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Bucher streicht 60 Stellen

Bucher produziert Kehrfahrzeuge künftig in Lettland und nicht mehr in der Schweiz. Deshalb streicht der Industriekonzern in Niederweningen 60 Stellen.

In Niederweningen produziert Bucher Kehrfahrzeuge. Nun wird die Produktion nach Lettland verlegt.
In Niederweningen produziert Bucher Kehrfahrzeuge. Nun wird die Produktion nach Lettland verlegt.
Archiv ZU

Nach den zwei Rekordgeschäftsjahren 2013 und 2014 muss Bucher Industries einen bis mehrere Gänge zurückschalten. Der Maschinenkonzern aus Niederweningen steht im Gegenwind, den ein Grossteil der Schweizer Exportunternehmen aktuell zu spüren bekommen. Nach der Aufhebung des Euro-Mindeskurses durch die Nationalbank im Januar 2015, den dadurch (zu) starken Franken sowie schlechter gewordenen Bedingungen auf vielen Absatzmärkten (Rezessionen, Kriegskonflikte) leidet die Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Firmen im Ausland.

Bei Bucher Industries schlug sich das rauer gewordene Wirtschaftsklima in schwächeren Umsatz- und Auftragszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 nieder (Ausgabe vom 3. Februar). Um die eigenen Konkurrenzfähigkeit halten zu können, haben die Niederweninger jetzt eine drastische Massnahme im Geschäftsbereich Municipal beschlossen: Die Herstellung von Kehrfahrzeugen soll auf die Standorte in Grossbritannien und Lettland konzentriert werden, Niederweningen fällt als Endproduktionsstandort weg. Dadurch gehen im Wehntal 60 Stellen verloren, in Grossbritanien 5. Die 65 Arbeitsplätze werden nach Lettland ausgelagert. Die Engineering-, Vertriebs- und Kundendienstorganisationen bleiben erhalten.

Langfristige Massnahme

«Glauben Sie mir, es hat schon bessere Tage gegeben als heute». sagt Philip Mosimann, CEO bei Bucher Industries. Das gesamte Unternehmen arbeite ja nach wie vor profitabel. «Aber das dies im wirtschaftlich härter gewordenen Umfeld auch so bleibt, sind unpopuläre Massnahmen manchmal unumgänglich.»

Zwei Jahre soll die angekündigte Umstrukturierung dauern. «Es sind alle drei Standorte betroffen. Produktionsabläufe werden von Niederweningen und Grossbritanien nach Lettland verschoben, aber auch solche von Lettland auf die britische Insel. Ziel ist es, dass die gesamte Produktion der Grosskehrfahrzeuge in Grossbritannien passiert, diejenige der Kompaktfahrzeuge in Lettland», erklärt Mosimann.

Die Reorganisation wird rund 4 Millionen Franken kosten. Umgekehrt verspricht sich die Bucher-Führung von der Massnahme eine jährliche Kostenersparnis von 6 Millionen Franken. «Umstrukturierungen müssen langfristig wirken. Die Einsparungen sind eines der Mittel, die uns international eine flexiblere Preispolitik ermöglichen und so die Konkurrenzfähigkeit steigern.» Als Schweizer Unternehmen sei Bucher generell teurer als die ausländischen Anbieter, sagt Mosimann weiter. «Wir müssen zusätzlich qualitativ besser sein, effektiver und innovativer.»

Die 60 Stellen, die in Niederweningen verloren gehen, werden zu einem Teil mit Frühpensionierungen aufgefangen. Wieviele Kündigungen ausgesprochen werden müssen, sei noch nicht klar. «Wir werden den Betroffenen bei der Suche nach einer neuen Stelle helfen, auch bei den Bewerbungen», versichert Mosimann. Es soll ein Sozialplan erstellt werden. Die Mitarbeiter, die bei Bucher Municipal von der Umstrukturierung betroffen sind, leisteten im Vorfeld schon unbezahlte Mehrarbeit. Diese wird jetzt nachträglich entlöhnt. «Das ist nichts als fair. Sie sind uns entgegengekommen und jetzt können wir sie trotzdem nicht halten», meint Mosimann.

Das wirtschaftliche Umfeld wird sich für die Exportfirmen in nächster Zeit kaum verbessern. Trotzdem glaubt der CEO, dass von den gut 1000 Bucher-Stellen in der Schweiz keine weiteren von einem Abbau bedroht sind.

Über die Reorganisation verständlicherweise nicht erfreut ist Andrea Weber, die Gemeindepräsidentin von Niederweningen. «Ein Stellenabbau tut immer weh und ist natürlich für diejenigen, die ihre Arbeit verlieren, besonders schmerzhaft», sagt sie. Einige der Betroffenenen und deren Familien würden nicht nur in der Gemeinde arbeiten. sondern auch wohnen. Der Gemeinderat sei von der beschlossenen Massnahme aber nicht völlig überrascht worden. «Wir sprechen viel mit den Bucher-Verantwortlichen. Es gab seit geraumer Zeit Vorzeichen, dass so etwas passieren könnte. Bucher hat uns aber schon am Dienstag über die beschlossene Umstrukturierung informiert.»

Lemos neu an der Spitze

Weber hofft, dass es dabei bleibt. «Bucher ist ein wichtiger Arbeitgeber und Steuerzahler, für uns ist deshalb wichtig, dass der Standort Niederweningen weiter besteht.» Als Behörde könnten sie mithelfen, indem sie für die Grossfirma möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen würden, damit sie arbeiten können. «Zum Beispiel bei Baubewilligungen, natürlich immer innerhalb des gesetzlichen Rahmens.» Im Zuge dieser Änderungen gibt das Unternehmen weiter bekannt, dass die Sparte Municipal künftig von Aurelio Lemos geleitet werde. Der Spanier kam 2003 zu Bucher Hydraulics und war zuletzt Verantwortlicher von Bucher Hydraulics Schweiz. Coen van Rosmalen, der die Division interimistisch leitete, werde sich einer neuen Herausforderung zuwenden.

An der Börse verloren die Bucher-Titel nach Bekanntgabe der Massnahme nur kurz 0,1 Prozent. Nachher zogen sie um 2,1 Prozent an.

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