Spione aus China schnüffelten in Schweizer Firma

Die Agenten gelangten an 700 hochgeheime Dokumente einer Zuger Hightech-Firma – mit Hilfe eines Kadermanns.

Fein säuberlich verpackt: Ein Mitglied des Kaders hat die Unterlagen per Post an die Auftraggeber geschickt. Foto: iStock

Fein säuberlich verpackt: Ein Mitglied des Kaders hat die Unterlagen per Post an die Auftraggeber geschickt. Foto: iStock

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Dass Spione aus China Firmen im Ausland aushorchen, ist nicht bloss eine Verschwörungstheorie von US-Präsident Donald Trump, um gegen Huawei vorzugehen. Ausgerechnet ein Fall aus der Schweiz beweist nun, dass chinesische Unternehmen tatsächlich hochprofessionelle Wirtschaftsspione ins Feld schicken: Die Zuger Hightech-Firma Besi Switzerland wurde Opfer chinesischer Aushorchungsmethoden. Das ergaben Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Besi Switzerland ist eine Tochtergesellschaft des holländischen Technologiekonzerns Besi. Sie stellt Maschinen zur Weiterverarbeitung von Computerchips her.

Chinesische Unternehmen hatten zwei «Agenten» engagiert, um bei der Zuger Firma massenhaft hochgeheime «Pläne zum Bau von Apparaturen und patentrechtlich geschützte Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisse» zu stehlen. «Mindestens 700 Dokumente» gelangten so nach China. Die Agenten hatten von Singapur aus operiert. Sie machten einen von dort stammenden Techniker ausfindig, der zu jener Zeit in der Schweiz wohnte und als Kadermann bei der Zuger Hightech-Firma arbeitete. Die Agenten boten ihm Geld an, wenn er Geschäftsgeheimnisse liefern würde. Das Angebot war so verlockend, dass der Techniker schliesslich bei seinem Arbeitgeber kistenweise hochvertrauliche Dokumente kopierte.

Die Unterlagen hat der Techniker fein säuberlich in Pakete verpackt und per Post an die Adresse seiner Auftraggeber in Singapur geschickt. Diese mussten das Material bloss noch an ihre Auftraggeber in China weiterleiten. Über Monate überwiesen die Agenten dem Techniker dafür Geld, insgesamt 35'000 Franken. Die chinesischen Firmen wollten die Pläne, um die geschützten Apparate und Maschinen selber herstellen zu können. Der Fall ist aufgeflogen, die beiden Agenten haben sich scheinbar in Luft aufgelöst, hängen geblieben ist der Techniker. Die Bundesanwaltschaft hat ihn per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 35'000 Franken verurteilt. Besi Switzerland will sich zum Fall nicht äussern.



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Erstellt: 26.05.2019, 08:13 Uhr

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