Werbeverbot trifft umstrittenen Tickethändler Viagogo hart

Seit die Firma über Google keine Anzeigen mehr schalten kann, brechen die Kundenkontakte ein – zur Freude der Schweizer Konkurrenz.

Heimspiel von Roger Federer: Die einfachen Finaltickets für die Swiss Indoors in Basel sind schon weg. Bei Viagogo kosten sie über 200 Franken. Foto: Alexandra Wey, Keystone

Heimspiel von Roger Federer: Die einfachen Finaltickets für die Swiss Indoors in Basel sind schon weg. Bei Viagogo kosten sie über 200 Franken. Foto: Alexandra Wey, Keystone Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

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Das Ticketportal Viagogo ist umstritten. Über die Website des Unternehmens mit Sitz in Genf werden Eintrittskarten für Konzerte und Sportevents verkauft. Auch wenn die Veranstaltung ausverkauft ist, gibt es dort Billette. Dass die Tickets oft aus zweiter Hand stammen und massive Aufschläge dazukommen, erfährt der Kunde oftmals aber erst nach dem Kauf. Im Herbst 2017 reichte daher das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Klage ein. Auch in anderen Ländern gingen Behörden, Künstler und Organisationen, wie etwa der Weltfussballverband Fifa, juristisch gegen Viagogo vor.

Weil sich so viele Kunden über Viagogo beschwerten, sperrte der Onlineriese Google in diesem Sommer bestimmte Werbeformen für die Ticketplattform. Offenbar mit schwerwiegenden Folgen für das Portal.

Rückgang um 80 Prozent

Laut dem «Guardian» sind die Zugriffe auf die britische Internetseite von Viagogo um 80 Prozent eingebrochen. Das Blatt verwendete für seine Messung den Messdienst Similarweb. Der Rückgang für die internationale Ausgabe der Seite beträgt rund zwei Drittel.

Die Zugriffe auf die Schweizer Ausgabe der Website gingen von 430'000 auf 60'000 Besuche pro Monat zurück. Also mehr als 80 Prozent. Der Wert wurde von dieser Zeitung ebenfalls mit Similarweb gemessen. «Wir sind weiterhin daran interessiert, mit Google zusammenzuarbeiten», so ein Viagogo-Sprecher. Doch als Onlineplattform habe die Firma immer zahlreiche Kommunikationskanäle genutzt, um die Käufer über das aktuelle Angebot zu informieren.

Rückgang bei Viagogo.ch. Screenshot: Similarweb

Bei Stefan Breitenmoser vom Branchenverband der Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter kommt der Rückgang des Webtraffics bei Viagogo gut an. «Ob der rückläufige Traffic aufgrund der Google-Sperre zu einem Umsatzrückgang von Viagogo führte, können wir nicht beurteilen. Zu wünschen wäre es aber», so Breitenmoser. Der Verband unterstützte die Massnahme, als Google die Firma als Werbetreibende auf unbestimmte Zeit sperrte. Es sei entscheidend gewesen, dass Google von Branchenorganisationen und aus der Politik unter Druck gesetzt worden sei.

Wiederverkäufer weichen aus

Für viele Veranstalter ist Viagogo weiterhin ein Ärgernis. Das zeigen auch die in wenigen Tagen beginnenden Swiss Indoors in Basel, wo Roger Federer vor seinem Heimpublikum auftritt. Der Veranstalter warnt auf seiner Internetseite vor den Wiederverkaufsplattformen. «Wir raten dringend davon ab, Tickets via Versteigerungs- oder Handelsplattformen im Internet zu kaufen», heisst es da.

Doch selbst wenn Google für die Zugriffe über das Internet entscheidend ist, gibt es auch andere Möglichkeiten, um für die Plattform zu werben. «Wir vermuten, dass Viagogo die Google-Sperre durch den Einsatz von anderen Kanälen auszugleichen versucht», so Breitenmoser. Viagogo scheine seit August vermehrt Werbebeiträge, sogenannte Sponsored Posts, auf Facebook zu schalten.

Viagogo geht nicht direkt auf die Frage ein. Ein Viagogo-Sprecher schreibt aber: Es bestehen zahlreiche Möglichkeiten, um die eigene Website zu bewerben.

Aufatmen können die Veranstalter also noch nicht. Denn sie stellen auch fest, dass im Internet Portale wie Safetickets.net stärker beworben werden. Dabei handelt es sich um eine Suchmaschine, die mit mehreren Portalen verlinkt ist, auf denen Tickets weiterverkauft werden, wie etwa Viagogo.

Erstellt: 09.10.2019, 20:46 Uhr

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