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Bundesrat will möglicherweise gefährliches Herbizid nicht verbieten

Eine neue Studie einer WHO-Agentur stuft das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat als "wahrscheinliche krebserregend" ein. Obwohl es das am häufigsten eingesetzte Herbizid ist, sieht der Bundesrat keinen Grund, über die Bücher zu gehen.

Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid. In den USA werden jährlich über 100'000 Tonnen verbraucht, vor allem im Soja- und Maisanbau. In der Schweiz sind es schätzungsweise 300 Tonnen (Archiv)
Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid. In den USA werden jährlich über 100'000 Tonnen verbraucht, vor allem im Soja- und Maisanbau. In der Schweiz sind es schätzungsweise 300 Tonnen (Archiv)
Keystone

Das hält er in den Antworten auf mehrere Vorstösse fest, die am Montag veröffentlicht wurden. Die neue Einstufung durch die internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im März hat er zwar zur Kenntnis genommen. Dafür seien aber offensichtlich keine neuen toxikologischen Studien ausgewertet worden, schreibt der Bundesrat. Der Beurteilung der IARC stellt er die Einschätzung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) und internationaler Expertengremien wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gegenüber. Gestützt auf die Neubewertung von rund 1000 Studien in der EU sei Glyphosat vor kurzem weder als krebserregend, reproduktionsschädigend noch als fruchtschädigend beurteilt worden, heisst es in der Antwort. Glyphosat werde in der Schweiz und in Europa als nicht krebserregend eingestuft. Zudem sei es weder für Vögel und Säugetiere noch für Insekten schädlich. Auch für Gewässerorganismen bestehe nach heutigem Wissensstand bei sachgemässer Anwendung kein unannehmbares Risiko. Bezüglich Grundwasser sei der Wirkstoff eher unproblematisch. "Gestützt auf aktuelle toxikologische Studien gibt es im Moment keinen Anlass, Glyphosat neu als karzinogen einzustufen", hält der Bundesrat fest. Die Grüne Fraktion verlangt vom Bundesrat mit einer Motion, den Vertrieb von Glyphosat zu sistieren und die Langzeitrisiken umfassend abzuklären. SP-Nationalrat Pierre-Alain Fridez (JU) verlangt gar ein umgehendes Verbot. In der Schweiz werden jährlich schätzungsweise 300 Tonnen Glyphosat eingesetzt. Der Wirkstoff findet sich in rund 70 zugelassenen Produkten, darunter im bekannten Herbizid Roundup. Glyphosat kann auch von Privaten eingesetzt werden. Nach Bekanntwerden der neuen Ergebnisse haben Coop und Migros umgehend reagiert und glyphosathalige Produkte aus dem Sortiment genommen. Frankreich hat den Verkauf von Roundup in Gartenzentren inzwischen verboten.

SDA

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