Ermotti hält an seinem Job fest

Trotz Problemen im Kerngeschäft möchte der UBS-Chef bis 2022 bleiben. Dafür baut er die Bankführung um.

Sergio Ermotti ist seit 2011 Chef der Grossbank UBS. Foto: Wei Leng Tay (Bloomberg, Getty Images)

Sergio Ermotti ist seit 2011 Chef der Grossbank UBS. Foto: Wei Leng Tay (Bloomberg, Getty Images)

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UBS-Chef Sergio Ermotti versucht mit dem Umbau der Konzernspitze den Befreiungsschlag. Auch nach der Berufung des ehemaligen Credit-Suisse-Topmanagers Iqbal Khan in die Geschäftsleitung will der Tessiner von einem schnellen Abgang nichts wissen. Er peilt die Stabübergabe frühestens 2021 oder 2022 an, wie aus Ermottis Umfeld zu hören ist.

Offen ist zudem, ob zuerst Verwaltungsratspräsident Axel Weber oder Ermotti gehen wird. Weber hatte bei seinem Amtsantritt 2012 erklärt, zehn Jahre an der Bankspitze bleiben zu wollen. Aus Webers Umfeld war einmal zu hören, dass er als Präsident zunächst die Konzernleitung in neue Hände übergeben wolle, bevor er selbst abtrete.

Khan hatte ein Angebot von Julius Bär

Das ungleiche Führungsduo war zuletzt unter zunehmenden Druck geraten: Im Frühjahr wurde die UBS in Frankreich in erster Instanz zu einer Busse von4,5 Milliarden Euro verdonnert. Bei der Generalversammlung verweigerten die Aktionäre der Führung daraufhin die Entlastung. Das Kerngeschäft der Vermögensverwaltung verlief zuletzt harzig. Und mit Blick auf die Nachfolgefrage vermochten die verbliebenen Kandidaten nach prominenten Abgängen wie Investmentbank-Chef Andrea Orcel kaum zu überzeugen.

Nun geht Ermotti in die Offensive und baut sein Führungsteam um. Dabei positioniert er gleich mehrere Kandidatinnen und Kandidaten, die als Nach­folger infrage kommen. Das gilt vor allem für den Neuzugang ­Iqbal Khan. Der 43-Jährige hat in wenigen Jahren bei der Credit Suisse in der Vermögensverwaltung die Profitabilität verdoppelt – unter anderem mit Kostensenkungen und dem Ausbau des Kreditgeschäfts. Um den Shootingstar hat es in der Branche ein noch nie da gewesenes Tauziehen gegeben, nachdem er abrupt im Juni seinen alten Arbeitgeber verlassen hatte. So hatte Khan laut übereinstimmenden Quellen das Angebot auf dem Tisch, Chef bei Julius Bär zu werden. Doch Khan hielt die Bank hin. Am Ende winkte sie entnervt ab. Julius Bär kommentiert das nicht.

Aufgeschobene Boni in Millionenhöhe

Aus Khans Umfeld ist zu hören, dass es ihn nicht danach dränge, sofort Chef der UBS zu werden. Es sei reizvoll genug, beim Weltmarktführer der Vermögensverwaltung Verantwortung zu übernehmen. Laut zwei Quellen hat Khan keine Zusage, dass er Ermotti an der UBS-Spitze nachfolgen wird. Erstaunlich ist an der Personalie ferner, dass Khan bereits drei Monate nach seinem Abgang bei der CS beim direkten Wettbewerber anheuern darf. Die Credit Suisse erklärt, dass dies Teil einer «umfassenden Übereinkunft» sei, zu welcher die Bank keine weiteren Angaben mache.

Klar ist hingegen, was mit Khans aufgeschobenen Boni-Anteilen geschieht, die er bei der Credit Suisse erworben hat. ­Diese Beträge übernimmt die UBS. Laut Geschäftsbericht der Credit Suisse haben Khans aufgeschobene Bonusanteile einen Höchstwert am Zuteilungstag von 8,8 Millionen Franken.

Als Credit-Suisse-Chef Ti­djane Thiam 2015 überraschend den jungen Khan zum Chef der ­Vermögensverwaltung machte, hatte niemand den ehrgeizigen Schweizer mit pakistanischen Wurzeln auf dem Zettel. Wenn er Anfang Oktober seine neue Stelle bei der UBS antritt, wird er ab Tag eins im Scheinwerferlicht stehen. Ein Machtkampf mit dem zweiten Chef der Vermögensverwaltung, dem US-Amerikaner Tom Naratil, droht laut Insidern aber nicht. Beide würden sich aus der Zeit kennen und schätzen, als Khan noch Buchprüfer und Naratil UBS-Finanzchef war und beide über den Bilanzen der Grossbank brüteten.

Ermottis einstigerHoffnungsträger geht

Khan weiss zudem, wie schnell Hoffnungsträger verglühen können. Das zeigt das Beispiel seines Vorgängers, Martin Blessing. UBS-Chef Ermotti holte den Spross einer deutschen Bankerdynastie 2016 in die Schweiz. Sie kennen sich aus der Zeit, als Ermotti im Dienst der Unicredit Aufsichtsratschef der deutschen Tochter Hypovereinsbank war.

Vor seinem Wechsel zur UBS war Blessing Chef der Commerzbank. Daher galt er als Kandidat für die Ermotti-Nachfolge. Laut Insidern geht Blessing nun aus freien Stücken. Auch in seinem Abschiedsmail schreibt er, dass er im Frühsommer Ermotti über seine Pläne informiert habe, die UBS zu verlassen. Dazu passt, dass er bereits vor einem Jahr sein Haus in Zürich verkauft hat.

Insidern zufolge habe sich bei Blessing auch Frust aufgestaut, weil Ermotti ihm angeblich schon vor längerer Zeit eröffnet habe, dass er nicht UBS-Chef werde. Damit Khan dasselbe Schicksal erspart bleibt, gibt es nur ein Mittel: gute Ergebnisse.

Erstellt: 30.08.2019, 07:00 Uhr

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