufe mit Kreditkarte.
Keystone

"Wir haben zurzeit den Verdacht, dass Mastercard die Kosten für Kartenzahlungen künstlich in die Höhe treibt, was Konsumenten und Händlern in der EU schaden würde", erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag in Brüssel. Die Bedenken beziehen sich auf sogenannte Interbanken-Entgelte. Diese Gebühren fallen bei Käufen mit Geldkarten in Geschäften oder im Internet an. Die Bank des Händlers muss die Interbanken-Entgelte an die Bank des Karteninhabers zahlen. Ihrerseits stellt die Bank die Entgelte aber wiederum den Händlern in Rechnung, erläuterte die EU-Kommission. Hinderung von Nutzung besserer Konditionen Entscheidend ist, dass die Entgelte in verschiedenen Staaten unterschiedlich hoch sind. Mastercard steht nun im Verdacht, die Nutzung von niedrigeren Gebühren im Ausland zu verhindern. Konkret wäre beispielsweise ein Laden in München daran interessiert, eine österreichische Bank mit der Abwicklung von Kartenzahlungen zu beauftragen, wenn die Entgelte in Österreich niedriger sind. Die Bank dürfte jedoch, so ist der Verdacht der EU zu verstehen, aufgrund von Vereinbarungen mit Mastercard dem deutschen Händler die niedrigeren Entgelte nicht anbieten. Die EU-Kommission verdächtigt Mastercard daneben, einen künstlich erhöhten Mindestpreis für die Abwicklung von Transaktionen mit Karten aus Drittstaaten zu bestimmen. Dies beträfe etwa Zahlungen chinesischer Touristen in Berlin. Endkunden tragen Gebühren Letztlich könnte beides den Konsumenten schaden, fürchtet die Kommission - weil die Läden die mutmasslich zu hohen Gebühren wiederum auf die Kundschaft abwälzten. Europäische Verbraucher und Unternehmen nutzen laut Kommission Zahlungskarten für mehr als 40 Prozent ihrer bargeldlosen Zahlungen. Mastercard bestätigte den Eingang des Brüsseler Schreibens. Das Unternehmen arbeite konstruktiv mit der EU-Kommission zusammen und habe die Bedürfnisse von Geschäftsleuten und Konsumenten im Auge, teilte eine Sprecherin mit. Nach der Anhörung von Mastercard wird die EU-Kommission eine Entscheidung treffen. Sollte sie ihren Verdacht bestätigt sehen, könnte sie Mastercard mit einer Summe von maximal 10 Prozent des Umsatzes büssen. Neue Regelungen Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die Gebühren für Kreditkartenzahlungen zu deckeln. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit den Interbanken-Entgelten von Mastercard und Visa. Eine neue Regelung, die voraussichtlich ab September gilt, sieht nun maximale Interbanken-Entgelte von 0,3 Prozent der Zahlung vor. Die neue Regelung könnte so zu tieferen Einkaufspreisen führen, sofern die Händler die tieferen Gebühren an den Konsumenten weitergeben. Auch in der Schweiz sind die Kreditkartengebühren ein Thema. Die Verrechnungsgebühren für Kreditkarten von Mastercard und Visa sinken aufgrund von Interventionen der Wettbewerbskommission (Weko) seit zehn Jahren. Ab August 2017 werden sie mit 0,44 Prozent fast viermal niedriger sein als noch 2004.

SDA

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