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Die Pflegefinanzierung fürs Alter ist planbar

Wer sich frühzeitig mit der Pflegefinanzierung auseinandersetzt und gut plant, kann schwierige Situationen vermeiden.

Wer gut plant, muss im Alter nicht unbedingt in einen finanziellen Engpass kommen.
Wer gut plant, muss im Alter nicht unbedingt in einen finanziellen Engpass kommen.
Thomas Egli

Wer im Alter pflegebedürftig wird, steht vor emotional enorm schwierigen Entscheiden. Mit zunehmenden Altersgebrechen werden einfachste Hausarbeiten zur Herausforderung. Irgendwann muss das lieb gewonnene Haus aufgegeben werden. Das soziale Umfeld fällt weg, das bisher gewohnte Leben geht zu Ende. Die finanziellen Folgen werden gelegentlich verdrängt und öfters auch völlig falsch beurteilt.

Dabei könnte eine frühzeitige Planung unnötigen zusätzlichen Ärger verhindern. Denn der Aufenthalt im Pflegeheim ist teuer. Ein Monat kostet durchschnittlich 8800 Franken, für die verbleibende Lebenserwartung kommt eine Summe von gut 260'000 Franken zusammen (Bundesamt für Statistik, 2016).

Ergänzung zur Rente

In mehr als der Hälfte aller Fälle reichen Renten aus AHV und Pensionskasse nicht aus, um den Aufenthalt im Pflegeheim zu finanzieren. Wer eine AHV-Rente bezieht, hat aber Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Diese sind nach oben begrenzt, denn die Zuschüsse sollen nicht ein Luxusleben in einer 5-Stern-Seniorenresidenz finanzieren. Die Höhe der Ergänzungsleistungen wird mit einem Budget bestimmt. Die kantonale Ausgleichskasse berücksichtigt bei dessen Berechnung neben Bezügen aus der AHV und der Pensionskasse auch weitere Einnahmen, wie eine IV-Rente, Kapitalerträge, Einnahmen aus vermieteten Wohnungen und anderes mehr. Bekommen Betroffene Ergänzungsleistungen, so stehen sie vor einer entscheidenden Weichenstellung: Denn sie müssen nicht nur mit ihrem Einkommen, sondern auch mit ihren Ersparnissen zur Pflegefinanzierung beitragen. Dazu werden unter Umständen sogar Familienangehörige herangezogen.

Folgende Kostenübersicht erleichtert das Verständnis: Die pflegebedürftige Person bezahlt die Unterbringungskosten im Heim selber und maximal 21.60 Franken pro Tag für die Pflege. Die restlichen Ausgaben, die im Heim anfallen, tragen Krankenkasse, Kanton oder Gemeinde. Reichen Rente und allfällige weitere Einkommen nicht aus, um die Alterspflege zu finanzieren, wird das Vermögen angezapft. In den meisten Kantonen – darunter auch in Zürich und Bern – verlieren Betroffene so Jahr für Jahr bis zu einem Fünftel ihrer Ersparnisse. Andere Kantone verlangen etwas weniger.

Damit die Betroffenen nicht völlig mittellos werden, gibt es eine Freigrenze. Bis zu diesem Betrag werden ihre Ersparnisse nicht angetastet. Die Grenze liegt schweizweit bei 37 500 Franken. Zusätzliche Unterstützung gibt es für Personen, die Alltägliches wie das Ankleiden, die Körperpflege oder Essen nicht mehr selber verrichten können. Sie erhalten von der AHV eine Hilflosenentschädigung. Diese variiert je nach Schweregrad zwischen 235 und 940 Franken.

Die Pflegefinanzierung kann rasch sehr kompliziert werden. Doch selbst bei einfachen Fragen kommt es immer wieder zu folgenreichen Missverständnissen. Lukas Loher leitet den Fachbereich Sozialberatung bei Pro Senectute Schweiz und kennt die Probleme älterer Menschen mit der Pflegefinanzierung aus langjähriger Erfahrung. Er nennt folgende zwei verbreitete Irrtümer, die Betroffenen das Leben unnötig schwer machen:

  • Verlust des Eigenheims: Oft befürchten Ehepaare, dass sie ihr Haus verlieren, wenn einer von beiden ins Pflegeheim muss. So pflegt der eine den anderen, selbst wenn er damit überfordert ist. Doch gerade für solche Fälle sieht das Gesetz grosszügige Regelungen vor. «In vielen Fällen kann ein Ehemann oder eine Ehefrau alleine im Haus wohnen bleiben, wenn der Partner ins Heim zieht. Und dies selbst wenn sie Ergänzungsleistungen beziehen», sagt Lukas Loher.
  • Ergänzungsleistungen sind keine Sozialhilfe: Ergänzungsleistungen sollen die Lebenskosten decken, wenn AHV und Pensionskassenbeiträge nicht ausreichen. Gerade in ländlichen Regionen sind Ergänzungsleistungen für viele ältere Menschen jedoch schwer zu akzeptieren. Manche zögern deshalb, diese zu beanspruchen, Einzelne verzichten sogar bewusst darauf.

Im Zusammenhang mit der Verwandtschaft tauchen stets auch Fragen zu Erbschaften und Wohneigentum auf. Ob nun Bargeld oder eine Liegenschaft vorhanden ist, Betroffene müssen in beiden Fällen aus ihrem Vermögen etwas zu den Heimkosten beisteuern. Was geschieht aber, wenn die Eltern die Liegenschaft bereits an die Kinder überschrieben haben? «Eigentlich dürften Eltern ihren Kindern jährlich nicht mehr als 10 000 Franken schenken», sagt Loher. Beträge, die darüberliegen, werden als vorhandenes Vermögen betrachtet und somit für die Berechnung der Ergänzungsleistungen berücksichtigt. Es gebe Erben, die in diesem Fall freiwillig Beiträge an die Pflege und Betreuung ihrer Eltern entrichteten, erläutert Loher. Wenn die Erben dies verweigern, kommt die Sozialhilfe zum Zug und prüft, ob die Angehörigen zur Unterstützung verpflichtet wären.

Wann zahlen Verwandte?

Verwandte müssen nur sehr selten finanzielle Verantwortung übernehmen. Diese Frage stellt sich erst, wenn Rente, Ersparnisse und Ergänzungsleistungen nicht ausreichen. In diesem Fall decken Sozialhilfe und Familienangehörige die ausstehenden Beträge. Angehörige müssen aber ordentlich verdienen, dass sie zur Kasse gebeten werden: Alleinstehende müssen erst ab einem steuerbaren Einkommen von 120'000 Franken Pflegekosten übernehmen, Verheiratete ab 180'000 Franken. Hinzu kommen 20'000 Franken für jedes Kind, das minderjährig oder in Ausbildung ist.

Beim Vermögen liegen die Freibeträge bei 250'000 für Alleinstehende und 500'000 Franken für Verheiratete. Je Kind kommen weitere 40'000 hinzu. Letztlich werden in weniger als einem Prozent aller Fälle Verwandte verpflichtet, finanzielle Beiträge zu leisten. Selbst wer die elterliche Liegenschaft geerbt hat, muss also selten die Altersbetreuung mitfinanzieren. Allgemeine Aussagen sind aber nur bedingt möglich, da die finanzielle Situation im Alter sehr individuell ist. Lukas Loher empfiehlt deshalb, sich von Experten beraten zu lassen. Auskunft geben kantonale Ausgleichskassen, Pro-Senectute-Beratungsstellen und Curaviva, ein Verband, der die Interessen von Heimen und sozialen Institutionen vertritt.

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