«Es war ein sehr emotionaler Moment»

Jetzt spricht der neue Bankchef: Thomas Gottstein sagt, was die überraschende Beförderung bei ihm auslöst und wie er die CS führen will.

«Wir werden eigene Akzente setzen»: Thomas Gottstein folgt  bei der CS als Bankchef auf Tidjane Thiam. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

«Wir werden eigene Akzente setzen»: Thomas Gottstein folgt bei der CS als Bankchef auf Tidjane Thiam. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Herr Gottstein, wie lange wissen Sie schon, dass Sie CS-Chef werden sollen?
Endgültig erst seit gestern. Es gab aber in den letzten Tagen bereits Gespräche mit dem Verwaltungsrat.

Es gab also früher schon Gespräche. Waren diese abhängig vom Ausgang der gestrigen Sitzung des Verwaltungsrats?
Das ist Sache des Verwaltungsrats.

Sie wurden von Tidjane Thiam zum Schweiz-Chef ernannt. Fürchten Sie nicht, dass Sie nun als Thiam-Mann gelten?
Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Ich bin seit 21 Jahren bei der CS. Ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu Tidjane Thiam. Ich habe ihn als angenehmen Chef erlebt. Er hat in Bezug auf die Strategie, die Kapitalstärke und die Kostenbasis bei der Bank sehr viel erreicht. Wir werden darauf aufbauen, aber auch eigene Akzente setzen.

Die Bank ist durch die Affäre verunsichert.
Es geht darum, die Bank in ruhige Bahnen zu lenken. Es ist eine gewisse Verunsicherung entstanden. Ich will dazu beitragen, dass sie verschwindet.

«Alle haben mir versichert, dass sie hinter mir stehen.»

Sie wollen Ruhe, aber jetzt droht ein Streit mit Grossaktionären.
Das wird sich zeigen. Die Geschäftsleitung konzentriert sich vor allem darauf, gute Ergebnisse abzuliefern. Das ist für unsere Aktionäre letztlich entscheidend.

Gibt es neben Ihrem Aufstieg weitere Änderungen in der Geschäftsleitung?
Ich belasse sie so, wie sie ist. Ich hätte mir keine bessere Reaktion von meinen Kollegen wünschen können als gestern, als ich sie über meine Ernennung informiert habe. Es war ein sehr emotionaler Moment. Alle haben mir versichert, dass sie hinter mir stehen.

Die Kosten sind in den letzten Jahren gesunken, doch woher soll das Wachstum kommen?
Die grossen Wachstumschancen sind in Asien und den Schwellenländern. Dort wollen wir mindestens mit dem Markt oder schneller wachsen. In reifen Märkten, wie der Schweiz oder Europa, geht es darum, Marktanteil zu gewinnen. Ich bin überzeugt davon, dass die Konsolidierung im Markt weitergeht. Das eröffnet uns auch zusätzliche Chancen. Wir sind gut aufgestellt, um Teams zu übernehmen oder zuzukaufen.

Andere Banken verabschieden sich derzeit von der Idee, dass sie noch gross wachsen können.
Wir wollen wachsen. Wir sind dank den unter Tidjane Thiam erzielten Fortschritten in einer guten Lage. In den letzten Jahren war es sehr schwierig zu wachsen. Aus regulatorischen Gründen waren wir gezwungen, jedes Jahr neues Kapital aufzubauen, ohne dass unsere Bilanz wächst. Das war in den letzten Jahren ein grosser Hemmschuh. Doch nun sind wir profitabler und generieren mehr Kapital organisch.

Video – «Grossaktionäre drohen mit Konsequenzen»


Wirtschaftsredaktor Holger Alich sagt, warum stürmische Zeiten auf die CS zukommen. Video: Aline Bavier.

Die Beschattungsaffäre hat sich nicht auf das Geschäft ausgewirkt?
Nein, ich kann zwar nichts zu den Zahlen sagen, aber wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Die Kunden sind durch die Affäre nicht verunsichert?
Wir wurden von den Kunden darauf angesprochen und haben es mit ihnen diskutiert. Sie hat sich aber nicht auf das Geschäft ausgewirkt.

Wann kamen die Kunden auf die Bank zu?
Vor allem im Oktober und November, und vermehrt wieder in den letzten Tagen.

«Wir müssen einfach liefern. Der Druck ist ohnehin da.»

Sie steigen nun vom CS-Schweiz-Chef zum CS-Chef auf. Wie lange wollen Sie auf dem Posten bleiben? In unserem Geschäft sollte man sich nie solche Fragen stellen. Ich habe Respekt vor dieser Rolle und freue mich auf die Aufgabe. Ich übernehme eine sehr solide Bank. Wir haben eine klare Strategie, an ihr wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern.

In einem Jahr wird Urs Rohner von seinem Posten abtreten. Ein neuer Präsident sucht meist auch einen neuen Chef. Sind Sie bis dahin ein Chef auf Probe?
In einer solchen Position ist man ohnehin im Scheinwerferlicht. Wir müssen einfach liefern. Der Druck ist ohnehin da, die Aktienmärkte nehmen auf uns keine Rücksicht.

Erstellt: 07.02.2020, 15:01 Uhr

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