Wer steckt hinter der Kampagne gegen die Übernahme von UPC?

Gegner des Milliardengeschäfts machen im Internet Stimmung gegen Sunrise – ohne zu sagen, wer sie sind. Eine Spur führt nach Zürich.

Am 23. Oktober 2019 entscheiden die Aktionäre von Sunrise, ob sie dem Kauf von UPC zustimmen.

Am 23. Oktober 2019 entscheiden die Aktionäre von Sunrise, ob sie dem Kauf von UPC zustimmen. Bild: Reuters

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Es ist ein Kampf mit harten Bandagen um das möglicherweise grösste Geschäft im Schweizer Telecommarkt: Wer sich auf Google über die geplante Milliardenübernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch Sunrise informieren will, erhält Werbeanzeigen der Gegner eingeblendet. Die Online-Inserate führen auf die Website sundown.ch, der englische Begriff für Sonnenuntergang.

Der Seitenhieb auf den zweitgrössten Anbieter des Landes ist offensichtlich: Sunrise heisst auf Englisch Sonnenaufgang.

Die Website ist professionell aufgezogen. Sie bietet einerseits tagebuchartige Meinungsstücke, in denen sich der oder die Autoren launig gegen den UPC-Deal äussern.

Auf der anderen Seite sind aber auch Informationen zu finden, die den Anschein auf Neutralität erwecken wollen: Fragen und Antworten mit den wichtigsten Punkten zur geplanten Übernahme. Und ein Lexikon, das häufig verwendete Finanzfachbegriffe wie «Due Diligence» und «Goodwill» erklärt.

Schliesslich zählt ein gut sichtbarer Countdown die Anzahl Tage, Stunden und Minuten bis zur ausserordentlichen Generalversammlung vom 23. Oktober runter. An diesem Tag entscheiden die Aktionäre von Sunrise, ob sie dem Kauf von UPC zustimmen.

Hinweis im Leitbild

Auffallend ist jedoch, dass die Website die Beiträge anonym veröffentlicht. Einzig der Satz «Wir Aktionäre sind besorgt» im Leitbild könnte ein Hinweis darauf sein, wer die Betreiber sind und die Google-Werbung finanzieren. Doch warum agieren diese skeptischen Anleger aus dem Hintergrund und wollen ihre Namen nicht preisgeben?

Wir wollten es genau wissen und kontaktierten die Gegner über die offizielle E-Mail-Adresse auf der Website. Doch die Anfrage kam dort nie an. Zurück kam eine Fehlermeldung mit dem Hinweis, die Adresse sei nicht gefunden worden oder könne keine elektronischen Nachrichten empfangen.

Firmeninhaber bestreitet Beteiligung

Ein zweiter Anlauf ergab sich über die Angaben im Impressum der Website. Als Halterin ist mit der 60francs.ch GmbH eine kleine Firma aus Zürich angegeben. Sie ist darauf spezialisiert, freischaffende Fachkräfte zu vermitteln, die Texte übersetzen, Internetauftritte programmieren oder Erklärvideos herstellen.

Firmeninhaber und Geschäftsführer Christian Lämmler bestreitet auf Anfrage, etwas mit der Kampagne zu tun zu haben, und verweist auf den Haftungsausschluss im Impressum.

Sein Betrieb übernehme lediglich die Inhalte der Website von einem Auftraggeber und biete keinerlei Gewähr zu inhaltlicher Richtigkeit, Genauigkeit, Aktualität, Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der Informationen. Aus Gründen der Vertraulichkeit erteile er deshalb keine weiteren Auskünfte, sagt Lämmler.

Nur in einem Punkt wird der Unternehmer etwas gesprächiger. Aufgrund der Reaktionen und Seitenaufrufe lasse sich feststellen, dass das Interesse über den kühnsten Erwartungen liege.

Sunrise rätselt

Bei Sunrise herrscht Rätselraten. «Wir fragen uns, wer dahintersteckt», sagt eine Firmensprecherin. Denn ausser drei Aktionären habe sich noch niemand öffentlich gegen die Übernahme ausgesprochen.

Bei den drei Anlegern handelt es sich um den deutschen Mobilfunkbetreiber Freenet, die luxemburgische Fondsgesellschaft Axxion und den aktivistischen Investor Active Ownership Capital aus Deutschland. Diese Aktionäre stören sich vor allem am Kaufpreis und an der Art, wie die Übernahme finanziert werden soll.

Freenet bestreitet, etwas mit der Kampagne im Internet zu tun zu haben. Für Freenet-Chef Christoph Vilanek ist sie Ausdruck dafür, dass der Widerstand grösser sei als bislang angenommen. Das Unternehmen hält einen Anteil von 25 Prozent an Sunrise und ist damit grösster Aktionär.

Das Sunrise-Management um Firmenchef Olaf Swantee hat noch bis zum Dienstag Zeit, unentschlossene Aktionäre für die Übernahme zu gewinnen. Es zeichnet sich eine Zitterpartie ab. Denn inzwischen ist völlig offen, ob die Generalversammlung das Geschäft durchwinkt.

Erstellt: 18.10.2019, 16:33 Uhr

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