Die meisten Stelleninserate, die geringste Nachfrage

So sieht die Jobsituation in der Schweiz aus. Es mangelt vor allem an Ingenieuren und Pflegern.

Sie sind gesucht: Spezialisten im Maschinen- und Anlagenbau. Foto: Oliver Berg/DPA/Keystone

Sie sind gesucht: Spezialisten im Maschinen- und Anlagenbau. Foto: Oliver Berg/DPA/Keystone

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Maschinen- und Anlagenbau sowie Produktion: In keinem anderen Wirtschaftszweig sind letztes Jahr in der Schweiz so viele Spezialistinnen und Spezialisten per Stelleninserat gesucht worden. 15,6 Prozent aller Jobausschreibungen in der Deutschschweiz entfielen auf diese Berufsfelder. In der Westschweiz galt dies sogar für fast jedes vierte Inserat.

Der digitale Wandel hat längst auch die klassische Industriewelt erfasst. Entsprechend sind die Unternehmen auf Ausschau nach Fachkräften, die für die Industrie 4.0 mit ihren digital vernetzten Produktionskapazitäten und selbst gesteuerten Prozessen gerüstet sind.

Bei Arbeitgebern heiss begehrt waren auch Beschäftigte in der Informatik und Telekommunikation: Mit gut 13 Prozent der Stellenannoncen rangierte der ebenfalls von der Digitalisierung befeuerte Sektor in der Deutschschweiz auf Platz zwei, in der Romandie reichte es mit knapp 11 Prozent für den dritten Rang. Dort noch etwas stärker gesucht waren Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Segment Administration/Personal/Beratung/Firmenchefs (12,2 Prozent).



Die Daten sind einer am Donnerstag veröffentlichten Auswertung des Online-Stellenportals Jobcloud und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu entnehmen. Sie untersuchten Angebot und Nachfrage auf dem Stellenmarkt im Jahr 2018 anhand von mehreren 100’000 Inseraten und Millionen von Klicks auf den zu Jobcloud gehörenden Portalen Jobs.ch für die Deutschschweiz und Jobup.ch für die Romandie.

Jobcloud gehört den beiden Medienhäusern Tamedia – wie auch dieses Newsportal – und Ringier.

Rare Pflegekräfte

Einblick in den Arbeitsmarkt gibt nicht nur die Rangliste der Berufsfelder mit den meisten Stelleninseraten, sondern auch, welche Inserate auf wenig Nachfrage respektive Klicks gestossen sind. Dabei handelt es sich um Sparten, bei denen häufig von einem Fachkräftemangel die Rede ist.

So stossen in der Deutschschweiz Ausschreibungen insbesondere für Bau- und Ingenieursberufe sowie für Pflegekräfte auf relativ geringe Aufmerksamkeit – gerade wenn man sie in Bezug setzt zum merklich höheren Inserateangebot. Auch in der Westschweiz sind Berufsleute aus dem Bau- und Ingenieursbereich knapp, für Pflegerinnen und Pfleger gilt das aber weitaus weniger.

Bleibt noch eine dritte Kategorie von Berufen: Jene mit der stärksten Nachfrage im Verhältnis zum Angebot. Im deutschsprachigen Landesteil gilt dies besonders für die Sparte Bewachung/Polizei/Zoll/Rettung. Dieses Ungleichgewicht – wenngleich auf tiefem Niveau – sei schon in den Jahren zuvor aufgefallen, sagt Rebekka Hänggi, Marketing-Managerin von Jobcloud. «Einen möglichen Einfluss könnten die Kampagnen der Polizei in den letzten Jahren haben, die sich damit als Arbeitgeberin profilieren will.» Ein klarer Nachfrageüberhang besteht sodann landesweit für Stellen in Verwaltung, Bildung und Sozialem.

Röstigraben bei Teilzeit- und Temporärstellen

Untersucht haben Jobcloud und ZHAW, wie verbreitet Teilzeit- und befristete Stellen sind. «Da hat uns überrascht, wie gross die Unterschiede zwischen deutscher und welscher Schweiz sind», sagt Hänggi. Seien in der Deutschschweiz 15 Prozent der Inserate als Temporärstellen ausgeschrieben worden, habe dieser Anteil in der Romandie sogar 20 Prozent betragen. Demgegenüber war das Interesse an befristeten Arbeitsverhältnissen in beiden Regionen mit Klickanteilen von je über 14 Prozent in etwa gleich – was in der Westschweiz zu einer augenfälligen Diskrepanz geführt hat.

Ein Röstigraben öffnet sich auch in Sachen Teilzeit: In der Deutschschweiz kamen Stelleninserate mit einem 40- bis 90-prozentigen Pensum auf einen Anteil von knapp 22 Prozent; 80-Prozent-Pensen schwangen dabei obenaus. Der entsprechende Westschweizer Inserateanteil lag bei 9,3 Prozent. Allerdings ist hier auch die Nachfrage mit 11,2 Prozent deutlich hinter der deutschen Schweiz (21,3 Prozent) zurückgeblieben.

Erstellt: 05.12.2019, 19:15 Uhr

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