Stäfa

«Bei uns kann jeder mit seiner Idee direkt zum CEO»

Laut dem Ranking von «Great Place to work» ist Sensirion der beste Arbeitgeber der Schweiz. Für Personalchef Heiko Lambach ist der grosse Gestaltungsfreiraum für die Mitarbeitenden entscheidend.

«Wer viel Geld verdienen will, kommt nicht zu Sensirion»: Heiko Hambach, Personalchef.

«Wer viel Geld verdienen will, kommt nicht zu Sensirion»: Heiko Hambach, Personalchef.

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Herr Lambach, in der Schweiz gibt es fast 1600 Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitenden: Wie repräsentativ ist die Wahl von Sensirion zum attraktivsten Arbeitgeber der Schweiz?
Heiko Lambach: In unserer Kategorie Grosse Unternehmen mit über 250 Mitarbeitenden beteiligten sich rund 30 Firmen an der Wahl. Die Frage ist berechtigt, ob dies repräsentativ ist oder nicht. Natürlich könnte die Beteiligung höher sein. Auf der anderen Seite muss man sehen, dass sich viele Firmen der Herausforderung nicht stellen, weil sie wissen, dass es für sie mit ziemlicher Sicherheit keine gute Platzierung gibt. Das Schlimmste ist, wenn man glaubt, ein guter Arbeitgeber zu sein und teilnimmt, letztlich aber gar nicht zertifiziert wird oder weit hinten rangiert.

Wenn ich sehe, was Sensirion als die wichtigsten Stärken seiner Unternehmenskultur angibt – faire und kollegiale Zusammenarbeit, offene und zeitnahe Kommunikationspolitik, grosser Gestaltungsfreiraum und hohe Eigenverantwortung – , dann muss ich sagen, das nehmen viele Unternehmen für sich in Anspruch.
Das stimmt. Bei uns sehen die Leute aber, dass sie wirklich Verantwortung bekommen und zwar vom ersten Moment an. Das zeigen auch Befragungen während der Probezeit eines neuen Mitarbeitenden. Sie können auf Anhieb zeigen, was sie können, und zwar auf allen Positionen, für die sich geeignet fühlen. Bei uns kann jeder mit seiner Idee direkt zum CEO. In einem hierarchisch geprägten Grossbetrieb ist das nicht möglich.

Aber auch Sensirion wächst, und zwar schnell. Es dürfte schwierig werden, diese flachen Hierarchien zu halten.
Wir wollen unsere Start-up-Kultur unbedingt bewahren, obwohl wir immer grösser werden. Wir wollen keine grossen Formalien, um Innovation zu generieren. Wir brauchen auch kein betriebliches Vorschlagswesen, wo irgendein Gremium schaut, ob eine Idee brauchbar ist und sich alles über ein Jahr hinzieht. Aber es ist so, je grösser die Strukturen werden, desto grösser ist die Gefahr, dass alles versandet. Hier müssen wir alles dafür tun, um die richtigen Instrumente zu entwickeln, damit das uns nicht passiert.

Sensirion hat aus Anlass des Börsengangs vor einem Jahr allen Mitarbeitenden eine Gratifikation in Form von Aktien gewährt. Ein Grossteil der Kosten des Börsengangs von knapp 19 Millionen Franken gehen darauf zurück: Müssen Sie sich immer mehr einfallen lassen, um die Mitarbeitenden bei der Stange zu halten?
Das war ein einmaliges Geschenk der beiden Firmengründer, das nicht als Anreiz zu verstehen war, sondern als ein sehr grosses Dankeschön an unsere Mitarbeitenden, indem sie Aktien erhalten haben. Wir zahlen aber im Marktvergleich keine speziell hohen Löhne, sondern branchenübliche Saläre.

Gleichzeitig haben Sie den Anspruch, nur die besten Leute zu nehmen: Kann diese Rechnung aufgehen?
Auf jeden Fall. Bei uns sind die Mitarbeitenden nicht lohngetrieben, sondern weil es ihnen Spass macht, mit anderen hochintelligenten Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten. Sie schätzen das grosse Know-how im Betrieb. Bei uns wollen die Mitarbeitenden lieber etwas bewegen und Innovation implementieren und den grösstmöglichen unternehmerischen Erfolg generieren. Ich nehme nicht wahr, dass ausnahmslos die besten Leute auch die höchsten Saläre haben wollen. Ich halte das sogar für einen Charakterfehler. Wer viel Geld verdienen will, kommt nicht zu Sensirion.

Die Mitarbeiterzufriedenheit drückt sich auch in der Personalfluktuation aus: Wie hoch ist diese?
Im Branchenvergleich ist sie unterdurchschnittlich. Der Schnitt – im gesamten deutschsprachigen Raum – liegt bei 9 Prozent. Bei uns liegt er mindestens drei Prozent darunter.

Wie hoch ist der Leistungsdruck bei Sensirion – insbesondere nach dem Börsengang?
Nicht höher als an anderen Orten im Projektgeschäft. Wenn ich uns beispielsweise mit einer Beraterfirma vergleiche, wo die Leute teilweise bis 21 Uhr abends arbeiten oder bei Kunden sind, ist das bei uns nicht so. Wenn ich abends aus meinem Büro blicke, stelle ich fest, dass die meisten um 17 Uhr aus dem Büro marschieren. Bei uns zeichnet sich der Leistungsdruck nicht dadurch aus, dass die Leute möglichst lange irgendwo sitzen oder eine Unmenge an Überstunden leisten. Es geht aber auch anders: Für das Samsung-Projekt im Jahr 2014, bei dem der Handyhersteller zeitweise einen Temperaturmesser von Sensirion verbaut hat, arbeiteten unsere Leute auch mal bis nachts um 23 Uhr.

Erstellt: 09.04.2019, 15:31 Uhr

Stäfa

Weltmarktführer Sensirion

Das Technologieunternehmen Sensirion stellt Sensoren her, die man in Autos, Kühlschränken und in der Medizinaltechnik findet. Weltweit beschäftigt die Industriegruppe gegen 750 Personen, rund 500 davon am Hauptsitz in Stäfa. Hier arbeiten rund 200 Personen in der Forschung und Entwicklung. Weiter sind 200 Personen in der Produktion tätig, 60 im Verkauf und gegen 40 in der Administration.

Das Unternehmen ist der weltweit führende Hersteller von digitalen Mikrosensoren und weist in gewissen Sparten einen Marktanteil von über 50 Prozent auf. In jedem dritten neu hergestellten Auto steckt heute mindestens ein Sensor aus Stäfa – jährlich werden über 70 Millionen Motorfahrzeuge produziert. (ths)

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