Diese Sofortmassnahme sollen die SBB umsetzen

Kontrollleuchte erlosch zu früh: Zum tödlichen Unfall mit einer Wagentür hat die Sust einen Zwischenbericht veröffentlicht.

Der Endschalter Pb 13 spricht bereits an, obwohl der Türflügel nicht ganz verschlossen ist. Foto: Sust

Der Endschalter Pb 13 spricht bereits an, obwohl der Türflügel nicht ganz verschlossen ist. Foto: Sust

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Anfang August kam ein Zugbegleiter ums Leben, nachdem er in einer Tür eingeklemmt und in der Folge mitgeschleift wurde. Nun hat die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust einen Zwischenbericht veröffentlicht. Dies passiert nur, wenn die Sust Sofortmassnahmen empfiehlt.

Bisher war einzig klar, dass der Einklemmschutz an einem Wagen des Typs EW IV nicht funktioniert hat. Nun zeigt sich, dass das zusätzlich verbaute Sicherheitssystem nicht ausreichend zuverlässig funktioniert. Damit der Lokführer weiss, ob alle Türen geschlossen sind, ist im Führerstand eine Lampe installiert. Diese erlischt, wenn die Zugtüren geschlossen sind. Das ist beim tödlichen Unfall auch geschehen, wie die Sust festhält. Auch wenn sie gar nicht hätte erlöschen dürfen.

Die lose Verbindung beim Druckwellenschalter der Tür 4 hatte zur Folge, dass die Schliesskraft der Tür nicht abgebaut wurde, wenn sie auf ein Hindernis traf. Foto: Sust

Normalerweise sollten gewisse Schalter an den Türen in einer Serienschaltung aneinandergekoppelt sein. Damit wird sichergestellt, dass im Führerstand das Lämpchen als Meldung für geschlossene Türen nur dann erlöscht, wenn wirklich alle Schalter eine geschlossene Tür melden. Doch zwei Schalter sind nun offenbar anders verdrahtet worden. Diese Parallelschaltung führt dazu, dass auch bei der Blockierung eines Schalters die Tür dennoch als geschlossen gemeldet wird. Deshalb könne das zusätzliche Sicherheitssystem dem Lokführer falsche Informationen anzeigen, hält die Sust fest.

Zudem melde ein Schalter bei der Tür zu früh, dass diese zu ist, obwohl sie gar noch nicht verriegelt ist. Diese Fehlkonstruktion ist bei allen Wagen des Typs verbaut. Bis 2013 war das aber nicht so wichtig, weil die SBB einen anderen Abfahrtsprozess anwendeten. Seit jedoch das Sicherheitssystem mit der Meldung an den Lokführer verbaut ist, ist die Fehlfunktion des Schalters ein grösseres Problem.

Die Untersuchungsstelle empfiehlt nun dem Bundesamt für Verkehr, dass dieses die SBB auffordert, das Schliesssystem anzupassen. So soll sichergestellt werden, dass der Einklemmschutz zur richtigen Zeit abgeschaltet wird, wenn die Tür zu 98 Prozent zu ist. Dies ist heute offenbar nicht immer der Fall. Zudem werden die SBB aufgefordert, den falsch eingestellten Schalter so anzupassen, dass der Lokführer auf die Meldung im Führerstand vertrauen kann.

Bereits 20 Türen mit defektem Einklemmschutz gefunden

Die SBB versprechen in einer Mitteilung, dass man die Empfehlungen der Sust in die eigenen Untersuchungen einfliessen lässt. Man arbeite bereits an konkreten Massnahmen. Weitere Ausführungen machen die Bundesbahnen zurzeit nicht. Die SBB werden nach Erhalt von allfälligen Verfügungen des Bundes im Detail informieren, heisst es. Das Bundesamt für Verkehr muss diese sprechen, weil die Sust nur Empfehlungen, aber keine Verfügungen abgeben kann.

Seit dem tragischen Unfall untersuchen die SBB die Türen an den betroffenen Wagen. Sie haben bereits 20 Türen gefunden, bei denen der Einklemmschutz nicht richtig funktioniert. Die SBB sagen, dass sie die betroffenen Wagen weiterhin sicher betreiben könnten, auch nach den Sicherheitsempfehlungen der Sust.

Erstellt: 21.08.2019, 09:48 Uhr

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